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Debatte um Klimawandel Umweltamt brandmarkt „Klimaskeptiker“

Das Umweltbundesamt setzt unter anderem den RWE-Manager Fritz Vahrenholt auf eine Liste von "Klimaskeptikern" und zweifelt an deren Kompetenz. Die Angegriffenen sprechen von Rufschädigung. Henryk M. Broder packt sogar die Nazikeule aus.

Die hitzige Sonne, gestern aufgenommen. Foto: NASA/Solar Dynamics Observatory

Eine neue Broschüre des Umweltbundesamtes (UBA) zur Klimadebatte sorgt für Wirbel. In dem Text mit dem Titel „Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte über den Klimawandel“ erläutert das Amt nicht nur den Stand der Forschung. Es setzt sich mit den sogenannten „Klimaskeptikern“ auseinander.

Dabei nimmt es auch bekannte deutsche Journalisten und den Ex-Windkraft-, Shell- und RWE-Manager Fritz Vahrenholt ins Visier. Diese reagierten heftig auf die Angriffe. Im siebten Kapitel der Broschüre, die sonst bereits länger verfügbare UBA-Texte zusammenfasst, geht es um die „,Klimawandel-Skeptiker’ in Deutschland“.

Genannt werden namentlich die Printjournalisten Dirk Maxeiner, ehemals Chefredakteur der Öko-Zeitschrift natur, und Michael Miersch, Ressortleiter Forschung und Technik beim Magazin Focus, sowie der Filmemacher und Publizist Günther Ederer.

„Geniale Propaganda“

Maxeiner und Miersch wirft das UBA vor, ihre Beiträge würden „nicht mit dem Kenntnisstand der Wissenschaft übereinstimmen“. Über Ederer heißt es, er trete mit „,klima-skeptischen’ Inhalten in Film, Buch, Zeitungen und Zeitschriften auf“. Zitiert wird der Titel eines Welt-Artikels aus seiner Feder: „Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda.“

Die Reaktionen in Online-Foren und bei Journalisten-Kollegen sind heftig. Der Publizist Henryk M. Broder schlug in der Welt zurück: Das Vorgehen des UBA erinnere „an Reichskulturkammer und DDR-Regime“. Das Online-Portal klimaretter.info kommentiert: Das Amt habe kein Recht, journalistische Kritiker der Klimaforschung bloßzustellen.

Maxeiner, der mit Miersch in den 90er-Jahren als Verfechter eines „Öko-Optimismus“ (Buchtitel) auftrat und eine wöchentliche Kolumne in der Welt schreibt, sagte der Frankfurter Rundschau: „Ich bin einiges an Kritik wegen abweichender Meinung gewohnt“, die UBA-Schelte aber sei „ein Skandal“. Er sei kein Klimaforscher, sondern Journalist und sehe seien Aufgabe darin, auch die Meinung von Nicht-Mainstream-Experten darzustellen. In der Debatte um den Klimawandel sei er „neutral“. Maxeiner und Co. erwägen, juristische Schritte gegen das UBA zu ergreifen. Die Veröffentlichung bedeute schließlich eine Rufschädigung, sagte der Journalist.

Beschwerdebrief an den UBA-Präsidenten

Auch Vahrenholt, der mit seinem 2012 erschienenen Buch „Die Kalte Sonne – Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“ Furore machte, attackiert das UBA. In der Broschüre heißt es, er und sein Co-Autor stellten „grundlegende Erkenntnisse der Klimaforschung in Frage“. Das Amt verweist darauf, dass beide zwar Wissenschaftler – nämlich Chemiker und Geologe –, aber eben keine Klimaforscher seien.

Vahrenholt hat inzwischen einen Beschwerdebrief an den UBA-Präsidenten geschrieben, wie er der FR sagte. Er wirft dem Amt vor, seinen „Lebenslauf gefälscht“ zu haben, um den Eindruck zu erwecken, er sei „ein Vertreter der Öl-und Energiewirtschaft“, nämlich von Shell und RWE. Tatsächlich habe er sich „seit über 20 Jahren mit nichts anderem als erneuerbaren Energien beschäftigt“.

Der Ex-Manager wehrt sich auch gegen die Einstufung als Klimawandelleugner. „Das bin ich nicht“, sagte er. Man müsse durchaus etwas gegen die globale Erwärmung tun. Mit seinem Buch wolle er klarmachen, dass der Einfluss des Treibhausgases CO2 geringer sei als bisher angenommen. Das UBA stelle nicht den neuesten Stand der Forschung dar. Die Erwärmung werde langsamer verlaufen. Ergo: „Wir haben mehr Zeit, gegenzusteuern.“

Das UBA hält die Kritik an seiner Broschüre teilweise durchaus für berechtigt, wie ein Sprecher auf FR-Anfrage sagte. Es müsse aber erlaubt sein, in der wissenschaftlichen Diskussion „Ross und Reiter zu benennen“. Auch dürfe eine staatliche Stelle sich kritisch äußern. Die Bewertungen der Journalisten sowie der „Kalte- Sonne“-Autoren seien auch „nicht ehrabschneidend“.

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