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Junko Fisher Okinawesisch

Nur wenige praktizieren noch die Sprache der kapanischen Inselgruppe Okinawa. Die Unecso stuft die Sprache deshalb als bedroht ein.

Junko Fisher
Tanz aus Okinawa, „das ist meine Seele“, sagt Junko Fisher. Foto: Wolfgang Wesener

Für Junko Fisher gibt es nichts Schöneres, als die Vorbereitung auf einen Bühnenauftritt. „Das Kostüm anzulegen, die Maske, das ist wie eine Verwandlung, wie eine Zeitreise“, sagt die Berufs-Tänzerin. Fisher ist auf traditionelle Tänze aus Okinawa spezialisiert, jener Insel im Süden Japans, auf der sie aufgewachsen ist. Und so ist für sie die Verwandlung immer auch persönlich. „Ich habe viele dieser Tänze von meiner Großmutter gelernt, als ich fünf oder sechs Jahre alt war.“

In New York ist Fisher die einzige, die Volkstanz aus Okinawa praktiziert, für Auftritte bei Festivals sucht sie oft vergeblich nach Partnern, denen sie die Choreographien beibringen kann. Aber auch in Japan werden die kulturellen Traditionen und die Sprachen von Okinawa nur noch von wenigen gepflegt.

Nachdem das japanische Kaiserreich 1879 die Insel Okinawa annektierte, wurden die Sprache und die Kultur brutal unterdrückt. Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte eine Liberalisierung, doch die Amerikanisierung ließ die Tradition noch mehr in Vergessenheit geraten. So wird die Sprache heute von der Unesco als bedroht eingestuft.

Fisher kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Sie hat die Sprache von ihrer Großmutter im Dorf Yomitan gelernt, ihre Eltern sprachen mit ihr bereits Japanisch. Ihre viel jüngeren Stiefgeschwister haben die Sprache nie gelernt. Auch Fisher selbst hatte sich von ihren Wurzeln entfernt – während ihres Studiums in Tokio und in den ersten Jahren in New York. Doch je länger sie im Big Apple lebte, desto wichtiger wurde für sie die Kultur, in der sie groß geworden ist und die zunehmend verloren zu gehen droht. „Der Tanz, die Musik aus Okinawa, das ist meine Seele“, sagt sie.

Leider bleibt sie damit zumeist alleine, selbst bei anderen New Yorkern aus Okinawa vermag sie kein Interesse zu wecken. „Ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr mir das das Herz bricht.“

Aufgezeichnet von Sebastian Moll

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