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Johanna Wanka „Wir ostdeutschen Politiker haben uns zu wenig Mühe gegeben“

CDU-Politikerin Johanna Wanka blickt zurück auf ihre Karriere und die Zeit als Bundesbildungsministerin. Und sie begründet, warum es auch 30 Jahre nach der Einheit einen Ostbeauftragten geben muss.

Johanna Wanka
„In Behörden, Gerichten, Krankenhäusern sind Ostdeutsche total unterrepräsentiert“, sagt Johanna Wanka. Foto: BMBF/Rickel

Welche Folgen hat das?
Für das Selbstbewusstsein in den neuen Bundesländern ist das nicht gut. Viele sehen das als Indiz, dass Leistung nicht gleich gewertet wird.
 
Dass es Ostdeutsche zur Kanzlerin und zum Bundespräsidenten gebracht haben, reicht nicht?
Auf dieser Ebene haben wir das Problem nicht. Auf den vielen Stufen darunter aber muss das bewusst angegangen werden. Jeder muss überlegen, wo Kompetenzen sind, und wie Menschen einbezogen werden können, die in Ostdeutschland sozialisiert wurden.
 

Braucht es auch 30 Jahre nach der Einheit noch einen Ostbeauftragten?
Ja. Ein Beispiel aus meinem Bereich: In den alten Bundesländern werden 70 Prozent aller Forschungsausgaben von Privatunternehmen getätigt, in den neuen Bundesländern nur 30 Prozent. Hier fehlen die starken Unternehmen, die das leisten können. Auf diese unterschiedliche Struktur muss man mit unterschiedlicher Förderung reagieren.
 
Als Ministerin haben Sie Angela Merkel fünf Jahre lang erlebt. Haben Sie ihr Erfolgsrezept entdeckt?
Manche Politiker verlieren den Kontakt zum wahren Leben. Diese Gefahr ist geringer, wenn man vorher mal einen anderen Beruf hatte, Nackenschläge erlebt hat und sich durchkämpfen musste. Die Kanzlerin ist so eine Quereinsteigerin. Zudem hat sie die Fähigkeit, die Dinge bis zum Ende durchzudenken und sich auf Unerwartetes vorzubereiten.
 
Die meisten Politiker halten sich irgendwann für unverzichtbar. Geht es Merkel genauso?
Die Kanzlerin ist nicht auf kurzfristigen politischen Erfolg aus, auf Jubel. Sie will, dass sich langfristig etwas positiv bewegt.
 
Sie plant keine Amtsübergabe vor der nächsten Wahl?
Ich glaube, dass sie bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben wird.
 
In den letzten Tagen Ihrer Amtszeit haben Sie noch eine Rüge des Bundesverfassungsgerichts kassiert, weil Sie 2015 auf der Webseite des Ministeriums dazu aufgefordert haben, der AfD die Rote Karte zu zeigen. Leuchtet Ihnen das Urteil ein?
Ich bin dankbar für die juristische Klärung. Die politische Auseinandersetzung mit der AfD halte ich weiter für richtig und wichtig. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. 
 
Was haben Sie sich für die nächste Zeit  vorgenommen?
Jetzt mache ich zunächst mal ausgiebig Sachen, die mir Spaß bereiten. Ich will Zeit für meine Kinder und meine zwei Enkeltöchter haben. Im Garten habe ich mir viel vorgenommen, ich will Gemüse anbauen und im Herbst alte Obstbaumsorten nachpflanzen.
 
Neue Funktionen sind nicht in Sicht?
Die Freiheit von meinem Kalender will ich erstmal genießen. Ich werde mich ehrenamtlich engagieren, vor allem kulturell. Nach einer gewissen Zeit werde ich vielleicht auch andere Dinge tun. Was genau, das wird man dann sehen. 
 
Müssen Sie nach den Jahren im Dienstwagen wieder Autofahren lernen?
Das nicht, aber das Fahren ohne Automatik. 
 
Sie sind vor zwei Jahren wieder nach Sachsen-Anhalt gezogen und wohnen in einem alten Pfarrhaus bei Havelberg. Was hat Sie ausgerechnet dorthin gezogen?
Die Altmark ist eine wunderschöne Kultur- und Naturregion. Jetzt ziehen gerade die Gänse über das Dorf, dieses Geräusch kenne ich aus meiner Heimat. Zum Schwimmen gehen wir in die Havel einen uralten Kopfsteinweg hinunter. Das machen wir übrigens auch im Winter. Damit sind wir eine Attraktion im Dorf.

Interview: Hagen Eichler

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