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Insekten Wo die wilden Kerle schlummern

Mit der Technik des Schichtröntgens haben zwei Wissenschafts-Fotografen die Stadien der Metamorphose von Insekten dokumentiert. Ihr Buch ist eine faszinierende Reise ins Reich von Seidenspinner, Hornisse und Schwimmkäfer.

Star Wars?
Star Wars? Nein, Gartenteich. Aus dieser Larve wird ein Schwimmkäfer, der Jagd auf Libellenlarven und kleine Amphibien macht. Foto: N. Ottawa / O. Meckes

Sie schwärmen um uns herum und an uns vorbei, manchmal sind sie auch hinter uns her. Und hin und wieder liegen sie vertrocknet auf der Fensterbank, weil sie einfach nicht verstehen können, dass Glas nur licht-, jedoch nicht insektendurchlässig ist. Aber, könnten wir einen Seidenspinner zeichnen – oder wenigstens näher beschreiben? Eine Hornisse? Den Seerosenzünsler? Und: Wer hätte gedacht, dass manche Insekten in einem frühen Entwicklungsstadium aus der Nähe betrachtet aussehen wie lustige Trolle? Oder auch Wesen, die uns aus einer Science-Fiction-Saga oder einem Online-Rollenspiel irgendwie bekannt vorkommen?

Im Buch „Wandlungskünstler – Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten“ kommen wir dank der Aufnahmen der preisgekrönten Fotografen Nicole Ottawa und Oliver Meckes solch kleinen Wunderwerken wie Büschelmücke, Goldfliege und dem Braunen Pelzkäfer nicht nur optisch ganz, ganz nah. Die Autoren Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld beschreiben gut verständlich die vorgestellten Arten sowie deren Lebensraum. Und wir erfahren auch Skurilles aus dem Insekten-Alltag – sofern man bei so kurzlebigen Insekten wie etwa der zur Gattung Eintagsfliege zählenden Baetis überhaupt von so etwas wie Alltag sprechen kann.

Die Baetis-Männchen (kleines Foto rechts) haben gleich zwei Augenpaare. Über den normalen, seitlich am Kopf sitzenden Augen befinden sich sogenannte Turbanaugen, die nach oben gerichtet sind. Fliegen Weibchen in der Dämmerung über Männchen hinweg, so werden sie mit den sehr lichtempfindlichen Turbanaugen wahrgenommen. Heißt also: An den schlanken, fast schwarzen Fluginsekten mit den transparenten Flügeln kommt kaum ein Weibchen unbemerkt vorbei. Das Baetis-Männchen hat eben nicht viel Zeit: denn während sich die Larve ein Jahr am Grund von schnell fließenden Gewässern umherschlängelt und Algen mümmelt, stirbt die ausgeschlüpfte Baetis nach ein paar Tagen, spätestens nach der Paarung.

Da kann es der Schwimmkäfer (Rhantus sp., kleines Foto links) deutlich entspannter angehen lassen: Er wird mitunter mehrere Jahre alt, hat also genug Zeit, im See auf Jagd nach anderen Insekten oder kleinen Amphibien zu gehen. Eine kleine Ausgefallenheit lässt sich aber auch der Schwimmkäfer nicht nehmen. Die Käfer-Larve (großes Bild links) lebt zwar im Wasser, wo sie Libellenlarven mit ihren Fangzähnen packt, ihnen ein lähmendes Gift samt Verdauungssaft injiziert und sich das auf diese Weise Vorverdaute einverleibt. Steht aber die Verpuppung an, begibt sich die Larve an Land und gräbt eine Erdhöhle, in der dann ganz in Ruhe die Verwandlung zum Käfer vollendet wird. Und danach? Zurück ins Wasser, weiter räubern.

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