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Info-Offensive der Armee Mit Quiz und Roller in den Kampf

Die Info-Offensive der Armee bringt Kritiker in Rage. 24.000 Gespräche führte sie 2009 mit Jugendlichen über Ausbildungswege und Einsätze der Bundeswehr. Von Andreas Schwarzkopf

Der Karrieretreff der Bundeswehr unterscheidet sich kaum von den Infoständen anderer Unternehmen. Beim Landesturnfest in Mainz bauten Oberstleutnant zur See, Marcel Taubert, und seine Kameraden neben dem Info-Truck ein paar Spiele auf. Beim Quiz für die Zielgruppe der 17- bis 24-Jährigen gab es für richtige Antworten kleine Geschenke. Im Segway-Fuhrpark galt es, die hippen Stehroller an Hindernissen vorbei zu manövrieren.

Mit 250.000 Soldaten ist die Bundeswehr nicht nur einer der größten Arbeitgeber und gemessen an Umfragen eine der beliebtesten Organisationen. Kaum ein anderes Unternehmen ist gleichzeitig so umstritten wie die Bundeswehr. Tauberts Team erlebte dies bei Demonstrationen von Friedensaktivisten oder im vergangenen Jahr in Heilbronn, als Unbekannte den Sattelschlepper des Karrieretrucks anzündeten.

Solche Zwischenfälle sind aber Ausnahmen auf den Deutschland-Touren des Karrieretreffs, der vor fünf Jahren die Werbeausstellungen "Unser Heer" oder "Unsere Marine" ablöste und seither jährlich bis zu 40 Orte anfährt. 24.000 Gespräche führte das Team 2009, in denen Jugendliche über Ausbildungswege bei der Armee informiert, auf Vorteile (krisenfester Job) aber auch Nachteile (gefährliche Auslandseinsätze) hingewiesen wurden.

Die Mischung aus Info und Unterhaltung bringt die Linke-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke und einige Friedensinitiativen auf die Palme. Doch ein Armeesprecher hält den Kritikern knapp entgegen: Die Bundeswehr trenne politische Bildung strikt von der Abteilung Karriereberatung. Jelpkes Ansicht nach wird beim Karriere-Truck das Bild der Bundeswehr obendrein geschönt, die Opfer eines Einsatzes wie in Afghanistan verschwiegen. Jelpke rechnet akribisch vor, wie die Streitkräfte jährlich mehr für sich in Medien werben, wie sie immer mehr Personalwerber einsetzen.

Ein Grund für eine intensivere Außendarstellung ist der demografische Wandel. Das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr hat in einer Studie bereits 2006 darauf hingewiesen, dass vom Jahr 2012 an die Zahl der jungen Leute so stark sinken wird, dass es immer schwerer werde, genügend Nachwuchs zu finden. Die Studie enthielt auch Hinweise, wie die Armee sich im oft zitierten "Krieg um die Köpfe" gegen die freie Wirtschaft behaupten könne. Einige Tipps haben die Soldaten beim Karriere-Treff aufgenommen.

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