Lade Inhalte...

Impfstoff gegen Grippe Einzeller als Impfhelfer

Ein Unternehmen aus Münster arbeitet an neuartigem Vakzin (Impfstoff) mit dem Namen „CiFlu“ bei Grippe - Das Verfahren befindet sich in der Testphase. Es verspricht eine „schnellere und sicherere Produktion“.

Foto: picture-alliance/ dpa

Sie kommen in nahezu jedem See und Tümpel vor: Wimperntierchen, so genannte Tetrahymena, die aus nur einer Zelle bestehen. Nun sollen diese winzigen Wesen helfen, einen neuartigen Impfstoff gegen Grippe zu produzieren. Das Verfahren befindet sich derzeit in der Testphase. Das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat jetzt grünes Licht für die weitere Entwicklung gegeben, Mitarbeiter des Instituts sollen diesen Prozess beratend begleiten.

Die Biotech-Firma Cilian AG aus Münster, die das neue Vakzin (Impfstoff) mit dem Namen „CiFlu“ erstmals hergestellt hat, verspricht eine „schnellere und sicherere Produktion“, als es beim bisherigen Standard der Fall ist. Mit CiFlu könnten zudem künftige „Engpässe und Risiken“ für die saisonale oder pandemische Grippe vermieden werden. Erste Tests mit dem Vakzin bei Tieren seien positiv ausgefallen.

Auch Arno Tiedtke, Zellbiologe und Biotechnologe von der Universität Münster, setzt in den möglichen neuen Impfstoff Hoffnungen: „Tetrahymena-Zellen bieten uns viele Vorteile. Sie haben Eigenschaften wie menschliche Zellen. Das heißt, die Substanzen lassen sich auf gleiche Weise herstellen und sind harmlos für Mensch und Tiere.“

Nebenwirkungen durch Verunreinigungen befürchtet

Und so funktioniert das neue Verfahren: Die Außenhülle von Grippeviren besteht großteils aus dem Protein Hemagglutinin. Für den Impfstoff würde die DNA der Wimperntierchen so umprogrammiert, dass sie nur diesen einen Stoff produziert. Durch die Impfung mit Hemagglutinin soll der menschliche Körper dann die Antikörper bilden, die das Grippevirus erkennen – und sich langfristig an das Protein erinnern. Marcus Hartmann, Chef der Cilian AG, wirbt damit, dass das neue Vakzin weder „abgeschwächte Viren noch virenähnliche Partikel“ enthielte, sondern lediglich aus Eiweiß bestehe.

Für die nächste Grippeimpfung ist es in einigen Wochen wieder Zeit: Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt Menschen, denen ein schwerer Krankheitsverlauf droht, oder die erhöhtem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind, sich jährlich von Oktober bis November gegen Influenza impfen zu lassen. Dazu gehören chronisch Kranke, ältere Menschen, Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie Personal in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr.
Nach der Impfung dauert es zirka zwei Wochen, bis der Körper einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung aufgebaut hat; dieser hält in der Regel die gesamte Grippesaison. Für die Hersteller von Impfstoffen ist das Zeitfenster für die Produktion knapp: Aufgrund ständiger Mutationen der Grippeviren legt die World Health Organisation WHO erst im Februar die relevanten Erreger für das jeweils aktuelle Vakzin fest. In der Wintersaison 2012/2013 war es in Norddeutschland und Bayern zu Engpässen bei der Herstellung und Lieferung von Impfstoffen gekommen. Hintergrund war unter anderem ein Verkaufsstopp für zwei Impfstoffe des Schweizer Herstellers Novartis. Man hatte Nebenwirkungen durch mögliche Verunreinigungen befürchtet.

Beim derzeit gängigen Verfahren in Deutschland wird das Vakzin in Hühnereiern gezüchtet. Deren Embryos werden dafür mit dem Virus infiziert, der sich in ihrem Körper vermehrt; dieser Vorgang kann etwa zwei Monate dauern. Menschen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß sollten mit den üblichen Impfstoffen deshalb nicht geimpft werden. Seit 2012 ist allerdings auch ein Vakzin auf dem Markt, das für Eiweiß-Allergiker geeignet ist.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen