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Hochschulpolitik Meuterei an der Uni Hamburg

Der Spitzname "Raketen-Moni" bezieht sich auf den Führungsstil der neuen Hochschul-Präsidentin Monika Auweter-Kurtz. Aus Protest gegen diesen Stil traten vier der zehn Uni-Senatoren zurück. Von Hermann Horstkotte

23.05.2009 00:05
HERMANN HORSTKOTTE
Die neue Präsidentin der Universität Hamburg, Monika Auweter-Kurzt, hegt einen umstrittenen Führungsstil. Foto: ddp

Kein Leuchtturm, zu sehen sind nur Schlusslichter. So charakterisiert der neue Studienführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) die Naturwissenschaften und die Medizin an der Universität Hamburg. Der düstere Befund im deutschlandweiten Vergleich bezieht sich auf die Forschungsergebnisse und die Betreuung der Studierenden. Das aktuelle Ranking ist schon die zweite Blamage nach dem kümmerlichen Abschneiden der fünftgrößten deutschen Hochschule beim Exzellenzwettbewerb 2006/7; damals kam nur ein einziger Antrag durch.

Seit drei Jahren soll und will die neue Präsidentin Monika Auweter-Kurtz, eine gelernte Raketen-Ingenieurin, die Hochschule wieder nach vorn bringen. Der geläufige Spitzname "Raketen-Moni" bezieht sich auf ihren Führungsstil. Aus Protest gegen diesen traten am Dienstag vier der zehn Uni-Senatoren zurück. Außerdem hat der Fakultätsrat der Mediziner jetzt einstimmig erklärt, dass er für eine Zusammenarbeit mit Auweter-Kurtz keine Grundlage mehr sieht.

Ihre Art der Führung zeichnet sich durch hohe Antriebskraft und Schnelligkeit aus - auch in der Entscheidungsbildung. Dabei muss sie, wie nicht nur Anhänger betonen, tausend Auswege aus einem bereits bestehenden finanziellen Schlamassel finden. Studentensprecher Severin Pabsch von der Juso-Gruppe bescheinigt ihr trotz Vorbehalten, "die Uni in Bewegung gebracht und ihre Zukunft zum Thema gemacht zu haben".

Bei dem Kraftakt kam es jetzt zum Zusammenstoß mit der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, einem von sechs großen Fachbereichen. Die Fakultät wählte den Theologen Hans-Martin Gutmann zum neuen Leiter, aber die Präsidentin muss und will ihn nicht ernennen. Gutmann steht in Fundamental-Opposition zur Chefin. Er macht sie für eine "tiefe Vertrauenskrise" verantwortlich und warnt: Die Wirtschaftslage "demonstriert drastisch die radikal zerstörerischen Folgen, wenn Vertrauen zusammenbricht oder auch nur schwindet".

Den Vertrauensverlust bei den Professoren führt Gutmann auf "langfristige Kommunikationsverweigerung" durch die Präsidentin zurück. Sie selbst bestreitet das im Gespräch mit der FR und sieht sich in bestem Einvernehmen mit Gesamtpräsidium und den amtierenden Fakultätsleitern, den Dekanen. Der eine oder andere unter ihnen bezeichnet dies allerdings als "verzerrte Wahrnehmung".

Oppositionsführer Gutmann kritisiert die fehlende Mitsprache der Fachbereiche in Haushalts- und Berufungsfragen. Dass neu berufene Professoren quasi gezwungen sind, ihr Grundgehalt mit eingeworbenen Mitteln aufzubessern, hält er für eine missbräuchliche Anwendung des Hochschulgesetzes. Als Dekan wollte er seine "Richtlinienkompetenz" dazu nutzen, den Professoren akademische Selbstentfaltung zu ermöglichen, statt sie zur Projektarbeit mit Kollegen zu verpflichten, über die Drittemittel eingeworben wird.

Die Kritik geht noch weiter: Zu den Amtspflichten jedes einzelnen Professors zählt laut Gesetz auch die Mitwirkung an der Studienreform. Auweter-Kurtz aber hatte den Gelehrten vor zwei Jahren quasi per Maulkorberlass (vergeblich) untersagt, sich öffentlich zu äußern, "wenn es um ein Thema (geht), das die Universität oder die Hochschulpolitik betrifft".

Grundsätzlicher Konflikt

Der frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, erkennt darin einen grundsätzlichen Konflikt zwischen präsidialem und kollegialem Führungsstil, der in Hamburg zur Zeit deutlicher werde als irgendwo sonst. Er selbst war der Headhunter, der Auweter-Kurtz dem Hamburger Hochschulrat empfohlen hatte. Tatsächlich unterstützt auch das Landesgesetz die zentrale Steuerung durch die Präsidentin.

Ihre Stellung soll durch eine laufende Gesetzesreform noch gestärkt werden: Danach soll sie das alleinige Vorschlagsrecht für die Wahl der Dekane bekommen. Laut Auweter-Kurtz erspart das "unnötige Verzögerungen" bei der Wahl. "Wenn das aber so kommt, haben wir eine militärische Universität", kritisiert Politikprofessor Hans Kleinsteuber. "Die Dekane werden die Feldwebel der Präsidentin." Einmal im Amt, haben sie dabei schon jetzt die alleinige Entscheidung über die Verteilung der Fakultätsfinanzen und -stellen.

Mit Verweis auf die ausgehöhlte akademische Selbstverwaltung ziehen sich viele Professoren in die "innere Emigration" zurück und konzentrieren sich ganz auf ihr Fachgebiet. Das ist dem Gesamtbild der Uni nicht unbedingt förderlich, wie sich am aktuellen CHE-Ranking zeigt. Ein Mitarbeiter der Uni, der nicht genannt werden möchte, erklärt das so: "Der Aufwand für die Mitwirkung von unten nach oben ist in unserer Uni zu groß, der Ertrag zu gering."

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