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Hochschule Zwei Milliarden für eine bessere Lehre

Schavan sagt auf dem Bologna-Gipfel Zuschüsse in Höhe von zwei Milliarden Euro zu. Gefördert und belohnt werden sollen damit "kreative Lehrkonzepte". Von Jeannette Goddar

18.05.2010 00:05
Jeannette Goddar
Bundesbildungsministerin Annette Schavan Foto: ddp

Es ist einer der meist gehörten Sätze der letzten Jahre: Auch Lehre muss sich lohnen. Seit Montag gehört zu der allseits beliebten Forderung außer einer Summe auch eine Idee zu ihrer Umsetzung.

Zwei Milliarden Euro will das Bundesbildungsministerium binnen der nächsten zehn Jahre in die Verbesserung der Lehre an deutschen Universitäten investieren.

Das Geld geht an eine Stiftung, die wiederum Trägerin einer Akademie werden soll. An ihr sollen sich Professoren - so wie bei der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft um Forschungsgelder - um Unterstützung für ihre Lehre bewerben können.

Gefördert und belohnt werden sollen damit "kreative Lehrkonzepte," erklärte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)bei der nationalen Bologna-Konferenz in Berlin.

Absprache mit Schäuble

Finanzieren will der Bund die Akademie - deren Idee nach Angaben Schavans erst "in den letzten Tagen" entstanden ist - nahezu im Alleingang: Neunzig Prozent der 200 Millionen im Jahr sollen vom Bund, zehn Prozent von den Hochschulen kommen. Mit Finanzminister Wolfgang Schäuble sei die Summe "selbstverständlich" abgesprochen, erklärte Schavan.

Am 10. Juni, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder zum nächsten Bildungsgipfel zusammenkommt, soll der Vertrag über die sogenannte dritte Säule des Hochschulpakts "unterschriftsreif" vorliegen.

Der sachsen-anhaltinische Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz, der bei Gründung der Akademie schon ins Amt des Präsidenten der Berliner Humboldt-Universität gewechselt haben dürfte, vermochte seine Begeisterung für die länderetat-freundliche Lösung nicht zu verhehlen: "Klasse", sagte der parteilose Minister; und dass zwei Milliarden "weit mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein" seien.

Und die vielzitierte Sorge der Bundesländer vor zu viel Einmischung durch den Bund? Statt einem Kooperationsverbot, fügte Olbertz da noch hinzu, gäbe es angesichts des Handlungsdrucks doch eher ein "Kooperationsgebot."

Kooperativ abgelehnt wurde von Schavan und Olbertz der Vorstoß Roland Kochs zum Sparen bei der Bildung. "Herr Koch ist Ministerpräsident in Hessen. Und Ministerpräsidenten stellen bekanntlich keinen Bundeshaushalt auf," kanzelte Schavan ihren Parteigenossen ab. Olbertz kommentierte: "An der Bildung sparen, wäre der teuerste Weg."

Einen weiteren Vorschlag zur Aufwertung der Lehre machte Berlins sozialdemokratischer Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner. So könnten neben "Lehrpreisen," wie es sie ja bereits gibt, Probevorlesungen in Berufungsverfahren zur Regel werden. Und zwar, so Zöllner, "ohne dass der Lehrende im Vorfeld weiß, worüber er sprechen soll."

Die lautesten Kritiker der Bologna-Reform, ohne die es die gestrige Konferenz vermutlich gar nicht gegeben hätte, hörten da schon nicht mehr zu. Drei Aktive des Bildungsstreiks verließen nach rund zwei Stunden den Raum. Sie wollten die "Schavan-Show nicht durch ihre Anwesenheit legitimieren," hinterließen sie in einer schriftlichen Erklärung. In Berlin werde lediglich eine Komödie inszeniert.

Auszug der Aktivisten

Zu den Forderungen, die die Studenten hinterließen, gehörten eine Ausweitung und Erhöhung des Bafög sowie Flexibilität im Studium. Zudem sollten Länder und Bund sich verpflichten, mindestens zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildungsinstitutionen zu investieren. Schavan die sichtlich ungehalten auf den Auszug der drei Aktivisten reagierte, erklärte, die Tür bleibe künftig verschlossen: "Wir werden den Dialog mit jenen führen, die da sind. Die ihn abgebrochen haben, für die ist er nun zu Ende."

Tatsächlich war die gestrige Bologna-Konferenz, der im Mai 2011 eine weitere folgen soll, mit Hochschul-Verantwortlichen aller Couleur besetzt. Zu einer Bundesministerin und sieben Länderministern gesellte sich die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz sowie Rektoren, das Studentenwerk und Studierendenvertreter. Die von Arbeitsgruppen bei mehreren Treffen vorbereiteten Schwerpunktthemen waren eine bessere Studierbarkeit, mehr Mobilität und eine stärkere Akzeptanz des Bachelors auf dem Arbeitsmarkt.

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