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Hochschule Todbringende Ökonomie

Uniprofessoren verfassen einen Wirtschaftskrimi. Darin gerät auch ein Doktorand ins Fadenkreuz des Mörders.

Björn Franks Lieblingsszene aus dem Krimi „Geldgerinnung“ ist ein wenig makaber: Ein VWL-Professor reflektiert nach dem tödlichen Stoß vom Hochhaus in einer Rückblende, wie es zu seiner Ermordung kommen konnte. Da aber der Professor die brisante These, dass Banken gar nicht so systemrelevant sind, wie viele denken, seinem Doktoranden Lester Sternberg nur gestohlen hatte, gerät auch dieser kurz darauf ins Fadenkreuz des Mörders. Überdies wird besagter Doktorand auch noch von der Polizei verdächtigt, seinen Professor ermordet zu haben.

Die Fantasievorstellung, dass ein theoretisches Traktat über den Finanzsektor, tatsächlich die Mordlust in jemandem wecken könnte, kam wiederum dem Volkswirt Johann Graf Lambsdorf von der Universität Passau beim Schreiben eines wissenschaftliches Papiers. Zusammen mit seinem Kollegen Björn Frank von der Uni Kassel machten sich die Professoren ans Werk, einen Wirtschaftskrimi zu verfassen, der in einer deutschen Unistadt spielt. „Die Universität Concordia ist ein Amalgam aus typischen deutschen Universitäten“, sagt Frank.

Frank und Lambsdorff kennen sich gut – sie forschten bereits zusammen und führten beispielsweise mit Studierenden spielerische Korruptionsexperimente im Labor durch. „Für uns Wissenschaftler ist es sogar die Regel, dass wir gemeinsam die Ergebnisse unserer Forschungen niederschreiben“, sagt Frank. Die Volkswirte waren sich jedoch einig, „dass der Krimi keine Vorlesung in Romanform werden sollte“ – obgleich die Idee eines Wirtschaftskreislaufes des französischen Arztes François Quesnay aus dem 18. Jahrhundert durchaus für die Lösung des Falls relevant ist. „Am Ende haben wir bei den theoretischen Passagen noch einmal kräftig gekürzt“, sagt Frank.

Kurze Kapitel sowie Perspektivwechsel sollten für Abwechslung sorgen – ähnlich wie bei US-Bestsellerautor Dan Brown. Björn Frank dagegen ist ein Fan des deutschen Schriftstellers Jakob Arjouni: „Von ihm kann man ganz viel lernen“.

Der gebürtige Hamburger Björn Frank unterrichtet übrigens auch seine Doktoranden regelmäßig in Kreativem Schreiben. „Auch beim Verfassen kleiner Gedichte lernen wir für das wissenschaftliche Schreiben.“ Geübt wird in den Seminaren die Ideenfindung, die Organisation des Schreibprozesses, das Überwinden von Schreibblockaden sowie das Überarbeiten von Texten.

„Gerade bei Unternehmen stoßen solche Angebote auf eine Marktlücke, sowohl bei der Außendarstellung als auch bei der inneren Kommunikation. Viele Mitarbeiter müssen zudem Berichte abliefern.“ Doch an so einer Nebentätigkeit sei er nicht interessiert, sagt Björn Frank.

Schon zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere hat Frank seiner Fantasie freien Lauf gelassen und zwei Kinderbücher veröffentlicht – allerdings damals vorsichtshalber noch unter einem Pseudonym, um seinen Ruf als Wissenschaftler nicht zu beschädigen. Inzwischen habe er in seinem Fachgebiet aber entsprechende Publikationen vorzuweisen, so dass dies nicht mehr nötig sei.

 

„Geldgerinnung“, UVK-Verlag,
200 Seiten, 19,99 Euro.

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