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HI-Virus „Letzter Nagel im Sarg des Virus“

In Südafrika startet ein Feldversuch, mit dem die Wirksamkeit einer Kombination an Impfstoffen bei Menschen getestet werden soll.

Dr. Anthony Fauci, Direktor des US-amerikanischen „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“. Foto: imago/Xinhua

In die mühsame Suche nach einem Impfstoff gegen das HI-Virus ist Bewegung gekommen. Zum ersten Mal nach sieben Jahren hat am Mittwoch in Südafrika wieder ein Feldversuch begonnen, mit dem die Wirksamkeit einer Kombination an Impfstoffen bei Menschen getestet werden soll. In einem Testzentrum in Shoshanguve nahe der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria wurden die ersten von insgesamt 5400 nicht infizierten, sexuell aktiven Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren geimpft, die drei Jahre lang beobachtet werden sollen.

Der Feldversuch unter dem Namen „HVTN 702“ wird vom US-amerikanischen „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“ (NIAID) finanziert und vom Südafrikanischen Medizinischen Forschungsrat (SAMRC) begleitet. Wissenschaftler geben sich euphorisch: Ein sicherer und effektiver Impfstoff könne „der letzte Nagel im Sarg des Virus“ sein, kommentiert NIAID-Direktor Anthony Fauci. Und SAMRC-Präsidentin Glenda Gray spricht von einer möglicherweise „dramatischen Wende“ in der Aids-Pandemie.

Der Test basiert auf einem früheren Feldversuch, der vor sieben Jahren in Thailand mit nur mäßigem Erfolg beendet wurde. Dort war insgesamt 16 000 Menschen die Impfstoffkombination RV 144 verabreicht worden, die nach dreieinhalb Jahren eine Erfolgsquote von 31 Prozent ergeben hatte. Das bedeutet, dass die Ansteckungsquote unter den mit RV 144 geimpften Testpersonen um 31 Prozent geringer ausfiel als unter den mit Placebos behandelten.

Das habe zwar Hoffnungen geweckt, sei aber kein Durchbruch gewesen, so Linda-Gail Bekker, Präsidentin der Internationalen Aids-Society. Für den südafrikanischen Feldversuch wurde der thailändische Impfstoff weiter entwickelt und soll anders verabreicht werden. Außerdem wurde das aus zwei Bestandteilen bestehende Medikament, das keine HI-Viren enthält, der in Südafrika vorherrschenden Variation des Virus, der sogenannten „C Klade“, angepasst. Einen weiteren Vorteil des neuen Experiments sehen Experten darin, dass es in einem Hochrisikoland stattfindet. In Thailand befand sich die Pandemie damals schon auf dem Rückzug.

Am Kap der Guten Hoffnung stecken sich täglich mehr als tausend Menschen mit dem Virus an, rund 380 000 Personen im Jahr. Gegenwärtig sind mehr als sieben Millionen Südafrikaner HIV-positiv. Dass Südafrika trotzdem im Umgang mit der Pandemie als vorbildlich gilt, ist seiner Ausgabe antiretroviraler Medikamente zu verdanken: Derzeit erhält fast die Hälfte aller Infizierten sogenannte AIDS-Cocktails.

Das hatte zur Folge, dass sich die erschreckend hohe Sterbensrate unter Infizierten fast halbiert hat: Während 2006 rund 300 000 Südafrikaner an mit HIV-Aids im Zusammenhang stehenden Krankheiten starben, waren es im Jahr 2012 nur noch 153 000. „Der bei der Behandlung von HIV-Aids erzielte Fortschritt ist bemerkenswert“, sagt Michel Sidibe, Exekutivdirektor von UNAids: „Aber er ist auch unglaublich empfindlich.“ Gefürchtet sind vor allem die hohen Kosten und die Gefahr, dass das Virus Resistenzen gegen die Medikamente entwickelt.

Gesundheitsexperten sind deshalb überzeugt, dass einer Pandemie wie Aids endgültig nur mit einem Impfstoff beizukommen ist. Die Menschheit habe Epidemien zwar mit Behandlungen unter Kontrolle bekommen, sagt Aids-Society-Präsidentin Bekker: „Aber ausrotten kann man sie ohne einen Impfstoff nicht.“

Als Durchbruch in dem bis Ende 2020 laufenden südafrikanischen Experiment würden Experten bereits eine Erfolgsquote von mehr als 50 Prozent werten – das heißt wenn nur halb so viele Impfstoffempfänger wie Placebo-Kandidaten angesteckt werden. In Kombination mit Maßnahmen wie Kondombenutzung, Sofortbehandlungen und antiretroviralen Medikamenten ließe sich die Neuansteckungsrate dadurch radikal senken.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier HIV und Aids

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