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Hanau Von der Idee zum Produkt

Die Brüder-Grimm-Berufsakademie in Hanau kombiniert als einzige Bildungseinrichtung ein Studium mit einer Ausbildung in einem kunsthandwerklichen Beruf.

Die Bauteile stammen aus dem 3-D-Drucker: Entwurf für ein Grachtenhaus in Amsterdam. Foto: visi .co.za

Künstliche Intelligenz kann bereits viel: schwer zugängliche Gebiete auf der Erde und sogar andere Himmelskörper erkunden zum Beispiel, staubsaugen, versierte Schachspieler zur Verzweiflung bringen oder in der Medizin Röntgenbilder analysieren und Diagnosen stellen. Aber kann sie auch kreativ sein – eine jener Eigenschaften, die das Menschsein ausmacht und die wir doch eigentlich exklusiv für uns beanspruchen? Antonia Schilling ist dieser Frage in ihrer Bachelorarbeit im Fach Designmanagement nachgegangen; „Künstliche Intelligenz im Design – Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf den Designprozess“ lautet deren Titel.

Die junge Frau liefert darin erstaunliche Beispiele, was eine hochentwickelte, spezialisierte Software bereits zu leisten vermag – und das ist weit mehr als nur zu errechnen, ob ein Objekt stabil steht oder welches Gewicht es tragen kann. Der Stuhl „Elbo“ ist ein Beleg für solche außergewöhnlichen Fähigkeiten. „Aber am besten ist die künstliche Intelligenz beim Designprozess im Zusammenwirken mit dem Menschen“, sagt Antonia Schilling: „Sie kann die menschliche Kreativität beflügeln und selbst die Fleißarbeit übernehmen.“

Auch das, was Emmanuel Tauch in seiner Bachelorarbeit aus dem Fach Produktgestaltung präsentiert, lässt den Betrachter verwundert die Augen reiben: Ein vierstöckiges Grachtenhaus gehört dazu, das derzeit in Amsterdam errichtet wird – aus Bauteilen, die aus dem 3-D-Drucker stammen. Erstaunlich. Sogar Beton lasse sich heute ausdrucken, erläutert der Student. Er hat sich mit ästhetischen Anwendungen von 3-D-Druckern speziell bei Design und Architektur beschäftigt. „Das boomt seit etwa zehn Jahren, aber oft sieht man es den Produkten noch an, dass sie aus dem 3-D-Drucker kommen. Mit einer speziellen Software lässt sich das vermeiden“, erläutert der junge Mann.


Antonia Schilling und Emmanuel Tauch haben beide an der Brüder-Grimm-Berufsakademie in Hanau studiert, ihre Bachelorarbeiten werden zur Zeit zusammen mit denen der anderen Absolventen im Foyer des Congress Parks der Stadt präsentiert. Mit insgesamt nur 45 Studierenden in den drei Studiengängen Produktgestaltung, Designmanagement und Innovationsmanagement zählt die Brüder Grimm Berufsakademie zu den kleinsten Bildungseinrichtungen in Deutschland, die einen akademischen Abschluss ermöglichen.

Neben dem Bachelor of Arts gibt es auch den Gesellenbrief

Angefangen hat es im Gründungsjahr 2012 mit gerade einmal neun Studenten, als Designmanagement als erster Studiengang an den Start ging, 2013 kam Produktgestaltung dazu, 2016 Innovationsmanagement. Die kleine Größe ist dabei nicht mangelndem Interesse geschuldet, sondern Konzept: Denn in den dreieinhalb Jahren dualer Ausbildung wird ein strammes Pensum absolviert, an dessen Ende nach sieben Semestern als akademischer Abschluss der Bachelor oft Arts und ein Gesellenbrief der Handwerkskammer stehen. Und das ist nur in kleinen Gruppen gut zu leisten, so der Gedanke.

In dieser Kombination von Studium und Ausbildung in einem kunsthandwerklichem Beruf ist die Brüder-Grimm-Berufsakademie in Deutschland einzigartig. Die junge Bildungseinrichtung kooperiert dabei mit der 1772 gegründeten Zeichenakademie in Hanau, der traditionsreichen Ausbildungsstätte für Gold- und Silberschmiede, Metallbildner, Edelsteinfasser und Graveure.

Ein Semester an der Berufsakademie teilt sich in zwei jeweils gleich lange Phasen des Studiums und der Ausbildung, wobei es bei der Kombination verschiedene Möglichkeiten gibt. Beim Studiengang Designmanagement besteht die Wahl zwischen Goldschmied (Fertigung von Schmuck) und Metallbildner (Fertigung von Möbeln, Leuchten und Accessoires) an der Zeichenakademie in Hanau. Angehenden Produktgestaltern stehen mit Elfenbeinschnitzer und Holzbildhauer (die Ausbildung findet in diesem Fall dann aber am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis statt) noch zwei weitere Alternativen mehr zur Verfügung. Der Studiengang Innovationsmanagement wird mit einer zeitgleichen Ausbildung zur Industriekauffrau oder zum Industriekaufmann in einem Unternehmen verbunden.

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