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Gutes Zeugnis Internate unter der Lupe

Wenn die Sprache auf Schülerwohnheime des Verbands islamischer Kulturzentren fiel, handelte es sich selten um Gutes. Erste Ergebnisse einer Studie werfen nun ein ganz anderes Licht auf die Heime für junge Migranten. Von Canan Topçu

12.07.2010 00:07
Canan Topçu
Eine Studie im Auftrag des Verbands islamischer Kulturzentren wirft ein gutes Licht auf Heime für junge Migranten. Foto: FR / Rheker

Wenn bisher von Schülerwohnheimen des Verbands islamischer Kulturzentren (VIKZ) die Rede war, dann handelte es sich selten um Gutes. Meist ging es um Abschottung oder die Schließung illegal betriebener Unterkünfte. Um das negative Image geradezurücken, gab der Verband 2009 eine empirische Studie in Auftrag, die sich unter anderem mit den Konzepten und der pädagogischen Arbeit in den Wohnheimen befasst. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

Die Erziehungswissenschaftlerin Ursula Boos-Nünning von der Uni Duisburg-Essen stellt in der "Beten und lernen" betitelten Untersuchung fest, dass die zentrale Aufgabe der Wohnheime Bildungsarbeit ist. Offenbar erhalten die Schüler dort "einen besseren Start in ihr weiteres Leben". Die Unterbringung erfolge keineswegs, entgegen der gängigen Kritik, auf Druck der Eltern. "Die Kinder und Jugendlichen meinen, dass sie unter den Bedingungen der Wohnheime - dazu zählt etwa ein geregelter Tagesablauf, Hausaufgabenhilfe und Betreuung - einen besseren Schulabschluss machen können", sagt Boos-Nünning. So nannten 91 Prozent der Schüler als Hauptgrund für ein Leben im Wohnheim die Hoffnung auf bessere Noten; für 85 Prozent ist ein Motiv, mehr über ihre Religion zu lernen.

Hoffnung auf bessere Noten

Die Studie belege zudem, dass für die Jugendlichen Tradition und Weltoffenheit kein Widerspruch darstellt und in "keinem Wohnheim die Strategie der Abschottung" besteht. Die Heime seien "eine Reaktion auf die Mängel im deutschen Bildungssystem, die Schüler mit Migrationshintergrund nicht genug fördert", sagt Boos-Nünning.

Die Ergebnisse ihrer Studie unterscheiden sich damit gänzlich von dem Gutachten, das die Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann 2004 im Auftrag des hessischen Sozialministeriums erstellt hatte. Darin heißt es etwa, dass "das eigene Interesse des VIKZ bei der Einrichtung von Schülerwohnheimen hauptsächlich darin (besteht), Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter religiös zu prägen. Die Integration werde sogar unmöglich.

Als 2005 die damalige hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) in Wetzlar ein Heim schließen ließ, erklärte sie diesen Schritt damit, dass solche Einrichtungen "die Abgrenzung von der deutschen Gesellschaft und Parallelkulturen" förderten. Das Urteil der CDU-Politikerin basierte vor allem auf der Expertise von Spuler-Stegemann, die zu den Kritikern islamischer Verbände gehört. Ihr Gutachten, monierte der Verband, entbehre jeglicher "empirischer Absicherung". "Es gab weder Gespräche mit uns, noch mit Erziehern und Schülern", sagt VIKZ-Sprecher Erol Pürlü. Mit der neuen Studie wolle man die Debatte versachlichen.

Der Verband werde sich auch mit den von Boos-Nünning angeführten Mängeln befassen - etwa, den Jugendlichen mehr Mitspracherecht einzuräumen und das Freizeitangebot auszubauen. Befragt wurden 347 Heimbewohner sowie Personal, Lehrer und Mitarbeiter von Jugendämtern.

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