Lade Inhalte...

Goethe-Universität Forschen ohne Grenzen

Das FIAS Frankfurt feiert Geburtstag: Seit zehn Jahren überschreiten Wissenschaftler im Institut die Grenzen zwischen Fachbereichen und realisieren wichtige Neuerungen. Eine Innovationen, die bereits am FIAS realisiert wurden, ist der weltweit energieeffizienteste Großrechner.

AB37901
Ein Schwerpunkt im FIAS sind Neurowissenschaften. Foto: Getty Images

Die Welt in immer kleinere Teile zerlegt zu haben, das ist das Verdienst der empirischen Wissenschaft: „Wir sehen uns einem großen Zoo gegenüber“, veranschaulicht es der bekannte Hirnforscher Wolf Singer. Indes: Mit einer reinen Beschreibung und Auflistung dieser Einzelteile lässt sich die Welt nicht verstehen: „Sie ist ungeheuer komplex, und es ist nicht so einfach, das alles zusammenzuschalten“, sagt Singer. Ein Beispiel für ein solches extrem verflochtenes System ist sein ureigenster Forschungsgegenstand: das Gehirn. Die Wechselbeziehungen und Arbeitsweisen dieser vielen Teilchen – in diesem Fall der Neuronen – zu analysieren, ihre sich ständig ändernden Strukturen und Funktionen zu erkennen – das könnten mathematische Verfahren besser leisten als Neurowissenschaften, erklärt der Forscher. Computerwissenschaftler wiederum sind die Lage, sehr komplexe Modelle des Gehirns zu simulieren.

Doch oft arbeiten die Wissenschaftler beider Disziplinen getrennt und unabhängig voneinander, wissen nicht, mit welchen Problemen die einen zu tun haben oder welche die anderen vielleicht lösen könnten. Genau an diesem Punkt soll das vor zehn Jahren als Stiftung der Goethe-Universität Frankfurt gegründete FIAS, das Frankfurt Institute for Advanced Scienes, Abhilfe schaffen. Es geht darum, den sonst in ihren eigenen Gebieten verwurzelten Wissenschaften die Möglichkeit zu geben, die Grenzen zwischen Fachbereichen zu überschreiten und übergreifend zu arbeiten, um gemeinsam komplexe Systeme zu erforschen. So vereint das FIAS auf dem Campus Riedberg die Disziplinen Hirnforschung, Physik, Lebenswissenschaft & Chemie unter einem Dach.

Seit seiner der Gründung habe sich das Institut auf dem Gebiet der interdisziplinären Grundlagenforschung als „international herausragender Ort“ etabliert, heißt es in einer Presseinformation des FIAS. Das zehnjährige Bestehen ist Initiatoren und Verantwortlichen Anlass, zurückzublicken und eine erste – durchweg positive – Bilanz zu ziehen. Getragen wird die Forschung am FIAS von öffentlichem und bürgerschaftlichem Engagement gleichermaßen: „Es ist der erste Forschungsbau in Hessen, der im Rahmen eines PPP-Projektes errichtet wurde, erklärt Professor Rudolf Steinberg, Vorsitzender des Stiftungsrates des FIAS, der das Institut während seiner Amtszeit als Präsident der Goethe-Universität initiiert hat. Die privat-öffentliche Partnerschaft (PPP) besteht beim FIAS darin, dass das Land das Gebäude finanziert, während das privates Geld in die Forschung fließt.

Zum zehnten Geburtstag gab es wieder zwei große Spenden: So stellt die Johanna-Quandt-Stiftung eine Million Euro für die Forschung zur freien Verwendung zur Verfügung. Die Stiftung hat das Institut bereits mit Zuwendungen und Finanzierungszusagen in Höhe von rund fünf Millionen Euro unterstützt. Jörg Appelhans, Vorstand der Johanna-Quandt-Stiftung, ist vom vernetzten Ansatz des Instituts überzeugt. Die „zweckfreie“ Forschung am FIAS sei wichtig, um bedeutende „Zukunftsfragen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu stellen und interdisziplinär nach Antworten zu suchen“. Die Stiftung Giersch spendierte ebenfalls eine Million Euro, mit der das Stiftungskapital aufgestockt und ein Kulturprogramm für die am FIAS tätigen ausländischen Forscher finanziert werden soll. Das Land Hessen wiederum unterstützt das FIAS mit jährlich 410 000 Euro – in dieser „einzigartigen Denkfabrik“ werde „Zukunft nicht nur gedacht, sondern auch gemacht“, erklärte der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU).

Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen – derzeit sind es 140 aus 25 Nationen – arbeiten nicht nur innerhalb des FIAS zusammen, sondern auch mit der Goethe-Universität: „So können an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis wichtige Neuerungen realisiert werden“, erläutert deren Präsident Professor Werner Müller-Esterl.

Eine dieser Innovationen, die bereits am FIAS realisiert wurden, ist der weltweit energieeffizienteste Großrechner für das GSI-Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Außerdem simulieren und modellieren die Wissenschaftler des Instituts wesentliche Experimente des internationalen Beschleunigerzentrums FAIR, das derzeit bei Darmstadt entsteht. Das Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Bookhaven National Laboratory in den USA war die Entdeckung von Anti-Helium, des bisher schwersten Atomkerns der Antimaterie. Weiter arbeiten Forscher des FIAS daran, die Wirkungen und Nebenwirkungen der Schwerionentherapie gegen Krebs berechenbar zu machen. Und Hirnforscher beschäftigen sich damit, wie, das Langzeitgedächtnis des Menschen funktioniert.

Ein Geheimnis des Erfolgs bringt Vorstandsvorsitzender Proessor Volker Lindenstruth auf einen einfachen Nenner. „Quer denken, einfach mal ausprobieren dürfen“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum