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Zahngesundheit Kariesverursachende Mikroben dominieren

Kohlenhydraten und industrieller Nahrung haben wir zahlreiche Zahninfektionen zu verdanken: Ein Forscherteam zeigt anhand Zahnbelägen von Skeletten auf, dass sich mit der veränderten Ernährung der Jungsteinzeit auch der Anteil an Parodontitis- und Karies-Erregern im Mund erhöhte.

18.02.2013 12:13
Joachim Czichos
Die frühkindliche Karies ist die am häufigsten vorkommende chronische Erkrankung bei Mädchen und Jungen im Vorschulalter. Foto: ddp

Die Artenvielfalt der Bakterien im Mund hat sich seit der Jungsteinzeit deutlich verringert. So konnten sich Krankheitserreger leichter ansiedeln und die Anfälligkeit für Zahninfektionen stieg.

Das schließen australische Forscher aus DNA-Analysen von Zahnstein bei prähistorischen, mittelalterlichen und modernen Menschen. Die naheliegende Erklärung: Der Beginn des Ackerbaus führte zu einer Umstellung der Ernährung auf kohlenhydratreiche Kost. Zudem erhöhte die industrielle Nahrungsproduktion ab Mitte des 19. Jahrhunderts den Zuckerkonsum. Zum Nachteil gesundheitsfördernder Mundkeime begünstigten beide Faktoren das Wachstum solcher Bakterien, die chronische Zahnerkrankungen wie Parodontitis und Karies verursachen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Genetics“.

Veränderte Mundkeimarten

Wie die Analysen zeigten, veränderte sich das Spektrum der Mundkeimarten stark in der Jungsteinzeit, als die Menschen zu sesshaften Ackerbauern wurden und vermehrt Getreideprodukte verzehrten. Einen zweiten Veränderungsschub bewirkte der erhöhte Konsum von industriell erzeugtem Mehl und Zucker vor etwa 150 Jahren. Die Ernährungsumstellungen machten das ursprünglich stabile Ökosystem im Mund artenärmer und damit anfälliger für Störungen. Das erleichterte es Krankheitserregern, sich stärker zu vermehren und dauerhaft Fuß zu fassen.

„Die sinkende Artenvielfalt unserer Mundbakterien ermöglichte es, dass heute kariesverursachende Mikroben dominieren. Der Mund des modernen Menschen existiert im Grunde genommen in einem permanenten Krankheitszustand“, sagt Alan Cooper von der University of Adelaide. Sein Forscherteam untersuchte Zähne von 34 menschlichen Skeletten aus Nordeuropa. Die ältesten stammten von Jägern und Sammlern, die vor 7550 Jahren gelebt hatten, die anderen waren aus der Bronzezeit, dem Mittelalter oder der Jetztzeit. In den verkalkten Zahnbelägen waren Bakterien eingeschlossen. Deren DNA erlaubte die Identifizierung der Keimarten.

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