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Wechseljahre War die ganze Sorge umsonst?

Vor 15 Jahren versetzte der WHI-Studie zur Hormonersatztherapie Frauen und Ärzte in Schrecken. Nun liegt die Langzeitauswertung vor. Das Ergebnis ist überraschend.

Hormonpillen
Nach 2002 gingen die Verordnungen von Hormonpillen bei Wechseljahrsbeschwerden stark zurück. Foto: Getty

Erhöhtes Risiko für Brustkrebs

Was jedoch auch nach der Langzeitauswertung der WHI-Studie bleibt, ist ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs – jene Meldung, die 2002 die Frauen am meisten alarmierte und vor einer Hormonersatztherapie zurückschrecken ließ. So erkranken von 1000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren ohne eine Hormonersatztherapie im Schnitt 45 an Brustkrebs, nach fünf Jahren Hormonersatztherapie sind es 47, nach zehn Jahren 51 und nach 15 Jahren 57. Über die Gründe dafür ist sich die Wissenschaft bis heute nicht vollständig im Klaren. Eine These lautet, dass nicht wie lange angenommen das Östrogen, sondern das Gestagen in den Präparaten für das Brustkrebsrisiko verantwortlich ist. Dafür spricht, dass die Frauen ohne Gebärmutter, die im zweiten Teil der Studie nur reines Östrogen erhielten, signifikant seltener an Brustkrebs erkrankten als die Teilnehmerinnen, die keine Hormone einnahmen. Da Östrogen allein aber das Risiko für Gebärmutterkrebs erhöht, dürfen es nur Frauen einnehmen, denen das Organ entfernt wurde.

Peyman Hadji könnte sich auch vorstellen, dass die erhöhte Brustkrebsrate damit zusammenhängt, dass etliche adipöse Frauen an der Studie teilnahmen, insgesamt brachte mehr als ein Drittel der Teilnehmerinnen viel zu viel auf die Waage. Beträchtliches Übergewicht begünstigt an sich schon das Entstehen eines Mammakarzinoms, erklärt der Arzt, weil es zu einer verstärkten Produktion eines bestimmten Wachstumsfaktors – IGF1 – führt, der sich indirekt auf die Krebsentstehung auswirken könne.

Der Endokrinologe nennt noch eine andere mögliche Erklärung. Bösartige Tumore in der Brust reagieren auf Hormone und können von ihnen zum Wachsen angeregt werden. „Es könnte sein, dass einige Studienteilnehmerinnen bereits einen kleinen Krebsherd in der Brust hatten, der noch zehn Jahre gebraucht hätte, bis ihn bei der Früherkennung hätte feststellen können, der unter dem Einfluss der Hormone aber schneller größer wurde.“ Allerdings: Auf das Überleben der Frauen spielte die größere Häufigkeit von Brustkrebs keine Rolle. Wie die Langzeitauswertung der WHI-Studie ergab, starben auch mit Hormonersatztherapie nicht mehr Frauen an Brustkrebs als ohne.

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