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Wechseljahre War die ganze Sorge umsonst?

Vor 15 Jahren versetzte der WHI-Studie zur Hormonersatztherapie Frauen und Ärzte in Schrecken. Nun liegt die Langzeitauswertung vor. Das Ergebnis ist überraschend.

Hormonpillen
Nach 2002 gingen die Verordnungen von Hormonpillen bei Wechseljahrsbeschwerden stark zurück. Foto: Getty

„Die Darstellung der Studie hat viel Leid bei Frauen verursacht“, sagt Peyman Hadji, Mitglied im Vorstand der Deutschen Menopause-Gesellschaft und Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Nordwest. „Viele Frauen haben sich nicht mehr getraut, Hormone einzunehmen oder ihren Arzt auch nur danach zu fragen, obwohl sie stärkste Wechseljahrsbeschwerden hatten.“ Der gynäkologische Endokrinologe moniert, dass 2002 vieles im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der WHI-Studie „intransparent“ gewesen sei, auch unter Medizinern habe das für Verwirrung gesorgt.

Welche Konsequenzen sind jetzt aus den Langzeitergebnissen zu ziehen, gibt es eine Kehrtwende zurück zur Vergangenheit? Das nun auch nicht. Früher sei der Umgang mit Hormonersatztherapie zu undifferenziert gewesen, erklärt Hadji: „Man dachte, Hormone sind ein Jungbrunnen. Vor 30 Jahren hat sie fast jede Frau in den Wechseljahren bekommen. Damals ging man auch vor allem in den USA davon aus, dass ein Präparat für alle Frauen passt. Es gibt aber kein Mittel, das für jede Frau gleich gut ist, und nicht jede Dosierung passt für alle.“ So spielten auch der Lebensstil, insbesondere Ernährung und das Rauchen, eine wesentliche Rolle. „Was für eine schlanke 50-Jährige das Richtige ist, muss nicht für eine 69-jährige adipöse Frau geeignet sein.“

Diese Denkweise habe aber noch vorgeherrscht, als die Studie geplant wurde – und genau darin sehen Experten auch eine Schwäche dieser Untersuchung: Die Teilnehmerinnen waren bei Beginn der Hormoneinnahme durchschnittlich 63 Jahre und damit nach heutigem Wissensstand eigentlich zu alt, um in die Therapie einzusteigen. Ein beträchtlicher Teil war zudem übergewichtig, litt unter Diabetes und/oder Bluthochdruck – alles schwere Belastungen für die Gesundheit, bei denen höchste Zurückhaltung im Hinblick auf Hormongaben geboten ist. Außerdem erhielten die Frauen alle das gleiche, in Europa kaum verwendete Kombinationspräparat – und das in einer Dosierung, die laut Alfred Mueck, Präsident der Deutschen Menopause-Gesellschaft, für ihr Alter viel zu hoch gewesen sei. Heute könne man Hormone in den Wechseljahren viel individueller verordnen, sagt Peyman Hadji: zum Beispiel Östrogen als Pflaster, Gel oder Spray über die Haut verabreichen und nur den Gestagenanteil in Tablettenform geben. „Die Vielfalt hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.“ Auch wisse man, dass es besser sei, möglichst bald nach der letzten Monatsblutung mit einer Hormonersatztherapie einzusetzen und nicht jahrelang zu warten. Auch die Langzeitauswertung der WHI-Studie habe gezeigt, dass vor allem die Frauen aus der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen von der Hormonersatztherapie profitierten – sie litten deutlich seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und starben auch seltener an Krebs als jene Frauen, die keine Hormone nahmen. Allerdings, so der Frankfurter Mediziner, halte der Schutzeffekt nach Ende der Behandlung nicht dauerhaft an.

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