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Wechseljahre War die ganze Sorge umsonst?

Vor 15 Jahren versetzte der WHI-Studie zur Hormonersatztherapie Frauen und Ärzte in Schrecken. Nun liegt die Langzeitauswertung vor. Das Ergebnis ist überraschend.

Hormonpillen
Nach 2002 gingen die Verordnungen von Hormonpillen bei Wechseljahrsbeschwerden stark zurück. Foto: Getty

Bei der Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden ist seit dem Jahr 2002 nichts mehr wie es vorher war: Damals hatte ein Team von US-amerikanischen Wissenschaftlern die ersten Ergebnisse der „Women’s Health Initiative-Studie“ (WHI) publiziert und damit weltweit Frauen ebenso wie Ärzte geschockt und verunsichert. Was an die Öffentlichkeit kam, klang höchst besorgniserregend und stellte die bisherige Verordnungspraxis radikal in Frage: Die Studie, die untersuchen sollte, ob eine Hormonersatztherapie Frauen nach den Wechseljahren vor einem Herzinfarkt schützt, wurde nach fünfeinhalb Jahren vorzeitig abgebrochen; wegen der gesundheitlichen Risiken sei eine Fortsetzung nicht zu verantworten, hieß es. Als Gründe führten die Forscher an, dass die Studienteilnehmerinnen, die eine Kombination von Östrogen und Gestagen einnahmen, häufiger an Brustkrebs erkrankten sowie häufiger einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall, eine Thrombose oder eine Embolie erlitten als jene, die keine Hormonersatztherapie bekamen.

Auch der zweite Teil der Studie, bei der eine Gruppe nur Östrogene erhalten hatte (das ist nur möglich bei Frauen ohne Gebärmutter), wurde wegen eines höheren Schlaganfallrisikos nach sieben Jahren abgebrochen.

Kein Einfluss auf die Lebenserwartung

Jetzt, 15 Jahre nach der Schreckensnachricht, liegt die Langzeitauswertung der WHI-Studie vor – und kommt zu einem Ergebnis, das in Anbetracht der Vorgeschichte überraschend anmutet: Tatsächlich, so schreiben die Autoren nun, nehme die Hormonersatztherapie keinen Einfluss auf die Lebenserwartung. Trotz der 2002 konstatierten höheren Risiken starben die Teilnehmerinnen, die Hormonpräparate eingenommen hatten, nicht früher als die anderen.

Ausgewertet wurden dafür die Daten von mehr als 27 000 Frauen über einen Zeitraum von 18 Jahren. Die Probandinnen waren bei Beginn der Studie zwischen 50 und 79 Jahren alt, im Durchschnitt 63,4 Jahre. Ein Teil von ihnen hatte eine Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen erhalten, ein Teil nahm nur Östrogen ein, der Rest gar keine Hormone. Im Laufe der Jahre waren 27,1 Prozent der Teilnehmerinnen mit Hormonersatztherapie und 27,6 Prozent derjenigen ohne Hormonersatztherapie gestorben. Auch besondere Risiken, an einer bestimmten Erkrankung zu sterben, waren unter der Hormonersatztherapie nicht zu erkennen – weder an einem kardiovaskulären Ereignis wie einem Herzinfarkt noch an Krebs, schreiben die Wissenschaftler in der von der „American Medical Association“ veröffentlichten Publikation.

Ganz zu unerwartet kommt das Langzeitergebnis der „Women’s Health Initiative“ dann aber doch nicht: Bereits im Frühsommer 2016 hatten JoAnn Manson und Andrew Kaunitz, zwei der maßgeblichen Autoren der WHI-Studie, im „New England Journal of Medicine“ moniert, ihre Studiendaten seien jahrelang falsch interpretiert worden. Vielmehr überwiege der Nutzen der Hormonersatzbehandlung für die Gesundheit und Lebensqualität der Frauen die Risiken. Beide bedauerten in ihrem Artikel die Folgen ihrer Publikation von 2002. Und diese waren weitreichend: Weltweit nahmen die Verordnungen von Hormonpräparaten gegen Wechseljahrsbeschwerden dramatisch ab; alleine in den USA um 80 Prozent, auch in Deutschland gab es einen erheblichen Rückgang. Medizinische Empfehlungen und Leitlinien wurden neu aufgelegt und den WHI-Ergebnissen angepasst. Es sei eine „frauenfeindliche Deutung“ der Studie gewesen, die das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Brustkrebs überhöht dargestellt habe, befand die Hamburger Frauenärztin und Hormonspezialistin Katrin Schaudig 2016 gegenüber der Frankfurter Rundschau.

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