Lade Inhalte...

Vor Mitternacht, auf Vorrat Die größten Mythen rund um unseren Schlaf

Gesunder Schlaf ist wichtig. Ohne regelmäßige Schlafphasen können wir nicht überleben. Doch viele Mythen, die über unsere Nachtruhe erzählt werden, stimmt nicht oder nur zum Teil. Der Schlaf vor Mitternacht sei am besten etwa oder, dass man auf Vorrat schlafen kann.

04.12.2015 10:35
Nicht nur zu wenig Schlaf ist ungesund. Auch Menschen, die zu viel schlafen, haben ein höheres Risiko zu erkranken Foto: dpa

Warum muss ich überhaupt schlafen? Kinder, die nicht ins Bett wollen, stellen diese Frage häufig. Und auch uns Erwachsenen ist oft gar nicht klar, wie wichtig gesunder Schlaf ist. Doch ohne Schlaf könnten wir nicht überleben. Der Körper braucht die Ruhepause zum Entspannen. Unser Stoffwechsel fährt im Schlaf herunter, andere Wirkstoffe sind dafür umso aktiver. Wachstumshormone etwa oder Stoffe, die die Wundheilung beschleunigen.

Und nicht nur der Körper, auch unser Gehirn braucht die Pause um Eindrücke zu verarbeiten. Doch vielen fällt die gesunde Nachtruhe schwer. Etwa 25 Prozent der Deutschen leiden unter mehr oder weniger ausgeprägten Schlafstörungen. Viele scheinen verlernt zu haben, wie man es anstellt, sich nachts im Bett zu erholen.

Mythos 1: Schlaf vor Mitternacht

Um den Schlaf ranken sich allerdings auch zahlreiche Mythen. So glauben viele, am besten ist der Schlaf vor Mitternacht. Aber stimmt das eigentlich? Nein, sagt Prof. Ingo Fietze, Leiter des interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin. Grundsätzlich seien die ersten vier Stunden Schlaf die besten und erholsamsten, weil man in dieser Zeit die größte Portion Tiefschlaf bekommt. Ob diese Stunden nun vor oder nach Mitternacht geschlafen werden, sei weniger entscheidend. Ganz abwegig ist der Zusammenhang von Mitternacht und Schlaf trotzdem nicht: Denn zwischen 22 und 24 Uhr sei das Zeitfenster, in dem man am besten einschlafen kann, so der Experte.

Mythos 2: Auf Vorrat schlafen

Angela Merkel hat mal gesagt, sie habe kamelartige Fähigkeiten. Doch kann man wirklich auf Vorrat schlafen? „Das geht nur sehr begrenzt“, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley, Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg. „Wenn man abends etwas vorhat, kann man nachmittags vorschlafen.“ Doch der Vergleich mit einem Kamel hinke sehr. Auch der Vergleich des Vortankens sei falsch. „Nach wenigen Tagen mit einer solchen Strategie braucht man eine längere Erholungspause“, so Zulley, der vor seinem Ruhestand das Schlafmedizinische Zentrum in Regensburg geleitet hat.

Mythos 3: Langschläfer sind fauler als Frühaufsteher

So einfach ist das nicht. Die Wissenschaft unterscheidet verschiedene Schlaftypen. Frühe Schläfer (Lerchen) und Spätschläfer (Nachteulen). Lerchen liegen deutlich vor der Geisterstunde im Bett, Eulen würden am liebsten weit nach Mitternacht ins Bett gegen und bis in den Vormittag schlafen. Dementsprechend sind die Lerchen in den frühen Morgenstunden leistungsfähiger. Schlafforscher regen deshalb seit längerem an, den Schulbeginn nach hinten zu verlegen.

Mythos 4: Acht Stunden Schlaf sollten sein

Nicht unbedingt. Zwar schlafen Erwachsene im Schnitt sieben bis acht Stunden, doch manche kommen auch mit deutlich weniger Schlaf aus. Andere wiederum brauchen etwas mehr Nachtruhe. Rein statistisch hat, wer regelmäßig rund sieben Stunden schläft, die höchste Lebenserwartung.

Mythos 5: Lange schlafen ist gesund

Man kann alles übertreiben, auch das Schlafen. Schlafforscher haben herausgefunden, dass nicht nur zu wenig ungesund ist, Übergewicht und Krankheiten begünstigen kann. Auch Menschen, die zu viel schlafen, haben ein höheres Risiko zu erkranken oder früher zu sterben.

Mythos 6: Ein Mittagsschlaf macht wieder fit

Auf die Länge kommt es an. Ein kurzes Nickerchen, maximal eine halbe Stunde, verbessert Konzentration und Leistungsfähigkeit. Ein längerer Mittagsschlaf ist dagegen eher kontraproduktiv. Im schlimmsten Fall führt er dazu, dass man nachts nicht mehr gut schläft und noch unausgeschlafener ist.

Mythos 7: Ein Gläschen Alkohol hilft beim Einschlafen

Viele meinen, bei einem Glas Bier oder Wein am Abend besser entspannen zu können. Und diese Entspannung soll auch das Einschlafen fördern. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Denn Alkohol stört die wichtigen REM-Phasen, in denen sich der Körper erholt. Besser als Schlummertrunk geeignet sind ein Glas warme Milch mit Honig oder ein beruhigender Tee.

Mythos 8: Wer sich ordentlich auspowert, schläft besser

Schlafforscher raten in der Tat dazu, regelmäßig Sport zu treiben. Doch zu spät abends sollte man seinen Kreislauf nicht mehr so stark ankurbeln. Ist der Körper kurz vor dem Schlafengehen auf Hochtouren, schläft man schlechter ein.

Mythos 9: Spätes Essen ist schlecht für den Schlaf

Das ist eher eine Gewohnheitssache, so die Meinung von Schlafexperten. Schließlich wird im Mittelmeerraum oft spät abends gegessen. Allenfalls ein übermäßig üppiges Essen am späten Abend kann das Einschlafen erschweren.

Mythos 10: Schlaf macht schön

Endlich mal eine Weisheit, die stimmt. Wer gesund und attraktiv aussehen möchte, braucht ausreichend Schlaf. Schläft jemand zu wenig, spiegelt sich das in seinem Gesicht wider: Beobachter stufen ihn dann als ungesünder, weniger attraktiv und müder ein. Das ergab eine Studie aus Schweden. (ef/dpa)

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum