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Uniklinikum Frankfurt Auch mit Kindern offen über Krebs sprechen

Krebskranken fällt es oft schwer, mit ihren Angehörigen über ihre Krankheit zu sprechen. Die Frankfurter Uni-Klinik hat deshalb dazu einen Ratgeber in türkischer und englischer Sprache verfasst.

Tumor
In der Diagnostik der Radiologie der Universitätsmedizin in Rostock wird mit Hilfe der Magnetresonanztomographie ein Tumor festgestellt. Foto: dpa

Krebs ist kulturübergreifend eine gefürchtete Krankheit, die nicht nur Ängste, sondern auch Befangenheit auslöst. Alleine das Wort assoziieren viele mit Leiden, Siechtum und Tod, auch wenn sich die Überlebensaussichten gerade in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Besonders schwer fällt es Patienten, ihren Kindern von der Diagnose zu erzählen und mit ihnen zu besprechen, was durch die Krankheit und deren Behandlung auf sie selbst und die gesamte Familie zukommen kann. Wie solche belastenden Situationen am besten zu meistern sind, dazu hat Bianca Senf, Leiterin der Psychoonkologie am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen des Universitätsklinikums Frankfurt, einen Ratgeber mit dem Titel „Wahrheit braucht Mut“ verfasst, der in deutscher, türkischer und jetzt auch in englischer Sprache erschienen ist.

Die Psychotherapeutin betreut seit mehr als 20 Jahren krebskranke Patienten und deren Angehörige – und hat es an einem so großen Klinikum in einer Stadt wie Frankfurt auch viel mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen zu tun. Insbesondere in den letzten beiden Jahren seien mit den Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten noch weitere Nationalitäten dazugekommen, sagt Bianca Senf. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass es Menschen aus muslimisch geprägten Ländern – auch vielen bereits lange in Deutschland lebenden türkischen Mitbürgern – oft besonders schwer falle, über ihre Krankheit offen zu reden, ja sie das Wort nicht einmal in den Mund nehmen mögen: „Krebs ist auch bei uns hoch belastet. Aber, während sich in Deutschland doch immer mehr das Bewusstsein durchsetzt, dass es besser ist, offen darüber zu sprechen, ist die Krankheit dort noch weitaus stärker tabuisiert.“

Bianca Senf erzählt ein Beispiel aus ihrer Praxis: Ein Mann muslimischen Glaubens, um die 40 und unheilbar an Krebs erkrankt, lag auf der Palliativstation der Frankfurter Uniklinik, weit entfernt von zu Hause. Doch er wollte auf keinen Fall dorthin, – nach Köln – verlegt werden. Der Grund: Die vier Kinder wussten nicht, dass der Vater sterben würde, nicht einmal, dass er überhaupt so schwer an Krebs litt, schildert die Psychotherapeutin die Situation. Auch seine Frau konnte es sich nicht vorstellen, den Kindern die bittere Wahrheit zu sagen. In einer „sehr langen Sitzung“, so Bianca Senf, habe sie die Eltern überzeugt, das gemeinsam mit ihr dann doch zu tun. Tatsächlich ließ sich der Mann nach dem Gespräch an die Uniklinik Köln verlegen, wo die Familie ihn jeden Tag besuchen konnte.

Kindern die Wahrheit zu sagen, dass Mama oder Papa schwer erkrankt sind, fällt niemandem leicht. Viele Erwachsene flüchten sich in Andeutungen, weil sie es scheuen, die Erkrankung und ihre Konsequenzen ehrlich zu thematisieren. Sie fürchten, ihre Kinder zu überfordern oder selbst die Fassung zu verlieren. Verständlich zwar, aber ein Fehler, wie Bianca Senf sagt – einer, der so dramatische wie langfristige psychische Folgen haben könne. Denn Kinder würden weniger unter der Erkrankung als vielmehr unter der Ungewissheit leiden, sagt die Therapeutin. „Eltern sind für Kinder die Garanten des Lebens. Dazu gehört, dass sie wahrhaftig sind, nicht schwindeln und beschwichtigen. Kinder spüren, wenn etwas nicht stimmt. Wenn sie nicht nachvollziehen können, was los ist, so verunsichert sie das extrem. Sie entwickeln eine diffuse Angst und häufig schwer belastende Phantasien, zum Beispiel jene, dass da das konkrete Tier Krebs im Körper sitzt.“ Deshalb sei es so wichtig, „die Krankheit zu erklären“.

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