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Selbstbestimmung Das Kontrollerleben im Alter ist gestiegen

Ältere Menschen nehmen heute ihr Leben als selbstbestimmter wahr als früher – bei Jüngeren ist das Gegenteil der Fall.

Senioren
Immer noch fit: Eine 84-Jährige fährt Auto. Foto: dpa

Alles nimmt mit dem Alter ab? Von wegen: Einer aktuellen Studie zufolge ist die wahrgenommene Selbstbestimmung über das eigene Leben der heute 65-Jährigen im Durchschnitt höher als bei der Vorgängergeneration. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin, der Université catholique de Louvain in Belgien und der Brandeis University in den USA, die vor kurzem in der Fachzeitschrift „Developmental Psychology“ veröffentlicht worden ist.

Wie die auf Daten einer landesweiten Stichprobe in den USA zeigen, empfinden die älteren Menschen erheblich weniger Einschränkungen in ihrem Kontrollerleben als die 65-Jährigen vor 18 Jahren. Zudem haben mehrere Bevölkerungsgruppen aufgeholt – etwa die Frauen, die in ihrer wahrgenommene Kontrolle früher benachteiligt waren. Als Faktoren für diese Entwicklung geben die Forscher das höhere Bildungsniveau an. Aber auch die bessere körperliche Fitness spielt eine Rolle, die den Älteren im Alltag oft eine größere Selbstbestimmung eröffnet. Ein ähnliches Bild ergab sich bei älteren Menschen in Deutschland und den Niederlanden.

Dieser erfreuliche Ausblick auf die Lebensqualität im Alter hat jedoch nur eingeschränkt Gültigkeit: „Wir rechnen jedoch damit, dass die positiven Effekte auf die wahrgenommene Kontrolle im Alter am Lebensende deutlich abnehmen“, sagt Denis Gerstorf, Professor am Institut für Psychologie der HU Berlin, mit Verweis auf andere aktuelle Studien, die insbesondere die letzten Lebensjahre älterer Menschen in den Blick nehmen.

Aufmerken lässt jedoch noch ein anderer  Befund des internationalen Forscherteams um Johanna Drewelies von der HU Berlin: Neben dem gesteigerten Kontrollempfinden der Älteren wurde zugleich ein gegenteilige Ergebnis bei den jüngeren Erwachsenen zu verzeichnen. Die heute 25- bis 39-Jährigen haben das Gefühl, ihr Leben weniger unter Kontrolle zu haben als Gleichaltrige vor 18 Jahren.

Die Forscher nutzten für ihre Untersuchung repräsentative Daten von US-Bürgern, die im Rahmen der „Midlife in the US Study“ nach ihrem Kontrollerleben befragt wurden. Als Ausgangspunkt diente ein Vergleich mit den Daten der Vorgängerstudie aus den frühen 1990er-Jahren. Auf diesem Weg bildeten die Wissenschaftler 2223 „statistische Zwillingspaare“, die sich in Alter und Geschlecht möglichst glichen. Die Vergleichspaare waren zwischen 23 Jahre und 75 Jahre alt. Darüber hinaus flossen in den Abgleich Faktoren wie Bildungsgrad, selbstberichtete Krankheiten und die soziale Einbettung ein.

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