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Objekt-Sexualität In einer Beziehung mit dem Eiffelturm

Kaum etwas ist schöner als das Gefühl, verliebt zu sein. Das Herz hüpft, der Bauch kribbelt... Was aber, wenn man sich nicht in einen anderen Menschen verliebt hat, sondern in die Berliner Mauer oder den Eiffelturm? Objektsexuelle nennen sich Menschen, denen so etwas passiert.

21.08.2014 14:28
Die „Grande Dame de Paris“ ist schon verheiratet – zumindest laut der Amerikanerin Erika Eiffel. Foto: dpa

„Ich liebe mein Auto“ oder „Ich liebe diese Schuhe“ sind Sätze, die vielen leicht über die Lippen gehen. In den meisten Fällen will man damit die Wertschätzung gegenüber der Ästhetik oder der Praktikabilität eines Gegenstandes ausdrücken. Manche Menschen meinen diese Liebesbekundungen aber durchaus ernst und wörtlich: Sie lieben leblose Dinge wie andere ihre Ehepartner.

„Objektophilie“ oder „Objektsexualität“ heißt diese besondere Zuneigung zu Gegenständen. Objektsexuelle fühlen sich nicht zu Menschen hingezogen, sondern entwickeln romantische uns sexuelle Gefühle für Dinge – ob groß oder klein spielt dabei keine Rolle. Zu den Liebes- und teilweise Lebenspartnern von bekennenden Objektophilen gehören Autos, Dampflokomotiven, Kirmes-Fahrgestelle, Brücken, die Berliner Mauer und sogar die seit 2001 „toten“ Zwillingstürme des World Trade Centers.

Frau heiratet Eiffelturm in Paris

Die ausgefallene sexuelle Spielart erlangte im Jahr 2007 viel Aufmerksamkeit: Erika LaBrie, eine bekennende Objektsexuelle, heiratete in einer symbolischen Zeremonie den Eiffelturm in Paris. Seitdem heißt die Amerikanerin Erika Eiffel – und der Gegenstands-Fetisch wurde ein beliebtes Thema für zahlreiche Talkshows und Dokumentationsfilme.

Auch eine deutsche Touristenattraktion hat einen Platz im Herzen der Objektsexuellen-Community. Eija-Riitta Berliner-Mauer, die oft als Pionierin der eigensinnigen sexuellen Vorliebe genannt wird, heiratete 1979 das Gemäuer, das 28 Jahre lang Ost- und Westdeutschland trennte. 1989 musste sie erleben, wie ihre große Liebe niedergerissen wurde – diese Gewalt gegen ihren „Ehemann“ aus Stein hat bei Eija-Riitta tiefe Wunden hinterlassen. Laut Spiegel schrieb die heute 60-Jährige über den Mauerfall auf ihrer Homepage: „Angesichts all der emotionalen Verbundenheit, tiefen Liebe und den guten Erinnerungen, die mich mit ihm verbunden haben, war der einzige Weg zu überleben, dieses schreckliche Ereignis zu verdrängen.“

Objekt-Sexuelle oft polygam

Doch nicht nur Eija-Riitta ist in einer Beziehung mit den Überbleibseln der Berliner Mauer. Auch die Amerikanerin Erika Eiffel, die sich medienwirksam für die „OS“-Community einsetzt und die Website „Objectum Sexuality Internationale“ gegründet hat, fühlt sich von den Mauerresten angezogen. Sie besucht ihren Liebhaber aus Stein regelmäßig, trägt sogar ein kleines Modell der Berliner Mauer mit sich herum.

Viele Objektsexuelle sind polygam, haben also mehrere Partner – so auch Eiffel, die ja eigentlich mit der „Grande Dame de Paris“ verheiratet ist und sogar „ihren“ Namen angenommen hat. Eiffel führte während dieser Ehe ebenfalls eine Beziehung mit der Golden Gate Bridge in San Fransisco.

Dinge lieben den Menschen zurück

Diese Liebschaften mit leblosen Brücken und kalten Mauern stellen sich die meisten Menschen wohl einseitig und unausgeglichen vor. Für Objektsexuelle sind die Beziehungen aber durchaus von einem lebhaften Austausch geprägt: Die ungleichen Partner lieben sich gegenseitig, kommunizieren telepathisch und können sogar Zärtlichkeiten austauschen. Hauptsächlich passiere das über Temperatur, erklärt Erika Eiffel in einer der Dokumentation: Eine warme Hand auf kaltem Stein etwa wärme das Material, die Stein-Oberfläche kühle im Gegenzug. Das sei ein Austausch von Energie, der sich nicht wesentlich vom Körperkontakt zweier Menschen unterscheide. Objektophile glauben auch, dass Gegenstände ebenfalls Seelen besitzen – weshalb sie ihre Partner auch als „er“ oder „sie“, und nicht als „es“ bezeichnen. (mar)

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