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Psychologie-Studie Verdrängte Gefühle machen krank

Wer negative Gefühle verdrängt, leidet häufiger unter bestimmten Krankheiten. Darunter fällt vor allem erhöhter Blutdruck, der seinerseits wiederum schwerwiegende Folge-Erkrankungen bewirken kann. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist aber nicht nachgewiesen.

21.11.2012 12:56
Von Torsten Harmsen
Wer sich ärgert, Streit oder Stress hat, sollte seine Gefühle nicht unterdrücken. Foto: picture-alliance / dpa

Wer negative Gefühle verdrängt, leidet häufiger unter bestimmten Krankheiten. Darunter fällt vor allem erhöhter Blutdruck, der seinerseits wiederum schwerwiegende Folge-Erkrankungen bewirken kann. Ein erhöhtes Krebsrisiko ist aber nicht nachgewiesen.

Wer unangenehme Gefühle permanent unterdrückt, wird über kurz oder lang krank. Das behauptete bereits Ende des 19. Jahrhunderts Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse. Diese Theorie ist seit langem in der Alltagspsychologie fest verankert. Doch der  wissenschaftliche Beweis stand bislang aus.

Psychologen der Universität Jena sind nun erstmals systematisch daran gegangen, die Theorie zu überprüfen. In der Fachzeitschrift Health Psychology haben die Nachwuchswissenschaftler Marcus Mund und Kristin Mitte die erste Meta-Analyse veröffentlicht, die den Zusammenhang von emotionaler Verdrängung und körperlichen Erkrankungen quantitativ untersuchte.

Die jungen Psychologen sammelten dafür sämtliche weltweit verfügbaren Einzelergebnisse, in denen Krankheiten wie Krebs, Herz-, Kreislauferkrankungen, Asthma oder Diabetes im Zusammenhang mit Verdrängungstendenzen dargestellt wurden.

Verdrängung macht krank

Das Ergebnis: Tatsächlich gibt es Zusammenhänge zwischen der Verdrängung und einigen Krankheiten. „Das Unterdrücken unangenehmer Gefühle ist ein allgemeiner Abwehrmechanismus, den jeder Mensch von Zeit zu Zeit nutzt“, sagt Marcus Mund, Hauptverantwortlicher der Studie. „Es gibt aber auch Menschen, in deren Persönlichkeit das Prinzip der Abwehr wesentlich verankert ist.“ Diese Eigenschaft nennen die Psychologen Repression.

Im Mittelpunkt der in die Studie eingegangenen Daten standen sogenannte Represser – also Menschen, die negative Gefühle generell unterdrücken. „Diese Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie einerseits angeben, wenig Angst zu verspüren, und sich andererseits sehr defensiv verhalten, also wenig risikofreudig sind und stets eine hohe Kontrolle über sich und die jeweilige Situation suchen“, sagt Marcus Mund. Interessanterweise sind Represser aber weitaus ängstlicher als sie selbst glauben oder zugeben wollen.

Heftige körperliche Angstreaktionen

„Setzt man Represser psychischem Stress aus, so zeigen sie heftige körperliche Angstreaktionen, wie Schwitzen oder einen beschleunigten Puls.“ Auch im Vergleich zu Nicht-Repressern reagieren sie häufig stärker. 

Genau an diesem Punkt, so der Psychologe weiter, setze auch der Einfluss auf die körperliche Gesundheit ein. So bestehe ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Repression und einem erhöhten Blutdruck. Chronischer Bluthochdruck wiederum kann schwerwiegende Folgeerkrankungen wie koronare Herzerkrankungen, Nieren- oder Augenschäden verursachen.

Für andere Krankheiten, wie Krebs, lasse sich allerdings kein Zusammenhang zwischen der Unterdrückung von Emotionen und dem Risiko zu erkranken feststellen. „Die häufig ins Spiel gebrachte sogenannte Krebspersönlichkeit gibt es definitiv nicht“, sagt Marcus Mund.

Allerdings bedeute die persönliche Veranlagung zur Repression nicht, dass auftretende Krankheiten auch schwerer verlaufen als bei Nicht-Repressern. Im Gegenteil: „Aufgrund ihres hohen Kontrollbedürfnisses sind Represser in der Regel sehr diszipliniert und motivierter, ihren Lebensstil an die Krankheit anzupassen.“ Würden diese Ressourcen genutzt, könne sich das günstig auf den Therapieerfolg auswirken.

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