Lade Inhalte...

Zahnpasta ohne Fluorid „Höheres Risiko für Karies“

Zahnmediziner Joachim Klimek spricht im Interview über Zahnpasten ohne Fluorid, Werbemethoden und Empfehlungen für die richtige Mundhygiene.

Mundhygiene
Die richtige Mundhygiene kann Karies vorbeugen. Foto: istock/FR Grafik

Selten sorgen Anzeigen für einen solchen Aufruhr wie in diesem Fall. Großflächig wirbt die Firma Dr. Wolff für ihre neue fluoridfreie Zahncreme. Gleichzeitig wird in den Anzeigen mehr oder weniger eindeutig auf mögliche gesundheitliche Risiken durch Fluorid angespielt. Diese Aussagen haben nun die Fachgesellschaften auf die Barrikaden gebracht. In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen die Deutsche Gesellschaft für Zahn-erhaltung, die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin und die Bundeszahnärztekammer von einem „unredlichen Marketingschachzug“. In einer ganzseitigen Anzeige in Form eines offenen Briefs entschuldigte sich der Hersteller für den erregten „Unmut“ – nicht ohne mit dem Satz zu schließen, dass dank seines Produkts „Patientinnen und Patienten bei der Zahnpasta endlich die Wahl haben, ob sie sich mit oder ohne Fluorid die Zähne putzen wollen“.

Die FR hat mit Joachim Klimek über diesen Fall, aber auch über Zahnpflege gesprochen. Der Zahnmediziner war mehr als 20 Jahre lang Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde des Medizinischen Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Gießen und Marburg und ist Mitautor der geltenden Leitlinien zur Kariesprophylaxe.

Herr Klimek, über eine neue Zahnpasta ist ein Streit zwischen Hersteller und zahnärztlichen Fachgesellschaften entbrannt. Das Unternehmen wirbt damit, dass sein Produkt ohne Fluorid auskommt und legt nahe, dass dieser in herkömmlichen Zahncremes enthaltene Wirkstoff der Gesundheit schaden könne. Was halten Sie davon?
Bei Karex erleben wir eine bisher unübliche harte Kampagne für Zahnpasta, die mit alternativen Fakten arbeitet und dem Verbraucher etwas vorgegaukelt. Um das eigene Produkt zu vermarkten und den Verkauf zu fördern, werden herkömmliche Produkte, die Fluorid enthalten, diskreditiert. Und das betrifft fast alle Zahnpasten auf dem Markt, denn Fluorid ist die einzige Substanz, deren kariesprophylaktische Wirkung nachgewiesen ist. In der Karex-Werbung wird Fluorid regelrecht verteufelt.

Man fühlt sich als Verbraucher schon verunsichert, wenn man das liest…
Es wird ganz subtil unterstellt – und das scheint auch das Ziel zu sein –, dass Fluorid doch irgendwie giftig und es deswegen besser ist, jetzt eine fluoridfreie Zahnpasta zu verwenden. Gleichzeitig wird auch behauptet, die kariesprophylaktische Wirkung dieser Zahnpasta wäre wissenschaftlich nachgewiesen. Dabei ist das nicht der Fall.

Die Hersteller beziehen sich aber doch auf eine Studie der Universität Würzburg. Es ist sogar von 50 wissenschaftlichen Studien zu ihrem Wirkstoff die Rede.
Die Studie, die in der Werbung erwähnt wird, ist die erste klinische Studie zum Thema Kariesprophylaxe. Sie ist noch nicht publiziert worden und kann deshalb nicht überprüft werden. Es gibt aber seit über einem Jahr erste Rahmendaten. Demnach wurden mehr als 100 Kinder über einen Zeitraum von zwölf Wochen beobachtet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen