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Welt-Parkinson-Tag „Jeder kann Parkinson bekommen“

Eine zitternde Hand, die sich nicht kontrollieren lässt, Schlafstörungen, ein steifer Körper beim Aufstehen: Das können Hinweise auf Morbus Parkinson sein. Die Erkrankung ist nicht heilbar, treffen kann sie jeden. Prominente Patienten sind Michael J. Fox und Ottfried Fischer.

10.04.2013 18:00
Bei Michael J. Fox wurde früh Parkinson diagnostiziert. Der Hollywoodstar engagiert für die Erforschung der Nervenkrankheit. Foto: dpa-tmn

Im Frühjahr vor acht Jahren fing es an: Morgens beim Aufstehen fühlte sich Ulrike Braatz immer für ein paar Sekunden merkwürdig steif. Wenn sie beim Anziehen auf einem Bein stand, um in eine Hose zu schlüpfen, fiel sie um. Und wenn sie bei der Arbeit den Telefonhörer in der linken Hand hielt, um mit rechts zu schreiben, zitterte der ganze linke Arm. Nach ein paar Tests bei einem Neurologen stellte sich heraus: Ulrike Braatz hat Parkinson.

11. April ist Welt-Parkinson-Tag

Sie ist in prominenter Gesellschaft: Bekannte Schauspieler wie US-Mime Michael J. Fox und sein deutscher Kollege Ottfried Fischer sind ebenfalls betroffen. Ursache der neurodegenerativen Erkrankung ist der Ausfall der Nervenzellen im Gehirn, die den für Bewegungen und Emotionen wichtigen Botenstoff Dopamin bilden. In Deutschland leben etwa 250.000 Patienten. Namensgeber ist der britische Arzt James Parkinson (1755-1824). An seinem Geburtstag am 11. April wird seit 1997 der Welt-Parkinson-Tag begangen, um über die auch als Schüttellähmung bekannte Krankheit zu informieren.

Von Parkinson spreche man, wenn die Bewegungen auf einer Seite verlangsamt sind, zusätzlich ein Zittern (Tremor) im Ruhezustand und/oder Muskelsteifheit (Rigor) auftreten, erläutert Prof. Wolfgang Oertel von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Siegen. Ein eindeutiges Vorzeichen der Erkrankung sei die REM-Schlaf-Verhaltensstörung, bei der der Traumschlaf gestört ist.

Störungen des Geruchssinns, Depressionen

„Dabei kämpfen die Betroffenen im Schlaf gegen einen Angreifer, sprechen und schlagen um sich, verletzen sich oder den Partner“, sagt Oertel, der auch Sprecher des Kompetenznetzes Parkinson ist. Er rät, in solchen Fällen zu einem auf Schlafstörungen spezialisierten Neurologen zu gehen beziehungsweise sich an ein Schlafmedizinisches Zentrum zu wenden. „Bei mehr als 65 Prozent der Menschen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung ist es wahrscheinlich, dass sie in den kommenden 10 bis 20 Jahren an Parkinson erkranken.“ Andere Symptome seien weniger spezifisch.

Dazu gehören Verstopfungen und Störungen des Geruchssinns sowie Depressionen. An letzteren erkrankte auch Ulrike Braatz, kurz vor der Diagnose Parkinson. Zu hören, dass Parkinson hinter ihren Beschwerden steckt, sei wie ein Schlag auf den Kopf gewesen, sagt sie: Denn da wusste sie, dass sie nie wieder gesund und bis an ihr Lebensende auf Medikamente angewiesen sein werde. „Ich kannte niemanden, der Parkinson hatte und den ich hätte fragen können.“ Geholfen habe ihr schließlich der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung, in der sie sich mittlerweile selbst stark engagiert. „Jeder hat seinen eigenen Parkinson“, sagt sie. Und es gebe weitaus jüngere Patienten als sie.

Fünf Prozent der Patienten unter 40 Jahren

Im Mittel bekommen die Patienten nach Angaben der DGN die Diagnose im Alter von 60 Jahren. Etwa fünf Prozent seien unter 40 Jahren, ergänzt Prof. Thomas Gasser vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Tübingen. „Jeder kann Parkinson bekommen“, betont er. Statistisch gesehen sei das Erkrankungsrisiko bei Menschen niedriger, die rauchen und Kaffee trinken. „Aber es gibt nichts, was sicher davor schützt“, betont er. Wie für alle neurodegenerativen Erkrankungen gelte die allgemeine Empfehlung, sich zur Prävention körperlich und geistig fit zu halten.

Das einzige, was Betroffenen letztlich bleibt, ist, wie Ulrike Braatz die Krankheit zu akzeptieren, körperlich und mental aktiv zu bleiben - und so früh wie möglich Medikamente zu nehmen. „Früher hat man sehr spät Dopaminersatz gegeben, aus der Überlegung heraus, dass der Körper dann erstmal seine Reserven ausschöpfen kann“, erläutert Gasser. Heute sei man der Ansicht, dass der Körper motorische Störungen besser kompensieren kann, wenn er beizeiten Dopamin von außen zugeführt bekommt.

Zittern ist ein Kontrollverlust

Ulrike Braatz bemerkt inzwischen erste feinmotorische Schwierigkeiten, etwa beim Schnürsenkelbinden oder Knöpfeschließen. Auch ihre psychische Belastbarkeit lasse weiter nach, sagt sie. „Das ist lästig, ich konnte immer aus den Vollen schöpfen.“ Inzwischen nehme bei ihr das Zittern zu, je mehr Stress sie hat. „Das Zittern tut nicht weh, es ist aber ein Kontrollverlust“, räumt sie ein.

Und es fällt auch Außenstehenden auf. Wer aber nicht weiß, dass der zittrige Mensch vor ihm Parkinson hat, nimmt oft an, es handele sich um einen Alkoholiker mit Entzugserscheinungen. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, geht Braatz sehr offen mit ihrer Erkrankung um. „Parkinson ist eine öffentliche Krankheit, man sieht es“, sagt sie. Bislang allerdings nicht immer: Wenn sie bei öffentlichen Auftritten nicht extra darauf hinweist, dass sie selbst betroffen ist, merkt man das an guten Tagen noch nicht gleich. (dpa)

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