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Trotz Risiken Der Trend geht zum Kaiserschnitt

Nichts dem Zufall überlassen, auch nicht die Geburt: Jahr für Jahr steigt der Anteil der Frauen, die in Kliniken per Kaiserschnitt entbinden. Viele Schwangere wollen das und die Ärzte machen mit. Dabei besteht längst nicht immer ein Grund.

14.09.2011 09:16
In Deutschland steigen Kaiserschnittgeburten kontinuierlich an. Foto: dpa

Es ist ein gefährlicher Eingriff und trotzdem werden Babys immer häufiger per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Im vergangenen Jahr wurde in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern erstmals mehr als jedes dritte Kind auf diese Weise geboren. Das ergeben die Zahlen des Statistischen Landesamtes. Vor 20 Jahren lag der Anteil der Kaiserschnitt-Geburten bei 16,9 Prozent - seitdem hat er sich auf inzwischen 33,6 Prozent etwa verdoppelt.

Bundesweit liegt NRW seit Jahren etwas über dem Durchschnitt, aber auch für ganz Deutschland gilt: Der Trend geht zum Kaiserschnitt. Nebenan in Holland wird nur bei jeder siebten Geburt die Bauchdecke der Mutter aufgeschnitten.

Der Eingriff ist durchaus mit Risiken verbunden: Innere Organe können beschädigt werden, häufig verlieren Frauen mehr Blut als bei einer normalen Geburt. Auch bleiben sie nach einem Kaiserschnitt durchschnittlich länger im Krankenhaus.

Warum gibt es dennoch immer mehr Operationen? Zum einen würden mehr Frauen als Risikoschwangere eingestuft, sagt Professorin Nicola Bauer von der Hochschule für Gesundheit in Bochum. Die werdenden Mütter seien im Durchschnitt älter, auch würden öfter Zwillinge geboren. „Das alleine erklärt aber nicht den großen Anstieg.“

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Einige Frauen wünschen sich den Kaiserschnitt, erläutert Bauer - internationalen Studien zufolge zwei bis zehn Prozent der Schwangeren. „Das ganze Leben ist planbarer geworden. Eine Geburt ohne Kontrolle macht einigen Frauen Angst.“ Und auch die Ärzte treibt womöglich die Angst - vor einer Klage, wenn sie auf den Kaiserschnitt verzichten und sich bei der normalen Geburt Komplikationen einstellen.

Argumente lassen sich immer finden

Zudem laufen die Krankenhäuser Gefahr, Patientinnen und damit Geldeinnahmen zu verlieren - in Zeiten rückläufiger Geburtenzahlen. „Wenn eine Frau mit Kaiserschnitt-Wunsch in Klinik A abgewiesen wird, kann sie in Klinik B gehen“, sagt Expertin Bauer. Selbst wenn es keine zwingenden medizinischen Gründe für den Eingriff gibt: Argumente ließen sich meist finden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält eine Rate zwischen 10 und 15 Prozent für medizinisch sinnvoll. Fast alle Industriestaaten liegen jedoch über dieser Quote, die meisten Entwicklungsländer darunter. Während in ärmeren Weltregionen über drei Millionen Kaiserschnitte zusätzlich nötig seien, könne in den reichen Ländern auf fast doppelt so viele verzichtet werden.

(dpa)

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