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Tabuthema Männer als Opfer häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt an Männern kommt in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie überhaupt nicht vor. Laut einer aktuellen Studie sind aber ebenso viele Männer Opfer von häuslicher Gewalt wie Frauen. Wegen ihrer Schamgefühle gehen viele nicht an die Öffentlichkeit.

31.01.2014 14:33
Männer sollten nicht die Schuld auf sich nehmen, wenn Frauen ihnen gegenüber handgreiflich werden. Foto: (Symbolbild) dpa-tmn

Lange Zeit dachte Michael Fuhl (Name geändert), er sei schuld, dass seine Frau ihn schlug und trat. Sie warf Sachen nach ihm, ging mit Hammer, Säge und Schere auf ihn los, kippte Flaschen und Aschenbecher über ihn aus. „Anfangs habe ich gefragt, was ich falsch gemacht habe. Dann habe ich alles verdrängt und mich an den schönen Momenten festgehalten“, erzählt der 42-Jährige. Häusliche Gewalt gegen Männer ist immer noch ein Tabuthema. Dabei sind laut der aktuellen Gesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin fast ebenso viele Männer wie Frauen Opfer körperlicher Gewalt ihres Partners.

Laut dieser Studie leiden Männer seelisch sogar erheblich mehr als betroffene Frauen. „Dies kann als Hinweis auf eine fehlende sozial akzeptierte Opferrolle für Männer interpretiert werden“, heißt es in der Studie. Die Psychotherapeutin Christa Roth-Sackenheim aus Andernach sieht das ähnlich. „Das Thema häusliche Gewalt ist insgesamt hoch tabuisiert. Und bei Männern kommen noch höhere Schamgefühle hinzu, da es nicht der männlichen Rolle entspricht, geschlagen zu werden.“

Einmalige Übergriffe sind sehr selten

Michael Fuhl hat sich vor zwei Jahren von seiner Ehefrau getrennt und sich einem Psychotherapeuten anvertraut. Mittlerweile kann er offen über seine Erlebnisse sprechen. Er hatte seine Frau im Jahr 2005 kennengelernt, bereits kurz darauf wurde geheiratet. Von Anfang an griff sie ihn immer wieder an - zunächst verbal. Er wehrte sich nicht. „Zurückschießen ist nicht so mein Ding“, erzählt er. Beim ersten gemeinsamen Weihnachtsfest des jungen Ehepaares wurde sie ihm gegenüber gewalttätig. Sie ging mit einer Schere auf ihn los. Verletzt wurde er nicht, sie entschuldigte sich kurz darauf. „Ich habe es verstanden und mich auch bei ihr entschuldigt. Ich dachte, es bleibt bei dem einen Mal.“

Exot unter verlassenen Männern

Im Januar 2012 schafft er endlich den mühsamen Absprung. Seine Frau versteckte noch sein Geld und seine Papiere vor ihm, so dass er nicht ausziehen konnte. Nach einigen Querelen bekam er sein Eigentum wieder und mietete sich eine Wohnung. „Das war wichtig zum Überleben.“ Er schloss sich zunächst einer Gruppe für geschiedene und verlassene Männer an, dort fühlte er sich mit seinen Erlebnissen jedoch als Exot. Hilfe brachte ihm schließlich eine Therapie.

„Betroffene Männer können sich auch bei uns melden“, sagt eine Sprecherin der Opferhilfe Weißer Ring in Mainz. Unter der Telefonnummer 116006 bekämen sie sofort Hilfe, außerdem würden Ansprechpartner vermittelt. Auch Roth-Sackenheim empfiehlt Männern, sich professionelle Unterstützung zu suchen. „Sie sollten sich nicht an ihre Kumpel am Stammtisch wenden, sondern an eine Selbsthilfegruppe oder einen Therapeuten.“ Wer über längere Zeit in einer gewalttätigen Beziehung lebt, könne psychisch krank werden, warnt Roth-Sackenheim.

Wann ist es Zeit, die Beziehung zu beenden?

Wenn sich über ein bis zwei Jahre trotz Versprechungen des Partners nichts ändert, wird die Beziehung besser beendet. Keinesfalls sollte sich der Betroffene mit der Situation arrangieren und sich zum Beispiel einreden, er müsse nur Anzeichen des nächsten Gewaltausbruchs erkennen und könne dann gegensteuern. „Damit organisiert man sein ganzes Leben um die Störung des Partners herum“, sagt Roth-Sackenheim. Nach einer Trennung seien die Männer oft so verunsichert, dass sie erst einmal keine neue Beziehung eingehen würden. Michael Fuhl gehört zu den Ausnahmen, er hat seit dem vergangenen Sommer eine Freundin. (dpa)

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