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Osteoporose Es kommt nicht nur auf die Knochendichte an

Morgen ist Weltosteoporosetag. Die Erkrankung kann schwere Folgen haben, bleibt aber oft lange unerkannt.

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Bei Osteoporose werden die Knochen porös, verlieren an Stabilität und brechen leicht. Foto: iStock

Jede zweite Frau über 55 wird sich im Laufe ihres weiteren Lebens einen Knochen brechen“, sagt Peyman Hadji, Leiter des Hormon- und Osteoporosezentrums Frankfurt. Nach den Wechseljahren steigt durch die versiegende Östrogenproduktion das Risiko kontinuierlich an, denn das weibliche Geschlechtshormon spielt eine entscheidende Rolle für die Vitalität der Knochen. Weil das gleichermaßen für Testosteron gilt, sind Männer weniger anfällig für Osteoporose: Der Spiegel des männlichen Geschlechtshormons bleibt lebenslang relativ stabil, erst in höheren Alter, etwa ab 70 Jahren, wächst auch bei ihnen die Gefahr eines Knochenbruchs.„Bei Osteoporose ist das Verhältnis zwischen Frauen und Männern vier bis fünf zu eins“, erklärt Hadji. Neben dem Geschlecht können auch eine genetische Veranlagung, bestimmte Medikamente und der Lebensstil das Entstehen dieser Krankheit begünstigen, die nicht nur einzelne Knochen, sondern das gesamte Skelettsystem betrifft und zudem einen fortschreitenden Charakter hat. 

Insgesamt leiden in Deutschland zwischen sechs und acht Millionen Menschen unter Osteoporose, das ist fast ein Zehntel der gesamten Bevölkerung; Tendenz steigend. Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums soll nun ein „Disease Managing Programm“ zum Umgang mit diesem Volksleiden aufgesetzt werden, um die Behandlung und Versorgung der Patienten zu verbessern. Auch der Frankfurter Osteoporose-Spezialist Hadji arbeitet daran mit.

Knochenbrüche aufgrund von Osteoporose zählen zu den häufigsten Gründen für Pflegebedürftigkeit, Auslöser kann schon ein leichter Sturz oder nur ein Stolpern, eine Überlastung beim Heben oder eine abrupte Bewegung sein. Besonders häufig brechen Knochen am Oberschenkelhals, am Ober- und Unterarm, an den Rippen und an der Wirbelsäule. Der Bruch verheilt im höheren Alter und bei porösen Knochen dann oft nur schwer, eine Operation samt Krankenhausaufenthalt belastet den Organismus zusätzlich, die Patienten müssen lange liegen, bauen dabei auch Muskeln ab, was sich ebenfalls fatal auswirken kann, da sie den Knochen dann nur noch wenig Halt geben können. All das sorgt dafür, dass diese Menschen oft nicht mehr richtig auf die Beine kommen oder aber schnell wieder stürzen und sich erneut etwas brechen. Umso wichtiger wäre es, Osteoporose frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. 

Unsere mehr als 200 Knochen sind trotz ihrer enormen Härte (die über der von Granit liegt) keine in sich starren, leblosen Gebilde, sondern unterliegen einem stetigen Umbauprozess: Älteres und beschädigtes Gewebe wird abgebaut und durch neu gebildetes ersetzt. Gesteuert werden diese Vorgänge durch ein ausgeklügeltes Zusammenspiel von Hormonen, Mineralien und Vitaminen. Das wichtigste Mineral ist Kalzium, denn es wird in den Knochen eingebaut. Bei den Vitaminen kommt vor allem D eine wichtige Funktion zu. Etwa ab dem 50. Lebensjahr baut sich mehr Knochen ab als auf. Grund zur Sorge besteht allerdings erst, wenn dieses Missverhältnis ein gewisses Maß übersteigt. Dann werden die Knochen immer poröser, so dass sie schließlich bei immer geringeren Anlässen brechen können.

Im Volksmund wird Osteoporose auch als Knochenschwund bezeichnet. Doch was genau passiert bei diesem Prozess? Oft wird er vor allem mit dem Verlust an Knochendichte in Verbindung gebracht. Tatsächlich verhält es sich komplizierter, sagt Hadji. Die Knochendichte beschreibt das Verhältnis der mineralisierten Knochensubstanz zum Volumen des Knochens. Ist sie hoch, so bedeutet das Festigkeit und Stabilität, wird sie niedriger, so geht das auf Kosten dieser beiden Eigenschaften. 

Doch neben der Dichte wirken sich auch Veränderungen in der inneren „Architektur“ der Knochen massiv auf deren Qualität aus, sagt der Frankfurter Osteologe. „Man kann sich das vorstellen wie bei einem Fachwerkhaus. Das kann auch nur jahrhundertelang stehen bleiben, weil die hölzerne Konstruktion es trägt. Brechen Teile, so verliert das gesamte Bauwerk an Stabilität.“ 

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