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Nahrungsergänzung Zu viel Kalzium kann ein Risiko sein

Kalzium schützt die Knochen und ist gut für die Nerven. Lange galt deshalb: Besser zu viel als zu wenig. Der Mineralstoff wurde durch Nahrungsergänzungsmittel bedenkenlos konsumiert. Doch neue Studien zeigen, durch zu viel Kalzium steigt das Herzinfarkt-Risiko.

26.12.2013 11:10
Studien haben gezeigt, dass der Verzehr nahrungsergänzender Kalziumpräparate Risiken bergen kann. Foto: dpa

Kalzium ist ein Mineralstoff, den der Körper in sehr großen Mengen braucht. Er hält damit Knochen und Nerven gesund und die Muskulatur in Gang. Einseitige Ernährungsweisen, aber auch Mangelernährung im Alter oder Krankheiten sind Gründe dafür, dass eine ausreichende Kalziumzufuhr manchmal auf der Strecke bleibt. Ein breites Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln steht Verbrauchern dann zur Verfügung.

„Es ist in der Tat nachgewiesen, dass die Knochengesundheit durch die Zufuhr von Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel steigt und die Rate an Knochenbrüchen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen sinkt“, sagt Prof. Armin Zittermann, Mitglied der Arbeitsgruppe Kalzium bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Wer jedoch leichtfertig zu den Mitteln greift, läuft möglicherweise Gefahr, sein Risiko für Gefäßverschlüsse und Herzinfarkt zu erhöhen. „Mehrere hochqualitative Studien aus den letzten Jahre liefern Hinweise darauf, dass diese Nebenwirkungen auftreten können“, stellt Zittermann klar.

Deutlich mehr Todesfälle

Die zusätzliche Aufnahme von Kalzium in Form von Nahrungsergänzungspräparaten sei vor allem dann problematisch, wenn bereits hohe Kalziumdosen mit der täglichen Nahrung zugeführt werden. Zittermann beruft sich auf eine Studie aus Schweden, deren Ergebnisse Anfang 2013 in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht worden sind. In der Studie war die Zahl der Todesfälle bei Frauen, die täglich mehr als 1400 Milligramm (mg) Kalzium über ihre Nahrung und Ergänzungspräparate zu sich genommen hatten, deutlich erhöht.

Die größte Menge Kalzium werde im Knochen eingelagert und trage zur Knochenstabilität und -bruchsicherheit bei. Kleinere Mengen werden für die Blutgerinnung benötigt oder können zur Signalübertragung aus dem Blut in die Zellen abgegeben werden. So beeinflusst es auch Herzmuskulatur und Herzfunktion.

Täglich 1000 mg Kalzium

Zusätzliches Kalzium sollte man nur dann einnehmen, wenn eine ausreichende Aufnahme über die Nahrung nicht gewährleistet werden kann, erklärt der Forscher. Die von der DGE empfohlene tägliche Zufuhr von Kalzium liegt für Erwachsene bei 1000 mg. Die Summe aus Nahrungsergänzung und Ernährung sollte laut dem Dachverband Osteologie (DVO) 1500 mg täglich in der Regel nicht überschreiten.

Häufig werde die empfohlene Tageszufuhr an Kalzium aber nicht erreicht, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Petra Ambrosius, die dem internen wissenschaftlichen Ausschuss der Gesellschaft zur Information über Vitalstoffe und Ernährung (Give) angehört. Wer die Ernährung nicht verbessern kann, müsse daher über eine Ergänzung nachdenken. Auch auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung komme es an. „Vitamin D benötigt der Körper, um Kalzium aufnehmen zu können“, erklärt Ambrosius. Handelsübliche Präparate enthielten daher meist Kombinationen aus Kalzium und Vitamin D. Letztlich sicher überprüfen lasse sich die individuelle Kalzium- und Vitaminzufuhr aber nur durch eine Nährwertfeinanalyse durch einen Ernährungsberater.

Umdenken auch bei Osteoporose

Ein Umdenken bei der Einnahme von Kalzium-Supplementen aufgrund der neuen Studienergebnisse sei letztlich auch bei der Knochenkrankheit Osteoporose angebracht, resümiert Prof. Johannes Pfeilschifter von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Früher hat man gesagt, wer einer Osteoporose vorbeugen will, sollte viel Milch trinken, viel Käse essen und selbstverständlich auch Kalziumtabletten einnehmen“, erklärt er. „Nach diesem Motto „Viel hilft viel“ würde man heute nicht mehr verfahren.“ Jemand, der mit der Nahrungszufuhr verlässlich auf seine täglichen 1000 mg Kalzium komme, brauche keine Nahrungsergänzung. Ein Nutzen, es trotzdem zu machen, ergebe sich aus den bisherigen Studien nicht. (dpa)

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