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Medizin Strahlentherapien auf dem Prüfstand

Mediziner vergleichen in einer europaweit ersten Studie die Verträglichkeit von Photonen und Protonen bei der Behandlung von Hirntumoren.

Protonentherapieanlage
Protonentherapieanlagen sind extrem teuer, es gibt sie in nur wenigen Kliniken in Deutschland. Foto: WPE

Die Diagnose Krebs ist für Patienten immer ein Schock – und für Mediziner eine Herausforderung; auch heute noch oder vielleicht sogar noch mehr als vor Jahrzehnten. Denn die Möglichkeiten der Behandlung sind gewachsen, gleichzeitig weiß man mittlerweile, dass es die eine, für alle Patienten passende Therapie nicht gibt. In ganz besonderem Maße gilt das für Hirntumoren. Allein die Vorstellung, dass in jenem Organ, das unser Denken, Fühlen, Handeln, ja unser ganzes Wesen ausmacht, eine bösartige Geschwulst sitzt, erfüllt nicht nur Laien mit Schrecken, sondern ringt auch Ärzten größten Respekt ab. Tatsächlich sind Hirntumore – in der Fachwelt werden einige davon als Gliome bezeichnet – oft schwer zu behandeln. Je nach Lokalisation können beim Entfernen dieser Tumore auch äußerst empfindliche, für wichtige Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale zuständige Regionen geschädigt werden. In einem solchen Fall kann sich die Behandlung zum Beispiel auf geistige Leistungen, Konzentrationsfähigkeit, Sprache oder Temperament auswirken. Auch das Gliom selbst kann bereits zu entsprechenden Veränderungen führen.

Deshalb bedeutet die Therapie für Mediziner stets eine Gratwanderung: Sie müssen beim Operieren und Bestrahlen des Tumors genug bösartiges Gewebe erwischen, um das Risiko eines Weiterwucherns beziehungsweise einer Wiederkehr – eines sogenannten Rezidivs – gering zu halten. Auf der anderen Seite müssen sie auch aber so sensibel vorgehen, dass das gesunde Umfeld so wenig wie möglich Schaden nimmt und die damit verbundenen Funktionen nicht beeinträchtigt werden.

„Das ist im Gehirn besonders schwierig, weil es eine andere Komplexität hat als zum Beispiel eine Niere“, sagt Martin Glas, Leiter der Abteilung Klinische Neuroonkologie (Klinik für Neurologie) und Leiter des Neuroonkologischen Zentrums am Westdeutschen Tumorzentrum des Universitätsklinikums Essen. Auch das Gefäßsystem ist dort besonders empfindlich. „Außerdem gestaltet es sich oft nicht leicht, die Grenzen des Hirntumors zu erkennen, weil sich das bösartige Gewebe nicht immer eindeutig vom gesunden unterscheiden lässt“, erläutert Martin Stuschke, Direktor der Strahlenklinik am Universitätsklinikum Essen. Diese Tumoren ließen sich von Hirnchirurgen „in der Regel nicht mit einem ausreichenden Saum gesunden Gewebes wegoperieren“, einzelne Tumorzellen blieben im gesunden Gewebe zurück. Deshalb brauche man bei allen bösartigen Tumoren im Gehirn auch eine Nachbehandlung.

Das Standardvorgehen bei Gliomen besteht in einer neurochirurgischen Operation (sofern sie möglich ist), an die eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie anschließt. Dafür stehen heute zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Strahlen zur Verfügung: Photonen und Protonen. Beide wirken, indem sie mit der von ihnen übertragenen Energie die Erbinformationen in den Krebszellen schädigen und diese so zum Absterben bringen sollen. Sie setzen dabei auf eine typische Eigenschaft entarteter, sich teilender Zellen, empfindlicher auf Strahlen zu reagieren als gesundes Gewebe.

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