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Medizin Die akademische Sackgasse der Krebsforschung

Es gibt viele gute Ideen zur Bekämpfung von Krebs – aber nur wenige werden Realität. Die neuen Erkenntnisse der Forschung kommen nicht beim Patienten an.

Krebs
Es ist ein langer Weg, bis neue erfolgversprechende Therapieansätze die Heilungschancen der Menschen verbessern. Foto: rtr

Das Problem: Neue Erkenntnisse kommen nie bei Patienten an
Nahezu jede Woche vermelden wissenschaftliche Informationsdienste neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs, dazu, wie Tumore wachsen, mit welchen raffinierten Mechanismen entartete Zellen das Immunsystem täuschen oder wie sie es schaffen, Gefäßwände zu durchdringen und sich im Körper auszubreiten. Oft denkt man beim Lesen dann: „Wow, das klingt ja bahnbrechend, ein Schlüsselvorgang, der da aufgedeckt wurde, das müsste sich doch als Grundlage für neue Therapien nutzen lassen.“ Doch dann hört man nie wieder etwas von diesen Forschungsergebnissen. Keine neue Behandlung, die darauf basieren würde, nicht einmal eine Studie, um die Chancen für die Entwicklung neuer Methoden auf dieser Basis überhaupt erst einmal auszuloten. 

Das ist kein subjektiver Eindruck, sondern ein in der Fachwelt gefürchtetes Phänomen, das Wissenschaftler etwas dramatisch als „valley of death“ – Tal des Todes – bezeichnen. „Es ist ein Problem, dass viele wichtige Ergebnisse aus der Grundlagenforschung verlorengehen, nicht weiterverfolgt werden und deshalb nie beim Patienten ankommen“, sagt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg und Professor für Radioonkologie an der Technischen Universität Dresden. Das hat natürlich viel mit Geld zu tun – damit etwa, dass Universitäten und Forschungsinstitute nicht über ausreichende Mittel verfügen, um neue Erkenntnisse konsequent weiter zu untersuchen und auf ihre Praxistauglichkeit hin zu prüfen. Oder damit, dass Pharmaunternehmen naturgemäß bevorzugt in solche Ideen investieren, deren Entwicklung bis zum fertigen Produkt nicht allzu viele Jahre in Anspruch nimmt und von denen sie sich ordentlich Profit erhoffen, bei möglichst geringem Risiko eines Scheiterns. 

Und doch ist es nicht nur eine Frage der Finanzen, wenn hoffnungsvolle Ansätze versanden – oft liege es schlicht an der Kommunikation, sagt Baumann. Auf dem Weg von der Grundlagenforschung bis zur Aufnahme ins Gesundheitswesen gebe es zwei große „Gaps“, zwei Lücken. Eine tue sich an der Stelle zwischen präklinischer und klinischer Forschung auf, aber auch am Übergang von der klinischen Forschung mit ihren Studien an Patienten bis zur letztlichen Zulassung eines Medikaments bleibe noch einmal viel auf der Strecke. 

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