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Kopfschmerzen Hoffnung für Migräne-Patienten

Ein neues Mittel auf Antikörper-Basis soll Menschen mit chronischer Migräne Erleichterung verschaffen. Weitere Medikamente stehen vor der Zulassung.

Aenior
Schmerzen können einen Menschen zermürben. Foto: Getty

Kaum ein Tag ohne diesen heftigen, pulsierenden Schmerz im Kopf, oft gepaart mit Übelkeit und einem insgesamt schlechten Befinden: Chronische Migräne kann einen Menschen zermürben, fertig machen, führt nicht selten zu Berufsunfähigkeit und Depressionen. Episodisch auftretende Migräne ist schon schlimm und belastend, die chronische Form jedoch die Steigerung. Für beide Patientengruppen stehen nun neue Medikamente vor der Zulassung, die auch jenen Leidgeplagten Hoffnung machen sollen, die als „austherapiert“ galten – bei denen also alle bisher verfügbaren Behandlungen bereits ohne nennenswerten oder dauerhaften Erfolg ausprobiert wurden.

Beide Arzneien setzen als Wirkstoff auf einen Antikörper, der das Neuropeptid CGRP (Calcitonin gene-related peptide) blockieren soll. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Schmerzverarbeitung im Hirnstamm und bei der Erweiterung arterieller Blutgefäße im Gehirn. Während einer Migräneattacke wird CGRP vermehrt freigesetzt.

Die „Migräneimpfung“ – wie sie von manchen vereinfachend, aber griffig bezeichnet wird – ist in dieser Woche auch ein Thema beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, der gerade in Frankfurt stattfindet. Doch sie ist nicht die einzige Innovation, auch bei der Behandlung von Schmerzen anderer Ursachen tut sich einiges.

Ein neues Medikament auf Antikörper-Basis könnte vor allem Menschen mit chronischer Migräne „Erleichterung“ bringen, sagt Oliver Emrich, Leiter des Regionalen Schmerzzentrums in Ludwigshafen und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin. Allerdings sollte man die Erwartungen nicht allzu hoch schrauben, denn man muss wissen: Ein Leben ganz ohne Migräne oder eine extreme Reduzierung der Attacken bescheren auch die neuen Mittel nicht.

Die Substanz, die Patienten mit chronischer Migräne helfen soll, heißt Fremanezumab. Von chronischer Migräne spricht man, wenn jemand an mindestens 15 Tagen im Monat an den typischen Symptomen leidet. Bei der – weit häufigeren – episodischen Migräne treten die Attacken seltener auf, die Intervalle dazwischen sind weitaus länger. Getestet wurde Fremanezumab bei mehr als 1000 Patienten mit chronischer Migräne. Im Schnitt litten sie an knapp 16 Tagen im Monat unter Migräne. Durch den Antikörper sollen sich die Zahl auf durchschnittlich fünf Tage im Monat reduziert haben. Fremanezumab muss per Injektion verabreicht werden, das kann entweder vierteljährlich oder monatlich geschehen.

Der Antikörper, der bei episodischer Migräne als Mittel zur Prophylaxe getestet wurde, heißt Erenumab. Die Studienteilnehmer hatten hier im Mittel an acht Tagen im Monat Migräne. Sie ließen sich im Schnitt nahezu halbieren. Beide Antikörper werden nach aktueller Studienlage als gut verträglich beschrieben.

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