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Grillen und Kochen Was bei Verbrennungen zu tun ist

Am Grill oder mit kochendem Wasser passieren schnell Unfälle. Verbrennungen und Verbrühungen tun höllisch weh und können gefährlich sein. Welche Maßnahmen helfen und warum Ärzte das Kühlen nicht mehr empfehlen.

15.07.2013 15:22
Brandbeschleuniger auf der Grillkohle kann zu bösen Verbrennungen der Haut führen. Foto: dpa-tmn

Typische Verbrühungsunfälle ereignen sich in der Küche. „Hier sind Kinder besonders gefährdet, zum Beispiel wenn sie einen Topf samt heißem Inhalt vom Herd ziehen oder mit dem Kabel des Wasserkochers spielen und diesen umstürzen“, erläutert Stefan Markus vom Malteser Hilfsdienst in Köln. Solche Gefahren lassen sich verringern, indem man Herdschutzgitter einsetzt, die hinteren Platten verwendet und Kabel außer Reichweite bringt.

Verbrühungen dehnen sich schneller aus

Das gilt auch für Tassen mit heißen Getränken. „Eine einzige Tasse kann bis zu 30 Prozent der Körperoberfläche verbrühen“, erläutert Adelheid Gottwald von Paulinchen, einer Initiative für brandverletzte Kinder.

Falsch eingestellte Armaturen sind für Menschen jeden Alters gefährlich: Wer nicht schnell genug ausweicht, verbrüht sich schlimmstenfalls am ganzen Körper. Eine andere Temperatureinstellung oder ein eingebauter Widerstand können das verhindern. Das Tückische an Verbrühungen: Die heiße Flüssigkeit fließt sehr schnell den Körper hinunter. Damit dehnen sich Verbrühungen schneller aus als Verbrennungen.

Diese sind begrenzt auf die Körperteile, die direkt mit der Hitzequelle in Berührung kommen. Der Klassiker sind Verbrennungen bei der Grillparty. „Dabei ist die häufigste Unfallursache der unsachgemäße Umgang mit Brandbeschleunigern“, sagt Markus. Ähnlich verheerend wirken zum Beispiel Missgeschicke im Haushalt wie der Kontakt mit dem heißen Bügeleisen.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Verbrennung wichtig sind, warum die Empfehlung zu kühlen nicht mehr gilt und wann man mit der Verletzung zum Arzt sollte:

Weg aus der Gefahrenzone

Verbrennungen und Verbrühungen schädigen die Haut gleichermaßen. Die Schwere der Verletzung hängt ab von der Tiefe und der Größe der betroffenen Fläche. Je mehr Hitze einwirkt, desto tiefer wird die Gewebezerstörung. Deshalb ist die erste Devise bei einem Unfall: weg aus der Gefahrenzone.

Brennende und glimmende Kleidung mit Wasser löschen

„Solange verbrannte Kleidung noch nicht fest mit der Haut verbunden ist, sollte sie vorsichtig entfernt, jedoch keinesfalls in Panik abgerissen werden“, rät Bundesfeuerwehrarzt Hans-Richard Paschen. Hat ein Mensch Feuer gefangen, erstickt man die Flammen am besten mit einer Wolldecke, die keine synthetischen Fasern enthält. Auf keinen Fall die brennende Person auf dem Boden wälzen. Dabei wird die Kleidung auf die Haut gedrückt und kann festbrennen. „Bei einer Verbrühung muss umgehend die durchtränkte Kleidung entfernt werden“, ergänzt Gottwald.

Nur kleine Verletzungen kühlen

In punkto Erste Hilfe galt lange Zeit die Empfehlung: „kühlen, kühlen, kühlen“. Der Grund dafür war die Annahme, dass sich damit die Tiefenwirkung der Hitze verhindern lässt. Heute weiß man, dass das nicht der Fall ist. Bei kleinflächigen Verbrennungen oder Verbrühungen ersten Grades, etwa am Finger, kann der erste Schmerz gelindert werden, indem die betroffene Stelle einige Minuten unter fließendem, handwarmen Wasser gekühlt wird.

Arzt nach Brandsalbe fragen

Ergänzend kann ein Gel oder eine Salbe eingesetzt werden. Die Präparate sind allerdings nicht unumstritten. „Ein Weg ist, prophylaktisch beim Arzt zu erfragen, ob und welche Salbe er empfiehlt, und diese dann in die Hausapotheke zu legen“, rät Markus. Schädigungen ersten Grades sind mit solchen Sofortmaßnahmen meist gut versorgt.

Große Hautschäden nicht unter kaltes Wasser

Bei großflächigen Hautschäden birgt kaltes Wasser die Gefahr, dass der Körper durch eine Unterkühlung zusätzlich geschädigt wird. Das kann Infektionen nach sich ziehen. Deshalb empfehlen Notfallmediziner, großflächige Verbrennungen ruhig zu halten, bei Bedarf mit einem sterilen Tuch abzudecken und dann vom Arzt behandeln zu lassen.

Wann muss man zum Arzt

Ein Arzt sollte größere Schädigungen zweiten Grades auf jeden Fall untersuchen. Bei Erwachsenen ist die Verletzung lebensbedrohlich, wenn zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, bei Kindern bei fünf Prozent. Darüber hinaus sollte ein Arzt hinzu gezogen werden, wenn Gesicht, Genitalbereich oder Gelenke betroffen sind oder wenn der Verdacht auf eine Infektion besteht - also bei Rötungen rund um die verbrannte Stelle oder bei Eiterbildung. Verbrennungen und Verbrühungen dritten Grades müssen immer ärztlich behandelt werden.

Diese Hausmittel taugen nichts

Früher häufig genannte Hausmittel wie Zahnpasta oder Mehlteig sind nicht sinnvoll. Darauf sollte man unbedingt verzichten, warnen Mediziner nachdrücklich. Denn sie erschweren oft die anschließende ärztliche Behandlung und die Wundheilung.

(dpa, ef)

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