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DrEd Rezepte aus London

Pioniere der Telemedizin setzen auf den deutschen Markt. Doch noch müssen Patienten die Leistungen selbst zahlen.

Ein junger Mann niest in ein Taschentuch 10 06 17 Schleswig Holstein Germany Copyright xAgentur54G
Bei Schnupen ein Rezept bekommen, ohne jemals den Arzt gesehen zu haben? In einigen Onlinepraxen gibt es das schon Foto: imago

Es gibt bereits Onlinepraxen. Patienten können per Klick einen Arzt für eine Erstdiagnose zurate ziehen, der darf dann Rezepte ausstellen, ohne den Patienten je gesehen zu haben – auch nicht zwingend per Videochat. Ein ausgefüllter Fragebogen zum Gesundheitszustand reicht aus. Der digitale Anamnesebogen wird von einem Arzt geprüft, der anschließend, wenn notwendig, ein Medikament verschreibt. Das Behandlungsspektrum ist jedoch eingegrenzt, das Modell funktioniert nur dort, wo keine physische Untersuchung erforderlich ist: Es geht um Beschwerden wie Bluthochdruck, Heuschnupfen, Blasenentzündungen oder Rezepte zur hormonellen Verhütung.

Die Onlinepraxis „DrEd“ oder auch das erst kürzlich gegründete Portal „Fernarzt.com“ nutzen dafür den Umweg über Großbritannien, wo Telemedizin zum einen rechtlich erlaubt und zum anderen bereits sehr viel verbreiteter ist. Mit dem Firmensitz dort und in London ansässigen Ärzten umgehen sie das Fernbehandlungsverbot in Deutschland, welches diese Woche auch auf dem Bundesärztetag zur Debatte steht. Das funktioniert: Eigenen Angaben zufolge ist „DrEd“ allein 2017 europaweit um 40 Prozent gewachsen, das Geschäft laufe gut.

Eine weitere Öffnung der digitalen Kommunikation zwischen Arzt und Patient könnte den Markt in Deutschland nun gehörig aufwirbeln – doch es gibt auf dem Weg dahin noch einige Hindernisse.

„Wir würden es begrüßen, wenn deutsche Patienten nicht mehr den Umweg über britische Ärzte gehen müssten“, sagt Eckhardt Weber, Gründer und Geschäftsführer von Heartbeat Labs, der Berliner Beteiligung an „Fernarzt.com“. Ob das Portal sein Geschäftsmodell aber sofort ausweiten und in Deutschland ansässige Ärzte vermitteln kann, hänge in erster Linie davon ab, ob die Ärztekammern der einzelnen Bundesländer der Bundesärztekammer folgen werden, sollte diese beschließen das Fernbehandlungsverbot zu lockern.

Hinzu kommt, dass die Tatsache, dass deutsche Ärzte Rezepte nicht elektronisch an Apotheken übermitteln können, von der aktuellen Debatte über die Musterberufsordnung noch gar nicht berührt ist. „Online-Rezepte sind aber eine wesentliche Voraussetzung für das Geschäftsmodell von Fernarzt“, so Weber.

Eine weitere Hürde: Patienten haben die ärztlichen Leistungen selbst zu zahlen, die Krankenkassen übernehmen Fernbehandlungen nicht. „Sollten Fernbehandlungen aus Deutschland zugelassen werden, wäre eine adäquate Erstattung telemedizinischer Leistungen durch die Krankenkassen der nächste logische Schritt“, sagt David Meinertz, Gründer und Vorstandschef von „DrEd“.

Inwieweit solche Angebote trotzdem von Patienten angenommen werden, bleibt daher abzuwarten. Die Lockerung würde letztlich nicht nur ausschließliche Onlineangebote betreffen, auch vor Ort ansässige Ärzte könnten Onlinesprechstunden für Neupatienten anbieten. „In einem Stadtstaat wie Berlin mit kurzen Wegen zur ärztlichen Versorgung werden die Möglichkeiten der Fernbehandlung sicherlich eine andere Rolle spielen als in einem Flächenland wie Baden-Württemberg oder Niedersachsen“, so ein Sprecher der Berliner Ärztekammer. Es sei aber sehr wahrscheinlich, dass sich die Versorgungslandschaft im Falle einer Änderung der Musterberufsordnung in Deutschland verändern werde.

Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass weitere Unternehmen – unter ärztlicher Leitung – mit Fernbehandlungsangeboten auf den Markt drängen werden.

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