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Bluttest auf Down-Syndrom Kein Verbot für Down-Syndrom-Test

Nach derzeitigem Stand der Dinge dürfen sich Schwangere in Deutschland bald dem umstrittenen Bluttest auf Down-Syndrom unterziehen. Bei positivem Test treiben die meisten Frauen ab.

11.07.2012 11:25
Eine Blutprobe der Mutter genügt, um herauszufinden, ob das ungeborene Kind unter dem Down-Syndrom leidet. Foto: dpa

Ein Verbot des umstrittenen vorgeburtlichen Bluttests auf das Down-Syndrom wird es nach derzeitigem Stand in Deutschland nicht geben. Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, wird den Test nach Angaben des Sozialministeriums nicht verbieten. Dafür seien die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben, sagte ein Sprecher von Ministerin Katrin Altpeter (SPD) der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart.

Genetische Selektion

Ob es für andere Bundesländer eine Handhabe gebe, werde derzeit intensiv geprüft, sagte Thomas Spieker, Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Da der Test des Konstanzer Unternehmens LifeCodexx nach derzeitigem Informationsstand als Medizinprodukt und nicht als Arzneimittel eingestuft wird, muss er kein Zulassungsverfahren durchlaufen. Der Test sollte im Juli auf den Markt kommen, konkrete Angaben gab es zunächst nicht.

Eckhard Nagel, Medizin-Professor und Mitglied des Deutschen Ethikrats warnt vor dem Bluttest. "Hier ist die Frage erlaubt, ob das nicht eine Art von genetischer Selektion im Sinne von Eugenik ist", sagte er dem Westfalen-Blatt in Bielefeld.

Mit der Menschenwürde unvereinbar

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, hatte die Bundesländer in der vergangenen Woche dazu aufgefordert, den Test zu verbieten. Er stützte sich auf ein Rechtsgutachten, demzufolge der Test mit geltendem Recht nicht vereinbar sei - weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes. Auch Ethiker und Kirchen hatten sich gegen das neue Verfahren ausgesprochen.

Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten. Anstelle einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann, genügt bei dem neuen Test eine Blutprobe der Mutter. Nach Angaben des baden-württembergischen Sozialministeriums entscheiden sich schon jetzt neun von zehn Frauen für eine Abtreibung, wenn die Fruchtwasseruntersuchung eine Trisomie 21 ergibt. (dpa)

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