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Medizin Nobelpreis für die Entwicklung von Immuntherapien bei Krebs

Die höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der Medizin geht in diesem Jahr an den US-Amerikaner James P. Allison und den Japaner Tasuku Honjo.

Nobelpreis für Medizin
Das Nobelkomitee hat James P. Allison und Tasuku Honjo für ihre Forschung ausgezeichnet. Foto: afp

Das körpereigene Abwehrsystem zu nutzen, um bösartige Zellen zu vernichten: Das klingt so bestechend plausibel und scheint so nahe zu liegen – und blieb doch jahrzehntelang eine Theorie, die an der Umsetzung in die Praxis scheiterte. In der jüngeren Vergangenheit jedoch hat sich das dramatisch geändert. Die Immuntherapie zählt bei immer mehr Krebsarten zum festen Repertoire der Behandlungsmethoden. Und auch wenn sie kein Allheilmittel ist und bislang nicht alle hochgesteckten Erwartungen erfüllten konnte, so scheint ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Bereits heute hat sie bei einigen Tumorarten, denen vorher kaum beizukommen war, die Überlebenschancen deutlich erhöht, so zum Beispiel beim fortgeschrittenen Melanom, dem gefürchteten Schwarzen Hautkrebs.

Zwei Wissenschaftler, die mit der Entwicklung zweier Immuntherapien wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen haben, erhalten in diesem Jahr dafür den Nobelpreis für Medizin: Es sind der US-Amerikaner James P. Allison (70) von der University of Texas und der Japaner Tasuku Honjo (76) von der Universität Kyoto, wie das Karolinska-Institut gestern in Stockholm mitteilte. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 870 000 Euro (neun Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Den beiden Immunologen sei „ein Meilenstein im Kampf gegen Krebs“ gelungen, lautete die Begründung der Nobelpreisjury. Deren Entscheidung kommt nicht überraschend: James P. Allison bekam 2015 in der Frankfurter Paulskirche bereits den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis verliehen, eine ebenfalls sehr hohe wissenschaftliche Auszeichnung, die in der Vergangenheit schon mehrfach an spätere Nobelpreisträger gegangen war. Tasuku Honjo galt in Fachkreisen ebenfalls seit einigen Jahren als Favorit für einen Nobelpreis.

Allison und Honjo haben mit ihren Forschungen die Grundlage für zwei unterschiedliche, heute bereits breit in der klinischen Praxis angewandte Immuntherapien geschaffen. Bei beiden Mitteln handelt es sich um sogenannte Checkpoint-Inhibitoren oder auch Checkpoint-Hemmer. Das sind Medikamente, die darauf zielen, Mechanismen zu unterbrechen, mit denen Tumorzellen das Abwehrsystem ausbremsen und daran hindern, seiner Aufgabe nachzukommen. Denn diese besteht darin, schädliche Strukturen – und damit auch bösartige Zellen – im Körper anzugreifen und zu vernichten. Doch stattdessen lassen die Abwehrzellen die Krebszellen häufig gewähren – und das sogar, obwohl sie selbst oft in großer Zahl im Tumor anwesend sind. Der Grund dafür liegt in Signalen, die von den Krebszellen ausgesandt werden, um die Immunzellen lahmzulegen.

Dass die Körperabwehr überhaupt auf diesen perfiden Trick hereinfällt, ist in ihrem eigenen System angelegt: Immunreaktionen werden nach einiger Zeit wieder heruntergefahren, um zu verhindern, dass die Abwehr über das Ziel hinausschießt und gesundes Gewebe zerstört; eigentlich ein sinnvoller Mechanismus. Bestimmte Proteine auf der Oberfläche von Zellen dienen dabei als Kontrollpunkte für diesen Vorgang, als Checkpoints. Krebszellen sind in der Lage, diesen Signalweg für ihre Zwecke zu missbrauchen. Genau das sollen Checkpoint-Inhibitoren verhindern und die Immunzellen im und rund um den Krebsherd wieder aktivieren, damit sie den Tumor attackieren.

James P. Allison ist das gelungen, in dem er einen therapeutischen Antikörper geschaffen hat. Dessen Ziel ist ein Checkpoint mit Namen CTLA-4, ein Protein, das auf der Oberfläche vieler Immunzellen zu finden ist und das eine zu starke Reaktion des Immunsystems verhindert. Allisons Antikörper hemmt dieses Molekül und sorgt dafür, dass die T-Zellen (wichtige Zellen des Abwehrsystems) länger aktiv bleiben, sich vermehren und so den Tumor besser unter Kontrolle bringen können. In den USA und Europa ist dieser Antikörper unter dem Namen „Ipilimumab“ zugelassen. Bislang wird damit vor allem der Schwarze Hautkrebs bei Erwachsenen therapiert. Laut Allison sollen mit seinem Immuntherapeutikum 22 Prozent der Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mindestens zehn Jahre überleben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Nobelpreis

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