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Krebskonferenz in Frankfurt Krebs besser verstehen

In einer internationalen Krebskonferenz in Frankfurt beschäftigen sich Experten mit neuen Therapien, molekularer Diagnostik und der Frage, wie sich der Behandlungserfolg besser vorhersagen lässt.

Uniklinik Frankfurt
In Tumorkonferenzen diskutieren Spezialisten verschiedener Fachrichtungen, welche Therapie für einen Patienten am besten geeignet ist. Foto: Uniklinik Frankfurt

Das „eine“ Mittel zu finden, das Krebs den Garaus bereiten könnte, so wie es einst die Entdeckung der Antibiotika bei bakteriellen Infektionen versprachen – das mag noch vor Jahrzehnten der Wunschtraum vieler Wissenschaftler gewesen sein. Von der Illusion, sämtlichen Krebsarten mit einer „Magic Bullet“ – einer „Zauberkugel“ – beizukommen, musste sich die moderne Medizin längst verabschieden. In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis dieser Krankheit durch Erkenntnisse über die Vorgänge auf molekularer Ebene wesentlich geändert. Man weiß heute, dass Krebs keine einheitliche Erkrankung ist, die bei allen Patienten ähnlichen Regeln folgen würde – selbst dann nicht, wenn das gleiche Organ betroffen ist. Tatsächlich sind die Beschaffenheit von Tumoren und die daraus resultierenden Krankheitsverläufe weitaus heterogener als gedacht, was dazu führt, dass alte Einteilungen überholt und die Gruppen „immer kleiner und individueller“ werden, wie Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik II, Hämotologie und Onkologie, am Universitätsklinikum Frankfurt, sagt. 

Das erklärt, warum Patienten völlig unterschiedlich auf die gleiche Behandlung reagieren können. Was dem einen Heilung verschafft, plagt den anderen nur mit Nebenwirkungen, ohne die Krankheit einzudämmen. Das gilt für die seit Jahrzehnten praktizierte Chemotherapie ebenso wie für die neuen zielgerichteten Therapien und die Immuntherapie. Umso wichtiger wäre es, vorher erkennen zu können, welche Patienten von welcher Behandlung am meisten profitieren. Mit einer genauen Untersuchung des Tumorgewebes gelingt das heute bereits teilweise. „Die Möglichkeiten der molekularen Diagnostik sind nach unserer Ansicht jedoch längst nicht ausgeschöpft“, sagt Christian Brandts, Leiter des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT) am Frankfurter Universitätsklinikum. „Wir brauchen noch bessere Vorhersagemethoden“, erklärt Hubert Serve. Mit solchen Themen beschäftigen sich ab heute drei Tage lang internationale Experten bei der „Frankfurt Cancer Conference“, die zum zehnjährigen Bestehen des UCT auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfindet und unter dem Motto steht: „Turning molecular information into novel cancer therapies“ (Wie sich molekulare Informationen in neue Krebstherapien umsetzen lassen).

Neue Therapien, neue Möglichkeiten der Kombination, neue Diagnosemethoden: Für medizinische Laien ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten, was heute schon machbar ist und im Krankheitsfall in Frage kommen könnte. „Der herausragende Unterschied im Vergleich zu früher besteht darin, dass wir heute Therapien entwickeln, die auf Mechanismen der Krebsentstehung basieren“, sagt Hubert Serve. Vorausgegangen sei dem eine jahrzehntelange Grundlagenforschung, ergänzt Christian Brandts: „Wir schöpfen jetzt Erfolge ab, die auf Erkenntnissen der 1990er und frühen 2000er Jahre beruhen.“ Seither haben Wissenschaftler etliche Mechanismen entschlüsselt, die dazu führen, dass Zellen „sich nicht mehr an die Regeln halten“, wie es Peter Wild, Direktor des Dr. Senckenbergischen Instituts für Pathologie des Frankfurter Universitätsklinikums, formuliert. Die Hoffnung ist es, diese Vorgänge als Angriffspunkte für neue Wirkstoffe zu nutzen. Das klingt bestechend plausibel – und scheitert doch häufig. So existierten eine Menge Mechanismen, für die es „noch keine Idee“ gebe, wie sie sich therapeutisch umsetzen ließen, sagt Serve. „Wir hoffen, dass es uns gelingt, aus dieser Fülle eine begrenzte Zahl gemeinsamer Prinzipien abzuleiten, die uns den Weg zu neuen Behandlungen zeigen.“

Mehrere zielgerichtete Therapien sind gleichwohl bereits auf dieser Grundlage entstanden. Dazu zählen Antikörper, die sich gegen spezielle Strukturen auf der Oberfläche der bösartigen Zellen richten und so deren Wachstum hemmen sollen. Ein Beispiel dafür ist Trastuzumab, besser bekannt unter dem Handelsnamen Herceptin, ein synthetischer hergestellter Antikörper, der bei bestimmten Formen von Brust- und Magenkrebs eingesetzt wird. Eine andere Gruppe zielgerichteter Medikamente sind die Kinase-Inhibitoren, die sich an verschiedene, am Krebsgeschehen beteiligte Enzyme binden und deren Funktion hemmen. Zugelassen sind sie für einige Formen von Lungen-, Leber-, Nieren- und Brustkrebs sowie die chronische myeloische Leukämie. 

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