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Krebs Mit Blutverdünnern Metastasen vorbeugen

Gerinnungshemmer behindern Tumorzellen bei der Ausbreitung. Ein junger Mediziner hat einen der Mechanismen dahinter entschlüsselt.

Blut verklumpt
Blut verklumpt, um schnell Wunden schließen zu können – ein sinnvoller Vorgang, den Tumorzellen missbrauchen können. Foto: getty

Wenn Krebs gestreut hat, ist in vielen Fällen keine Heilung mehr möglich, dann kann man nur noch versuchen, die Erkrankung aufzuhalten, zu verhindern, dass sie weiter fortschreitet. Metastasen sind das, was Patienten und Ärzte bei Krebs am meisten fürchten, sie sind es, die Tumorleiden so gefährlich machen. Deshalb gilt der Erforschung der Prozesse, wie Krebszellen sich im Körper verbreiten und Tochtergeschwulste bilden, besondere Aufmerksamkeit. Gelänge es, sie Prozesse vollständig zu durchschauen und Wege zu finden, sie zu durchbrechen, so wäre das ein gewaltiger Schritt für die Therapie.

Bereits seit einigen Jahren weiß man, dass die Mechanismen der Blutgerinnung eine entscheidende Rolle spielen, wenn Krebs über die Blutbahn und das Lymphsystem zu anderen Orten im Körper gelangt: Die bösartigen Zellen nutzen die Thrombozyten – die Blutplättchen, die bei Verletzungen für schnellen Wundverschluss sorgen – als „Türöffner“, um durch die normalerweise fest verschlossenen Gefäßwände zu gelangen. Die Tumorzellen aktivieren die Thrombozyten, binden sich an sie und können mit dieser Tarnkappe unbemerkt vom Immunsystem auf den Weg zu anderen Körperstellen machen.

So klingt es denn auch logisch, dass gerinnungshemmende Medikamente, allgemein als „Blutverdünner“ bekannt, die Ausbreitung von Tumorzellen hemmen können. Wie genau das allerdings geschieht, war lange Zeit unbekannt – und ein gezielter Einsatz in der Krebstherapie daher nicht möglich. Der junge Mediziner Jan Suckau hat einen Wirkmechanismus, der dabei zum Tragen kommt, am Beispiel des Schwarzen Hautkrebses in seiner Doktorarbeit an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg entschlüsselt – es sind Erkenntnisse, die in Zukunft als Grundlage für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente dienen könnten. Für seine Dissertation zum Thema „Die Rolle des vaskulären Endothels bei der Metastasierung des malignen Melanoms“ wird der 30-Jährige heute als einer von mehreren Preisträgern mit dem Deutschen Studienpreis 2017 der Körber-Stiftung ausgezeichnet.

Die bisherige „wissenschaftliche Hilflosigkeit“ gegenüber Metastasen und die Krebserkrankung seines Vaters habe ihm den Antrieb gegeben, auf diesem Gebiet zu forschen, sagt Jan Suckau. Für Tumorpatienten, erklärt er, sei die Blutgerinnung ein Schlüsselthema – und das in mehrfacher Hinsicht: Zum Einen neigten sie stärker als gesunde Menschen dazu, Thrombosen und Embolien zu entwickeln; diese stellten bei Krebs nach der Erkrankung selbst die häufigste Todesursache dar. Dieses erhöhte Risiko wiederum hängt unmittelbar mit dem beschriebenen Einfluss der Tumorzellen auf die Blutgerinnung zusammen. „Umso schwerer wiegt der Umstand, dass aktuelle Krebstherapeutika oft selbst die Blutgerinnung und damit das Auftreten von Thrombosen und Embolien fördern“, sagt der Mediziner. Eine Tatsache, die doppelt problematisch ist, weil eine gesteigerte Gerinnung eben auch ausgerechnet das fördert, was die Behandlung eigentlich verhindern soll: das Ausbreiten der Tumorzellen im Körper.

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