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Krankheiten Krankmachende Bakterien im Flugzeug

Eine Studie belegt: In Flugzeugen tummeln sich jede Menge Bakterien, Viren und Pilze - auch krankmachende. Welche Stellen besonders belastet sind und wie man sich schützen kann.

Keime
Bei Flugreisen sind auch unerwünschte Passagiere mit an Bord. Foto: Pixabay/CMS,OSIM, FSU/K. D. Jandt/PKI/P. Hoffmann

Man muss kein Hypochonder sein, um sich im Flugzeug Gedanken zu machen über die Gefahr, sich mit etwas anzustecken. Bei den dicht neben- und hintereinander sitzenden Menschen scheint das Risiko groß, dass jemand krank ist, tatsächlich gibt es kaum eine Strecke, wo nicht geniest, gehustet wird. Schrecklich, ausgerechnet die Sitznachbarin zur Linken scheint schwer erkältet zu sein ... Wer wohl vorher den Klapptisch oder Anschnallgurt angefasst hat? Und dann erst die Toiletten ...

Eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie von Materialforschern und Medizinern der Friedrich-Schiller-Universität Jena bestätigt, dass solche Sorgen keineswegs unbegründet sein müssen. Die Wissenschaftler des Konsortiums InfectControl 2020 um Projektleiter Klaus Jandt zeigten in ihrer Übersichtsarbeit, dass neben den eingecheckten Passagieren auch jede Menge unerwünschte – unsichtbare – Reisende mit an Bord sind: Bakterien, Viren, Pilze, die auf diese Weise innerhalb weniger Stunden weite Strecken zurücklegen können.

Sie werden nicht nur direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben, sondern tummeln sich in großer Mannigfaltigkeit und Zahl auch auf den verschiedenen Oberflächen in der Kabine. Nicht alle davon seien für den Menschen gefährlich, erklärt Mathias Pletz vom Universitätsklinikum Jena und Co-Autor der Studie: „Allerdings sind einige Mikroben, die sich in Flugzeugen finden, nicht harmlos.“ Ihre Ergebnisse haben die Forscher im internationalen Fachmagazin „Travel Medicine and Infectious Disease“ veröffentlicht. „Nach unserem Wissen ist dies die erste systematische Übersichtsarbeit zu diesem Thema“, sagt Klaus Jandt vom Otto-Schott-Institut für Materialforschung der Universität Jena. 

„Einzigartiger Lebensraum für Mikroben“

Mehr als vier Milliarden Menschen wurden im vergangenen Jahr per Flugzeug von einem Ort zum anderen befördert. Theoretisch ist jeder davon eine potenzielle Quelle, um Infektionskrankheiten zu verbreiten. „Kein anderes Verkehrsmittel überbrückt in kurzer Zeit so große Distanzen zwischen Ländern und Kontinenten und verbindet Regionen mit guten Gesundheitswesen mit Gebieten, in denen Seuchen oder gefährliche Infektionskrankheiten nicht selten sind“, sagt Jandt. „Das macht Materialoberflächen in Flugzeugkabinen zu einem einzigartigen Lebensraum für Mikroben.“

Für ihre Übersichtsarbeit haben die Jenaer Forscher systematisch anhand von fast 800 vorhandenen Studien untersucht, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Keimen auf Oberflächen in Flugzeugen vorliegen. „Wir waren überrascht, wie relativ wenige zuverlässige Daten über die Anzahl von Mikroben auf Innenoberflächen verfügbar sind, obwohl es im Internet dazu zahlreiche, zum Teil auch weniger seriöse Quellen gibt“, sagt Jandt. 

„Potenziell infektiöse Hotspots“

Bei der Analyse kristallisierten sich diverse „potenziell infektiöse Hotspots“ in Flugzeugen heraus, wie der Materialforscher es formuliert – alles Dinge, die häufig von Passagieren angefasst werden und mit denen der Kontakt im Flieger nahezu unvermeidlich ist. Es handelt sich dabei um Klapptische, Sitzbezüge, Türgriffe, Toilettenspültasten, Waschbecken.

Dort finden sich eine Vielzahl unterschiedlichster Erreger: zum Beispiel Hautkeime wie Staphylococcus aureus einschließlich der wegen ihrer Antibiotikaresistenz gefürchteten Variante MRSA (diese Bakterien können, wenn sie über Schleimhäute und Wunden in den Körper gelangen, Infektionen auslösen), Darmkeime wie E.coli, darunter ein Stamm, der EHEC verursachen kann, sowie Wasserkeime (Pseusomonas aeruginosa). Letztere können Wund- und Harnwegsinfektionen sowie Krankenhaus-Lungenentzündungen hervorrufen. „Allerdings wurden solche Erkrankungen im Zusammenhang mit dem Aufenthalt im Flugzeug unseres Wissens nach bislang nicht in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben“, sagt Mathias Pletz, denn Menschen, die besonders anfällig für diese Infektionen seien – Patienten, die frisch operiert wurden, offene Wunden haben oder gar Intensivpatienten – könnten nicht im Flugzeug reisen.

Bedenklicher findet Pletz den Nachweis von Noroviren (sie sind Auslöser schwerer Durchfallerkrankungen), Influenzaviren und RS-Viren (sie können akute Atemwegsinfekte verursachen). Diese Erreger können auch gesunde Reisende befallen, erläutert er. So seien für Influenza- und Noroviren bereits mehrfach Ausbrüche in Flugzeugen beschrieben worden. Viren ließen sich in der Kabine besonders häufig in der Nähe der Sitztaschen und Sitzflächen nieder, auf textilen Materialien ebenso wie nicht-textilen. Bakterien der Art Staphylococcus aureus seien vor allem auf Armlehnen, Klapptischen, Toiletten und Türgriffen zu finden, Pilze wie der Schimmelpilz Aspergillus auf Klapptischen, Armlehnen, Textil- und Ledersitzen. Daneben besäßen aufgrund der Struktur ihrer Oberfläche auch Teppiche „ein großes Potenzial für Mikrobenbelastung“, erklärt Jandt.

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