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Impfungen Sorge vor Masern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert die „suboptimale“ Vorsorge in der EU.

Masern
Bei Masern liegen die Problemregionen vorwiegend in den Ballungsräumen. Foto: Imago

In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Es gibt allerdings seit Mitte 2015 ein Präventionsgesetz (PrävG): Danach ist eine ärztliche Impfberatung Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kita.

Die Ärzte richten sich in der Regel nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko), die in Deutschland medizinischer Standard sind. Die Stiko ist ein Gremium aus Experten, die Empfehlungen für Impfungen und Impftermine erarbeiten.

Empfohlen ist die Vorsorge gehören Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Haemophilus Influenzae Typ B, Kinderlähmung, Hepatitis B, Pneumokokken, Rotaviren, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Impfungen gehören zur sogenannten Grundimmunisierung.

Die ersten Impfungen beginnen bereits im Alter von sechs Wochen und viele erreichen ihre volle Wirkung erst, wenn alle Teil-impfungen wahrgenommen wurden. Damit nicht unnötig oft gepiekst werden muss und die Eltern nicht ständig zum Arzt gehen müssen, stehen mittlerweile Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung. Bei der zweiten Impfung im Alter von zwei Monaten wirkt ein einziger Impfstoff gegen sechs Infektionskrankheiten.

Da in Deutschland die Masernimpfung nicht immer zeitgerecht erfolgt, ist bei vielen Kindern kein Impfschutz gegeben. Deutschland ist inzwischen in Europa Schlusslicht. Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben die absolute Zahl der Kinder hochgerechnet, die zum empfohlenen Zeitpunkt nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft sind. Die erste Masernimpfung wird für den Altersbereich von elf bis 14 Monaten empfohlen, die zweite Impfung für 15 bis 23 Monate alte Kinder. Im Alter von 24 Monaten waren nach der Auswertung von Januar 2017 bundesweit 150 000 Kinder des Jahrgangs 2013 nicht vollständig und weitere 28 000 Kinder gar nicht gegen Masern geimpft.

Bei Masern liegen die Problemregionen vorwiegend in den Ballungsräumen. In Dresden, Hamburg, Köln, Leipzig und München hatten im Alter von 24 Monaten jeweils zwischen 2000 und 4100 Kinder des Jahrgangs 2013 keinen ausreichenden Masernímpfschutz, in Berlin sogar 7300. Die Krankheit bereitet aktuell der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der OECD Kopfschmerzen. Allein in diesem Jahr sind in der EU mehr als 6600 Menschen daran erkrankt. Im Mai starb in Essen eine Frau infolge der Erkrankung. Die WHO führt die Ausbreitung von Masern in der EU auf die „subotimale“ Impfquote in vielen EU-Staaten zurück.

Nur für Grüne ein Thema

Zumindest in Deutschland zeigt sich aber, dass viele Eltern ihre Kinder gegen Masern doch impfen lassen. Hatten im Jahr 2006 von den 24 Monate alten Kindern nur 59,1 Prozent die zweite Masern-Impfung erhalten, so waren es 2015 schon 73,7 Prozent.

In den Wahlprogrammen der Parteien findet sich ausschließlich bei den Grünen ein Hinweis zum Thema Impfen: „Wir wollen einen möglichst großen Infektionsschutz der Bevölkerung, auch im Interesse derjenigen, die nicht geimpft werden können. Dafür setzen wir auf freiwillige Beratung und bessere Information“, heißt es in dem Programm. Bei Union, SPD, Linke, FDP und der AfD spielt das Thema keine Rolle.

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