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Impfpflicht Die Reichen sind eher Impfkritiker

Einer Studie zufolge lehnen viele Eltern in den reicheren Gegenden Süddeutschlands den empfohlenen Impfschutz für ihren Nachwuchs ab.

Impfschutz
Wissenschaftler sind sich sicher, dass das Risiko eines Impfschadens kleiner ist als die Gefahr durch eine Krankheit. Foto: Imago

Erst Italien, dann Frankreich - welches EU-Land wird als nächstes eine Impfpflicht einführen? Die Diskussion darüber hält an und passenderweise liefert der neue medizinische Versorgungsatlas für Deutschland eine überraschende Erkenntnis: In wohlhabenden Gegenden Süddeutschlands sind besonders viele Menschen skeptisch gegenüber Impfungen.

Die Kinder in den entsprechenden Landkreisen sind sowohl gegen Masern als auch gegen Meningokokken C, die Erreger von Hirnhautentzündungen, schlechter geschützt als im Rest der Republik. Diesen Zusammenhang hat ein Team von Wissenschaftlern des „Versorgungsatlas‘“ festgestellt. Der „Versorgungsatlas“ ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung und liefert öffentlich zugängliche Informationen zur medizinischen Versorgung in der Bundesrepublik.

In ihrer aktuellen Studie fanden die Forscher heraus, dass sich durch den Süden von Bayern und Baden Württemberg eine „zusammenhängende Region“ zieht, in der die Quoten bei mehreren Impfungen besonders niedrig sind. So erhielten in den bayerischen Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim nur 36 bis 42 Prozent der Kinder die erforderlichen zwei Impfungen gegen Masern im empfohlenen Zeitraum. Auch in zwei Landkreisen von Baden-Württemberg, in Ravensburg und Freiburg, lägen die Quoten „deutlich“ unter dem Bundesdurchschnitt, heißt es in dem aktuellen Bericht.

Ähnlich verhalte es sich auch bei den Impfungen gegen Meningokokken. Zum Vergleich: Im Mittel sind in Deutschland 88,1 Prozent der Bevölkerung gegen die Masern und 78,5 Prozent gegen Meningokokken C geimpft.

Auch scheint es sich im Süden von Bayern und Baden-Württemberg so zu verhalten, dass es weniger von der jeweiligen Krankheit abhängt, ob jemand dagegen geimpft ist, sondern vielmehr von einer generellen Haltung gegenüber dem Impfen. „Je höher beziehungsweise niedriger die Impfquote einer Impfung war, desto höher/niedriger war auch die Impfquote der anderen Impfung“, erklären die Wissenschaftler.

Auffällig fanden die Forscher auch, dass Impfkritiker überproportional häufig unter jenen Menschen anzutreffen sind, denen es finanziell gut geht. „Hier zeigte sich ein Muster“, heißt es: „In Regionen mit hohem Haushaltseinkommen, geringer Arbeitslosenquote und geringer gesundheitlicher Belastung liegt die Impfquote niedriger.“ Das korrespondiere mit einer „negativen Einstellung von Eltern und Ärzten etwa in Südbayern“, wie sie bereits in anderen Untersuchungen nachgewiesen worden sei – und könnte darauf hinweisen, „dass gerade in besser gestellten sozialen Milieus die individuelle Auseinandersetzung mit der Impfung des Kindes eine hohe Bedeutung hat“.

Thematische Beschäftigung führt zu „impfkritischer Haltung“

Warum diese intensive Beschäftigung mit dem Thema Impfen dann eher zu einer „impfkritischen Haltung“ führe als dazu, die Impfempfehlungen zu befolgen, sollte „zur Verbesserung des Impfschutzes in diesen Regionen genauer analysiert werden“, fordern die Wissenschaftler. Vorerst können Sie darauf keine Antwort geben.

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