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Kolumne - Diagnose Bewusstlos trinken

Tausende Kinder und Jugendliche landen jedes Jahr mit einem Vollrausch oder gar einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Das verursacht Kosten in Millionenhöhe. Zeit, sich mit den Ursachen zu beschäftigen, meint unser Autor.

Tausende Kinder und Jugendliche landen jedes Jahr mit einem Vollrausch oder gar einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Das verursacht Kosten in Millionenhöhe. Zeit, sich mit den Ursachen zu beschäftigen, meint unser Autor.

Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes sind eine Fundgrube für nackte Zahlen. Mit Leben füllen muss man sie dann selbst. Beispiel Komasaufen: 2011 mussten 26?349 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren nach einem Alkoholexzess im Krankenhaus stationär behandelt werden. Diese akuten Vergiftungen verursachten alleine bei der Techniker-Krankenkasse Kosten von mehr als einer Million Euro. Über 60 Prozent der jungen Patienten waren männlichen Geschlechts. Die Zahlen sind zwar konstant, aber das macht das Problem nicht kleiner.

Leicht verfügbar und billig

Es gibt viele Gründe für diese Katastrophe, über die nachzudenken lohnt. Alkohol ist eine legale Droge, im Vergleich zur allgemeinen Teuerung in den vergangenen 40 Jahren immer preiswerter geworden. Die Alkoholsteuer in Deutschland liegt am unteren Ende in Europa, bringt dem Staat aber mehr als zwei Milliarden Euro ein.

Alkohol ist leicht verfügbar, an Tankstellen rund um die Uhr. Die Strafen für Gastronomen sind nicht der Rede wert, die Kontrollen der Ordnungsämter lax und selten. Alkohol ist keine geächtete Droge, sondern mitten in der Gesellschaft, immer dabei.

Der Jugendforscher Hurrelmann macht auch den gewachsenen Leistungsdruck auf Kinder und Jugendliche für dieses Problem mit verantwortlich. Jugendliche würden die „Turboentspannung“ mit der legalen Droge Alkohol suchen, denn Tempo und Leistungsdruck würden immer größer. Er sieht die Erwachsenen in der Verantwortung für die Erziehung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol.

Schlechte Vorbilder

Was für Erwachsene? Die Tausende von Schnapsleichen beim Schützenfest, beim Karneval, beim Oktoberfest? Die Brigaden von Volltrunkenen jedes Wochenende auf den Fußballplätzen der Nation? Oder den neuen Landtagspräsidenten von Niedersachsen namens Busemann (CDU), der als Justizminister die Null-Promille-Grenze für Autofahrer gefordert hatte und gerade erst betrunken am Steuer erwischt worden ist?

Oder den trinkfesten FDP-Fraktionsvorsitzenden Brüderle, der 2007 gefordert hat, dass Eltern für die Kosten der Entgiftungsbehandlung ihrer Kinder zur Kasse gebeten werden müssen? So wie auch der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn vor wenigen Tagen: Eltern sollen die Behandlungskosten ihrer saufenden Kinder tragen. Das ist ein Gesundheitspolitiker, der das Gift des Schuldprinzips in das Gesundheitswesen hineinträgt?

Wie verfahren wir dann mit den Kreuzbändern der Fußballer und Skifahrer? Mit den Rauchern? Mit den Dicken? Mit den Arbeitssüchtigen? Mit den Stöckelschuhträgerinnen? Mit uns allen sozusagen? Nächster Schritt Gesundheitspolizei!

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