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Glyphosat Moderne Seuchen

Der Streit ums Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird weiter intensiv geführt.

Glyphosat
Das umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat Foto: Patrick Pleul/dpa Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)

Was die Landwirtschaft produziert, landet auf unseren Tellern. Und was erst auf dem Teller liegt, wird auch gegessen. Das ist der Grund für den großen Streit darüber, was auf den Feldern gelandet sein darf, bevor es auf unsere Teller und von da in unsere Körper kommt.

Der Streit geht um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat der Firma Monsanto. Seine Zulassung in der EU war umstritten, zeitlich befristet und läuft in Kürze ab. Glyphosat ist nicht irgendein Pflanzengift, sondern das meistbenutzte. Mehr als 150.000 Tonnen davon werden in den USA Jahr für Jahr auf die Felder gesprüht, in Deutschland immerhin auch 5000 Tonnen, also etwa 60 Gramm pro Kopf und Jahr.

Was gesundes Essen ist und was nicht, kann jede und jeder für sich selbst entscheiden. Aber was giftig, schädlich und krankmachend ist, das sollte die Wissenschaft doch zweifelsfrei nachweisen und die Politik verbieten. Aber weit gefehlt! Die wichtigsten internationalen Organisationen produzieren ein riesiges Durcheinander. Wem soll man glauben, wem kann man überhaupt noch glauben?

Die WHO (World Health Organization), die Weltgesundheitsorganisation, ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, mit Sitz in Genf. Sie sagt, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat möglicherweise Krebs auslöst.

Für die ECHA, die European Chemicals Agency, eine Unterorganisation der Europäischen Union, mit Sitz in Helsinki, ist Glyphosat hingegen frei von jedem Verdacht, Krebs erregen zu können.

Die IARC, die International Agency for Research on Cancer, ist eine Unterorganisation der WHO, mit Sitz in Lyon, und klassifiziert Glyphosat in die gesundheitsgefährdende Gruppe 2A als „wahrscheinlich krebserregend“.

Die EFSA European Food Safety Authority (EFSA), eine Agentur der Europäischen Union, mit Sitz in Parma, meldet sich mit einer ganz neuen Idee: Sie erfindet eine willkürliche Referenzdosis vom 0,5 mg Glyphosat pro kg Körpergewicht, unterhalb der Glyphosat angeblich weder gentoxisch noch krebserregend sei.

Von der EPA, der US-amerikanischen Environment Protection Agency, erfährt man, Glyphosat könne weder mit Krebs noch mit Diabetes noch mit Hormonstörungen oder Unfruchtbarkeit in Verbindung gebracht werden. Die „New York Times“ berichtet allerdings Anfang der Woche, wie Monsanto die EPA und das Gesundheitsministerium in den USA beeinflusst hat. 27 der 32 Studien über die Gesundheitsgefährdung durch Glyphosat sind von Monsanto und vergleichbaren Firmen selbst durchgeführt oder zumindest bezahlt worden. Dass die Hersteller Forscher bezahlen, gehört schon lange zu den Tricks und Machenschaften nicht nur der Pharmaindustrie. Die kritischen Forscher der IARC wurden von Monsanto attackiert, angefeindet und diffamiert. Der Chef von Monsanto, Hugh Grant, bezeichnete deren Forschungen verächtlich als „junk science“, als Ramschwissenschaft.

Langsam wird klar, wem man trauen kann. So viel Aufregung um ein Pflanzengift? Es ist eben nicht irgendein Mittel, sondern das meistbenutzte. Da lohnt es sich, Forscher zu bezahlen, Wissenschaft zu manipulieren und Politiker, sogar Richter zu beeinflussen.

Und so wird die EU-Kommission die Glyphosat-Zulassung auch diesmal wieder verlängern. Kinderlähmung, Pest und Pocken sind besiegt. Heute sind wir Ärztinnen und Ärzte mit Luftverschmutzung, Fluglärm und Gift im Essen konfrontiert. Das sind die modernen Seuchen.

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