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Dr. Hontschiks Diagnose Runter vom hohen Ross

Wer so viel Schaden verursacht hat wie die Schulmedizin, hat das Recht verwirkt, auf die erfolgreiche Beziehungsarbeit mit dem klugen Placeboeinsatz der homöopathischen Konkurrenz herabzublicken.

Globuli
Homöopathie wird oft belächelt - zurecht? Foto: imago

Jüngst trafen sich in Leipzig 1200 Ärztinnen und Ärzte aus aller Welt zum homöopathischen Weltkongress. Sachsen ist für bekennende Homöopathen das wichtigste historische Zentrum. In Meißen wurde 1755 Samuel Hahnemann geboren, der Begründer der Homöopathie. In Leipzig studierte er Medizin und betrieb dort und später im nahen Köthen seine Praxis. Über hundert Kongressteilnehmer waren auch aus Indien gekommen. Beeindruckend, wie sie Hahnemann verehrten. Sie fuhren nach Meißen und Köthen, sie knieten weinend vor Glück an Hahnemanns Geburtshaus und an seinen Wirkungsstätten nieder. Strahlend verkündeten sie, Hahnemann sei ihr Gott.

Solche Verehrung ist in Deutschland zwar eher unüblich, aber von den knapp 380 000 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten zählen sich immerhin 40 000 zu den Homöopathen, also etwas mehr als zehn Prozent. Und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, dann sind es weit mehr als zehn Prozent, die sich homöopathisch behandeln lassen. Sie berichten mir immer wieder von umwerfenden Heilerfolgen, weisen Kritik zurück. Sogar Pferde, Hunde und Katzen würden homöopathisch mit Erfolg behandelt, und bei Kindern wirke es wahre Wunder. Dem Argument, in den Globuli sei doch nur Wasser, begegnen sie mit dem Hinweis, dann könne es wohl auch nicht schaden.

Die Homöopathie hat aber nicht die Spur eines Wirksamkeitsnachweises vorzuweisen. Naturwissenschaftlich betrachtet ist sie ein fauler Zauber, eine leere Versprechung. Dementsprechend scharf sind die Angriffe aus dem Lager der Schulmedizin. Ich gehöre auch zu denen, die rein gar nichts von der Homöopathie halten. Ich halte ihre vermeintliche Wirksamkeit entweder für Erfolge einer tiefgehenden Placebowirkung der „Droge Arzt“ oder für ein rein zufälliges Zusammentreffen von Kügelchen und Selbstheilung. Aber die glaubwürdigen Berichte von Behandlungserfolgen, vor allem aber meine jahrzehntelange ärztliche Erfahrung, dass es noch etwas anderes zwischen Himmel und Erde gibt als nur naturwissenschaftliche Evidenz, lassen mich doch innehalten.

Denn ich muss feststellen, dass die ausführliche Anamnese, das Gespräch, die Beziehung in allen Patientenberichten über die Homöopathie besonders hervorgehoben wird. Da fällt mir der berühmte Kardiologe Bernard Lown ein, der in seinen Vorlesungen immer wieder darauf hinwies, dass man mehr als 90 Prozent aller Diagnosen durch eine gute Anamnese, durch geduldiges Zuhören und bloß mit einem Stethoskop stellen kann, ohne Herzkatheter oder Magnetresonanztomogramm. Eine solche Medizin ist der Gesundheitswirtschaft ein Dorn im Auge. Für eine solche Medizin ist weder in der überfüllten Kassenpraxis noch im gehetzten Krankhausalltag Platz.

Und wenn die Leere, die Inhaltslosigkeit der homöopathischen Globuli so scharf kritisiert wird, dann fallen mir aber die 30 Milliarden Dollar Strafzahlungen ein, zu denen die Pharmaindustrie alleine in den USA in den letzten 20 Jahren wegen kriminellen Marketings verurteilt wurde. Dann fällt mir ein, dass medizinische Fehler in der westlichen Welt als dritthäufigste Todesursache gelten. Es fällt mir ein, dass es zu Hunderten, zu Tausenden, zu Hunderttausenden von Todesfällen durch Medikamente gekommen ist. Und dann fällt mir noch ein, dass Krankenhausinfektionen für knapp 100 000 Todesfälle in Europa verantwortlich sind ...

Und deswegen sage ich: Wer so viel Schaden an Leib und Leben von so vielen Menschen verursacht hat wie die Schulmedizin, der hat das Recht verwirkt, sich auf das hohe Ross zu setzen und auf die erfolgreiche Beziehungsarbeit mit dem klugen Placeboeinsatz der homöopathischen Konkurrenz herabzublicken.

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