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Dr. Hontschiks Diagnose Immenser Schaden für die Gesundheit

Bombengeschäft für den einen, willkommene Kostendämpfung für die anderen.

Drogen
Auch in Deutschland sind viele Schmerzmittel ohne Rezept erhältlich. Foto: Bernd Hontschik

Vor kurzem waren Freunde in New York. Beim Besuch des Fitnessstudios im Hotel fanden sie in der Umkleide kleine Tütchen, die dort überall herumlagen. Jeder konnte sich nehmen, so viele er wollte, einfach so. Drei Tütchen hatten sie mitgebracht. Es sind kleine bunte viereckige Tütchen, die aussehen wie der Zucker zum Espresso. Aus der Nähe betrachtet ist aber alles ganz anders. Auf dem ersten Tütchen steht „Aleve“, dazu kleingedruckt „BAYER naproxen sodium tablets, 220 mg, pain reliever/fever reducer“. Auf dem nächsten Tütchen steht „BAYER, genuine aspirin, 325 mg“, danach auch „pain reliever/fever reducer“. Und auch das Tütchen Nummer drei hat es in sich: „Johnson & Johnson, TYLENOL, 2 caplets, 500 mg each“ und dann, man ahnt es schon, „pain reliever/fever reducer“.

Ich traue meinen Augen nicht. Alle drei Stoffe sind häufig gebrauchte Schmerzmittel, sogenannte „pain killer“. Sie sind alles andere als ungefährlich. Naproxen kann Magengeschwüre und Blutungen auslösen, Schlaganfälle, Asthmaanfälle und Durchfälle. Aspirin hat außerdem noch eine gerinnungshemmende Wirkung und kann bei Kindern eine akute Gehirnschädigung und eine Fettleber auslösen. Tylenol heißt hierzulande Paracetamol und ist ebenfalls schädlich für die Leber, kann bei Überdosierung zu tödlichem Nierenversagen führen. Nimmt man noch Diclofenac und Ibuprofen hinzu, so hat man die fünf häufigsten Schmerzmittel beisammen.

Alle diese Arzneimittel sind inzwischen auch in Deutschland ohne Rezept erhältlich. Es ist allerdings mit keiner Logik nachvollziehbar, warum 12,5 mg-Tabletten Diclofenac rezeptfrei erhältlich sind, 50 mg-Tabletten hingegen nicht; warum 400 mg-Tabletten Ibuprofen rezeptfrei erhältlich sind, 600 mg-Tabletten hingegen nicht. Niedrige Dosis und kleine Packungsgrößen sollen von unkontrolliertem Konsum abhalten. Stimmt das? Das ist doch kompletter Blödsinn!

Mit der Freigabe dieser hochwirksamen Medikamente für den rezeptfreien Markt hat man jedoch nicht allein dem jahrelangen Lobby-Druck der Pharmaindustrie nachgegeben. Auch die Krankenkassen freuten sich heimlich, denn Kosten für rezeptfreie Medikamente müssen sie nicht übernehmen. In Deutschland hat der Umsatz rezeptfreier Schmerzmittel inzwischen eine Milliarde Euro überschritten. Also ein Bombengeschäft für die einen, willkommene Kostendämpfung für die anderen – eine höchst ungewöhnliche Allianz.

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