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Dr. Hontschiks Diagnose Die Kunst und der Tod

Von Mäzenen und Sponsoren, Philanthropen und Misanthropen.

OxyContin
Oxycontin, ein Opiat-Abkömmling des Oxycodons und somit ein überaus wirksames Schmerzmittel. Foto: Imago

Den römischen Ritter Gaius Cilnius Maecenas kennt man nicht, aber er ist immer wieder in aller Munde. Er wurde als Spross aus uralten arretinischen und etruskischen Adelsgeschlechtern um 65 v. Chr. geboren und zählte zu den Freunden und einflussreichsten Beratern des ersten römischen Kaisers Augustus. Ohne eigenen Ehrgeiz war er den schönen Künsten zugetan. Er unterstützte ganz besonders die Dichter Vergil und Horaz. Das tat Maecenas ohne jeden eigenen Vorteil. Daher nennt man uneigennützige Förderer von Kunst und Kultur bis heute Mäzene.

Sponsoren in Sport und Kultur

Man kann aber auch Kunst und Kultur unterstützen und dabei vor allem den eigenen Vorteil suchen. Besonders gängig ist das im Bereich des Sports. Große Unternehmen oder solche, die es erst noch werden wollen, sorgen für ihre Bekanntheit, indem sie die Namen von Fußballstadien kaufen, indem sie für die Trikotwerbung von Mannschaften bezahlen oder direkt einzelne Sportler finanzieren, die dafür ihr Auto fahren, ihre Kleidung tragen, ihr Getränk trinken oder ihr Müsli essen müssen.

Auch aus der Welt der Kunst sind diese großen Firmen nicht mehr wegzudenken. Keine bedeutende Ausstellung kommt heutzutage ohne das Geld großer Firmen aus, die dafür in den Katalogen und vor Ort mit ihrem Namen omnipräsent sind. Viele Museen benennen sogar ganze Räume nach den Firmen, die dafür reichlich Geld bezahlt haben. Solche eigennützigen Unterstützer von Kunst, Kultur und Sport nennt man Sponsoren.

Skrupellose Missachtung von Gesundheit und Leben

Und dann gibt es noch eine dritte Variante. Wie soll man die bloß nennen? Das sind keine Mäzene, und das sind keine Sponsoren. Sich selbst nennen sie gerne Philanthropen: Menschenfreunde. Das sind Multimilliardäre wie beispielsweise die Familie Sackler in den USA. Sie legen gar keinen Wert darauf bekannter zu werden, denn sie haben ihren immensen Reichtum längst und im Stillen angehäuft. Die Sacklers produzieren seit drei Generationen, seit den 50er Jahren mit der Firma Purdue Pharma das Blockbuster-Medikament Oxycontin, ein Opiat-Abkömmling des Oxycodons und somit ein überaus wirksames Schmerzmittel. Jahrzehntelang zählte es zu den umsatzstärksten Arzneimitteln der Welt. Trotz des enorm hohen Suchtpotenzials von Oxycodon konnte mit Hilfe williger Politiker dessen Rezeptfreiheit durchgesetzt werden.

Nicht zuletzt die freie Verkäuflichkeit dieses Opiats wird für die gegenwärtige schlimmste Drogenkrise in der US-amerikanischen Geschichte verantwortlich gemacht. Denn das Risiko von Oxycodon wurde und wird von den Sacklers schon immer und erfolgreich verharmlost. Aber weit über 60.000 Drogentote im Jahr in den USA sind fast alle durch diese Opiate in die Abhängigkeit gerutscht, während bei Sackler die Kasse klingelte.

Auf diese Weise erhielt das weltberühmte Metropolitan Museum of Art einen Sackler-Wing, einen riesigen gläsernen Anbau, in dem der jahrtausendealte ägyptische Tempel von Dendur aufgebaut werden konnte. So kommt auch der Louvre oder das Guggenheim Museum zu Geld. Andere Sacklers fördern mit Millionen Dollar das Massachusetts Institute of Technology sowie die Universitäten von Yale, Harvard oder Oxford.

Der Reichtum solcher Milliardäre ist auf skrupelloser Missachtung von Gesundheit und Leben Hunderttausender gegründet, und das soll nun durch großartige Wohltaten verschleiert werden. Diese Milliardäre sind aber keineswegs Philanthropen. Sie sind Misanthropen: Menschenhasser.

Zahl der Drogentoten steigt rasant an

Mitte vergangenen Jahres hat nun die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union Alarm geschlagen. Die Zahl der Drogentoten steigt inzwischen auch in der EU rasant an, wenn auch nicht so gewaltig wie in den USA. Vier von fünf dieser Fälle von Tod durch Drogen stehen in Verbindung mit Opioiden.

Mit ärztlicher Kunst kann man da gar nichts mehr ausrichten. Um diese legalen Drogenkartelle zu zerschlagen, müsste man nur zu zwei ganz einfachen Mitteln greifen: Ausnahmslos alle Schmerzmittel werden rezeptpflichtig, und jedwede Werbung für Medikamente wird verboten.

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de

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