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Donald Trump Millionen von Kindern bald ohne Schutz

Obamacare konnte US-Präsident Donald Trump nicht kippen, also streicht er andere Programme zusammen.

Donald Trump
Donald Trump streicht nun einem Sozialprogramm nach dem anderen lebenswichtige Bundeszuschüsse. Foto: rtr

Die CHIP-Verträge laufen aus. Bis Ende dieses Monats werden knapp fünf Millionen Kinder in 16 US-amerikanischen Staaten ihren Krankenversicherungsschutz verloren haben. Bis Ende Februar wird das nochmal 5,6 Millionen Kinder in weiteren 24 Bundesstaaten und bis Ende März 7,7 Millionen Kinder in 36 Bundesstaaten betreffen. Und bis Ende dieses Sommers kommen weitere 8,4 Millionen Kinder in 46 Bundesstaaten dazu. Minutiös listete die New York Times Mitte Dezember auf, wie Präsident Trump dem Children’s Health Insurance Program (CHIP) im Jahr 2018 Schritt für Schritt den Geldhahn zudrehen wird. Das Programm CHIP stammt aus dem Jahr 1997 und wurde für arme Kinder eingerichtet, deren Familien sich keine Krankenversicherung leisten können. 

Nachdem Präsident Trump die komplette Beseitigung des verhassten Obamacare im vergangenen Jahr mehrfach gründlich misslungen war, streicht er nun stattdessen einem Sozialprogramm nach dem anderen lebenswichtige Bundeszuschüsse. Dass dabei ausgerechnet CHIP als eines der ersten Sozialprogramme unter die Räder kommt, ist haarsträubend, denn die gesundheitliche Situation von Säuglingen und Kindern in den USA ist ein unglaublicher Skandal.  
In diesen Tagen erschien eine Untersuchung über die Entwicklung der Säuglings- und Kindersterblichkeit in den USA in den vergangenen fünfzig Jahren im Vergleich zu sechzehn anderen Industrieländern. Während in allen anderen sogenannten wohlhabenden Nationen die Säuglings- und Kindersterblichkeit über diese lange Zeit schrittweise zurückgegangen ist, war und ist sie in den USA höher als in allen anderen Ländern: Das Todesrisiko bei Säuglingen ist um 76 Prozent höher, das von Kindern um 57 Prozent. Und das, obwohl die Kosten der medizinischen Versorgung in den USA weltweit mit Abstand die höchsten sind. Das beruht aber nicht auf herausragender Qualität, sondern auf exorbitant hohen Kosten. Die Medizin ist dort nahezu ausschließlich in der Hand von privaten und profitorientierten Institutionen und Konzernen. Und so kommt es, dass Kinder reicher Amerikaner eine um 25 Prozent höhere Lebenserwartung haben als Kinder, deren Eltern zu den fünf Prozent der ärmsten Bürger gehören. 

Mit der Lebenserwartung all ihrer Bürger liegen die USA weltweit ohnehin nur auf Platz 42 und haben sich in den letzten 25 Jahren sogar noch um 20 Plätze verschlechtert. Was für eine Bilanz! Und mit dem Abwürgen der CHIP-Programme verschlimmert sich die Situation für Säuglinge und Kinder aus armen Familien weiter.

In unserem Land wird zur Zeit heftig über die Bürgerversicherung gestritten. Die einschlägig bekannten Lobbygruppen versuchen mit Getöse und Katastrophenszenarien, ihre egoistischen Interessen durchzusetzen und ihre finanziellen Erbhöfe zu retten. Ein Blick über den Atlantik könnte vielleicht etwas zur Beruhigung beitragen. Wir streiten auf sehr hohem Niveau. Ob Bürgerversicherung oder nicht, das entscheidende Problem ist ein ganz anderes, nämlich die schleichende Privatisierung und Profitorientierung unserer Krankenhäuser, der Notdienste und der ambulanten Medizin, ja des gesamten Gesundheitswesens. Wenn das so weiter geht, könnten wir in einigen Jahren den USA die rote Laterne des teuersten und schlechtesten Gesundheitswesens vielleicht streitig machen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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