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Hochallergene Pflanze breitet sich aus "Pollenexplosion" in Deutschland

Allergiker dürften sich über den langen Winter gefreut haben - noch fliegen keine Pollen. Das dicke Ende kommt aber offenbar noch. Experten rechnen mit einer regelrechten „Pollenexplosion“.

02.04.2013 13:35
Till Seemann
Auf Allergiker kommen harte Zeiten zu. Experten rechnen mit einer Pollenexplosion. Foto: dpa/dpaweb

Sobald die kalte Jahreszeit vorbei ist, erwarten Fachleute eine regelrechte „Pollenexplosion“ und damit höhere Belastungen für Allergiker. Doch nicht nur das. Künftig könnte sich die Leidenszeit bis in den Herbst hinein verlängern. Denn die hochallergene und erst ab Spätsommer blühende Beifuß-Ambrosie profitiert vom Klimawandel und wird sich auch in Regionen ausbreiten, die bislang von ihren aggressiven Pollen verschont blieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Frankfurt und des Frankfurter Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums.
Rund zwölf Prozent der Deutschen reagieren allergisch auf Ambrosia artemisiifolia, bekannt als Beifußblättriges Traubenkraut oder Beifuß-Ambrosie. Die hochallergene Pflanze stammt aus Nordamerika, wurde im 19. Jahrhundert in Europa eingeschleppt und hat sich seitdem vor allem in Südosteuropa angesiedelt. In der letzten Zeit taucht sie auch zunehmend in Mittel- und Nordeuropa auf. Faktoren, die die Ausbreitung in nördlichere Regionen Europas begünstigen, sind zum einen mit Ambrosia-Samen kontaminiertes Saatgut und Vogelfutter aus Südosteuropa, zum anderen die durch die globale Erwärmung verlängerte Vegetationsperiode und erhöhte Durchschnittstemperaturen.

Verbreitungsgebiet dehnt sich aus

Bislang wurde für Europa noch nicht flächendeckend untersucht, wo die Art aufgrund der heutigen Umweltbedingungen schon vorkommt und wie die zukünftige Verbreitung aussehen könnte. Und das, obwohl die Beifuß-Ambrosie den Forschern zufolge zu den 100 „schlimmsten“ invasiven - also nicht-heimischen – Arten zählt. Das Frankfurter Team hat nun nachgewiesen, dass sich das Verbreitungsgebiet in den nächsten Jahrzehnten nach Norden beziehungsweise Nordosten ausdehnt. Betroffen sind weite Teile Frankreichs und Deutschlands, die Benelux-Staaten, Tschechien, Polen, die baltischen Staaten, Weißrussland und große Teile Russlands. Da Ambrosia artemisiifolia sich überwiegend durch menschliche Aktivitäten verbreitet, erreicht sie neue Gebiete viel schneller als andere Arten, die sich nur auf natürlichem Wege ausbreiten. In Deutschland wird zur Behandlung von Ambrosia-Allergikern mit künftigen Mehrkosten zwischen 193 Millionen und 1,19 Milliarden Euro pro Jahr gerechnet.

Frühzeitig bekämpfen

Die Studie könnte für die Planung von Maßnahmen genutzt werden, um die Invasion vielleicht doch noch einzudämmen. Die Frankfurter Wissenschaftler empfehlen, in den gefährdeten Regionen frühzeitig ein System zur Überwachung der Ambrosia-Einwanderung aufzubauen. So könnten rechtzeitig Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass sich Ambrosia artemisiifolia großflächig etabliert.

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