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Haltungsschäden Handynacken verursacht Verspannungen und Schmerzen

Ein Leben ohne das Smartphone? Für viele undenkbar. Die kleinen Alleskönner sind immer mit dabei, der schnelle Blick aufs das Display verführerisch, denn wir wollen nichts verpassen. Doch der Blick aufs Handy belastet den Nacken mehr, als wir vielleicht denken.

21.01.2016 14:23
Karin Willen
Wer ständig aufs Handy schaut, bekommt das oft im Nacken zu spüren. Foto: dpa-tmn

Kurz die Mails checken, Nachrichten lesen, chatten oder im Internet surfen – Smartphones und Tablets machen es möglich. Ein Problem dabei: Ständig sitzt man mit gesenktem Kopf da. Das kann zu Kopfschmerzen und Nackenproblemen führen – der „Handynacken“. Kein Wunder, dass es dafür schon einen Namen gibt: Glaubt man dem New Yorker Wirbelsäulenchirurg Kenneth K. Hansraj, kommen viele Nutzer täglich auf vier Stunden und mehr an Smartphone und Tablet.

Das kann zu einer Fehlhaltung führen. „Wir sprechen seit einigen Jahren in solchen Fällen vom Handynacken“, sagt Wolfgang Panter, Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte. Erst intensives Nutzen von Smartphones und Tablets führe aber zu Problemen.

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Je weiter der Kopf geneigt wird, desto größer die Belastung

Hansraj vom New Yorker Klinikum für Wirbelsäulenchirurgie und Rehabilitation hat 2014 in einer Modellstudie ermittelt, dass der etwa 4 bis 6 Kilo schwere Kopf eines Erwachsenen mit rund 13 Kilo zusätzlich auf der Halswirbelsäule lastet, wenn er etwa 15 Grad nach vornüber geneigt ist. Je weiter wir den Kopf neigen, desto stärker wird die Belastung. Beim Schauen aufs Display senkt der Nutzer seinen Kopf aber nicht um 15 sondern meist um die 60 Grad. Kräfte von 27 Kilogramm wirken auf Nacken und Rücken.

Je länger und öfter jemand in dieser Position verweilt, desto eher fallen die Schultern nach vorn, überdehnen die Halsmuskeln, verkürzen die Brustmuskeln und wird die Wirbelsäule belastet. Die Folgen: Verspannungen und Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall ein frühzeitiger Verschleiß der Bandscheiben.

Experte: Sport ist besser als Ausgleichbewegungen

„Der Mensch ist ein Lauftier und kein Faultier“, Prof. Bernd Kladny, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach. „Er braucht Bewegung, und da tut ihm jede Form gut“, erklärt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Zwar kann man das Smartphone noch eine Weile ohne Krämpfe in den Armen auf Augenhöhe bringen, doch bei den schwereren Tablets wird das schon schwieriger. Sie landen dann auf Knien und Tischen, die Köpfe darüber gebeugt. „Laptops sind da ergonomischer, wenn sie in vernünftiger Höhe aufgestellt werden“, urteilt Betriebsarzt Panter. Er plädiert für möglichst häufige Ausgleichsbewegungen. „Zum Beispiel öfter mal in die Ferne schauen, um Augen- und Nackenmuskulatur zu trainieren“.

Beim Wassersport nicht überstrecken

Schmerzen und Fehlhaltungen zu verhindern, ist allerdings eigentlich ganz einfach und fällt den meisten doch so schwer: Man muss sich nur oft genug bewegen. „Statt zwanghaft Ausgleichsbewegungen zu machen, sollte man besser einen Sport ausüben, der Spaß macht“, sagt Kladny. Auf ein paar Dinge sollte man dabei achten – Spaß hin oder her: Beim Wassersport solle man wegen der Gefahr von Überstreckung der Wirbelsäule lieber kraulen statt brustschwimmen. Auch krumm auf dem Rennrad zu sitzen, ist nicht der ideale Ausgleich für stundenlanges Sitzen mit Blick nach unten. Auf eine andere Alternative weisen alle drei Experten hin: Smartphone und Tablet einfach öfter mal ausschalten. (dpa/ tmn)

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