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Forschung Was Menschen uralt werden lässt

Ein Kieler Forscherteam findet einen Zusammenhang zwischen einem Gen und der Ernährung.

Washington
Gemeinsam gehen sie auf die Hundert zu. Dieser 99-Jährige aus Washington und seine 93 Jahre alte Frau haben es geschafft. Foto: getty

Was ist das Geheimnis, wenn Menschen sehr alt werden? Warum leben manche über hundert Jahre, warum sterben andere schon mit siebzig oder früher? Die Wissenschaft fasziniert Langlebigkeit seit Menschengedenken. In jüngerer Vergangenheit haben Forscher deshalb die Bewohner von Regionen, wo besonders viele Hochbetagte leben, untersucht; das japanische Archipel Okinawa in Japan, Abchasien am Schwarzen Meer, das Bergdorf Vilcabamba in Ecuador oder die Mittelmeerinsel Sardinien sind solche Orte. Man fand gewisse Gemeinsamkeiten wie regelmäßige, aber moderate körperliche Bewegung im Alltag, eine eher fleischarme Ernährung oder auch das Festhalten an Traditionen. Und doch blieben all diese Zusammenhänge zwar plausibel, aber vage; belastbare Erklärungen ließen sich daraus bislang nicht ableiten.

Natürlich blicken Forscher auch auf die Gene – insbesondere, seit die Analysen immer detailliertere Ergebnisse liefern. Ist es das Erbgut, das manche Menschen uralt werden lässt? Auch diese Annahme dürfte zu simpel sein. Gleichwohl haben Wissenschaftler Hinweise für den Einfluss von Genen auf Langlebigkeit gefunden. Im Fokus der Forschung steht dabei insbesondere das „Forkhead-Box-Protein O3“ (FOXO3). Nach neuen Erkenntnissen scheint es seine positive Wirkung aber nur dann entfalten zu können, wenn ein bestimmtes Ernährungsverhalten dazukommt. Um es vorwegzunehmen: Es scheint so, als würde sich eher Darben als Schlemmen das Gen auf Trab bringen. Zu diesem Ergebnis sind jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ der Christian-Albrechts-Universität Kiel gekommen. Ihre aktuelle Studie ist im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.

Erste Hinweise, dass das FOXO3-Gen sich auf das Alter auswirkt, gab es bereits 1993. Damals stellte man fest, dass sich die Lebensspanne von Fadenwürmern verdoppelte, wenn das Gen verstärkt aktiviert wurde. Später beobachteten US-Wissenschaftler bei besonders alten japanischstämmigen Amerikanern eine Häufung von Veränderungen des FOXO3-Gen. 2009 bestätigte eine Untersuchung des Kieler Teams um Almut Nebel vom Institut für Klinische Molekularbiologie dann erstmals für die Bevölkerung in Deutschland, dass FOXO3 Langlebigkeit fördern kann. In ihrer neuen Studie konnten die Forscherinnen und Forscher nun erstmals zeigen, welche Veränderungen in der Basensequenz der DNA des Gens zu einer besonders langen Lebenszeit beitragen. Doch nicht allein das: Sie fanden auch heraus, dass die lebensverlängernden Effekte des FOXO3-Gens vor allem dann zum Tragen kommen, wenn das Nahrungsangebot nicht zu reichhaltig ist. Damit belegen die Wissenschaftler, dass die genetischen Voraussetzungen zwar wichtig sein mögen, aber nicht alleine darüber entscheiden, ob jemand alt wird.

Bislang war nicht bekannt, welche Veränderungen im FOXO3-Gen es sind, die Menschen überdurchschnittlich alt werden lassen. „Wir konnten mit unseren neuen Daten zeigen, dass insbesondere zwei Varianten im Gen FOXO3 ein langes Leben fördern“, erklären Friederike Flachsbart und Janina Dose vom Institut für Klinische Molekularbiologie und Erstautorinnen der Studie. Diese Veränderungen habe man häufiger bei Hundertjährigen als bei Menschen im Alter zwischen 65 und 70 gefunden.

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