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Fehlernährung und Übergewicht Forscher warnen vor Zeitbombe für Krebs

Zwar ist Rauchen immer noch der größte Risikofaktor, an Krebs zu erkranken. Doch ein zweiter Faktor wird zunehmend bedeutender: Übergewicht durch Über- und Fehlernährung. Vor allem bei Darmkrebs ist der Zusammenhang belegt, warnen Forscher.

03.02.2014 12:09
Zu viel Fleisch, zu viel Fett, zu viel Zucker: 1,4 Milliarden Erwachsene weltweit gelten als übergewichtig. Der Übergewicht begünstigt auch Krebserkrankungen. Foto: dpa

Der größte Risikofaktor für Krebserkrankungen ist nach wie vor das Rauchen. Doch das Image der Zigaretten hat stark gelitten, nicht zuletzt dank zahlreicher Kampagnen: Der Tabakkonsum geht seit Jahren deutlich zurück. Gleichzeitig gibt es immer mehr Dicke - weshalb ein anderer Krebs-Risikofaktor zunehmend in den Fokus rückt. „Es könnte durchaus sein, dass der Faktor Übergewicht und Fehlernährung in diese Lücke stößt“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Otmar Wiestler. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar warnt das Heidelberger Zentrum vor der Zeitbombe falsches Essen.

„Wir haben immer mehr Hinweise dafür, dass unser westlicher Lebensstil mit Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen zu einer erheblichen Zunahme von Krebserkrankungen führt“, erläutert Wiestler. „Der Zusammenhang ist relativ klar für Krebserkrankungen im Magen-Darm-Bereich. Aber auch für Brustkrebs, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint das so zu sein.“

Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs

Mit dem Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs beschäftigt sich die Forschung schon seit langem, doch heute scheint er aktueller denn je. „Es ist davon auszugehen, dass die Kombination aus Überernährung, Übergewicht und Stoffwechselstörungen einer der entscheidenden Krebsrisikofaktoren der Zukunft sein wird - wenn wir nichts dagegen unternehmen“, warnt Wiestler. Die Weltgesundheitsorganisation WHO betrachtet Übergewicht und Fettleibigkeit als weltweite Epidemie. 1,4 Milliarden Erwachsene gelten als übergewichtig, ein Drittel davon als fettleibig.

Laut DKFZ wird immer deutlicher, dass Ernährungsgewohnheiten erheblich an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. Ihr Anteil daran soll bei schätzungsweise 20 bis 42 Prozent liegen. Es ist das Warum, das die Krebsforscher derzeit vor allem umtreibt.
„Wenn man den Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebs versteht, kann man auch Möglichkeiten entwickeln, gezielt einzugreifen“, sagt Wiestler. „Es geht darum, Menschen dazu zu bringen, sich faserreich und ballaststoffreich zu ernähren, viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen - und möglichst wenig gezuckerte und fettreiche Lebensmittel.“ Gesunde Ernährung könne helfen, das Krebsrisiko zu reduzieren - indem Übergewicht gar nicht erst entsteht.

Verzehr von rotem Fleisch erhöht das Risiko

Dem Warum auf den Grund gehen will auch der Virologe und Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Er erforscht, wie rotes Fleisch, Infektionen und Darmkrebs zusammenhängen. Der langfristige Verzehr von rotem Fleisch erhöhe das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken um etwa 20 bis 30 Prozent, sagt der Wissenschaftler. Interessanterweise sei Darmkrebs in vielen Ländern sehr häufig, während er woanders vergleichsweise selten auftrete. „Auffallend ist, dass in den Ländern, in denen Darmkrebs selten vorkommt, kaum europäisch-asiatisches Rindfleisch gegessen wird.“

Zur Hausen geht der Vermutung nach, dass dabei Viren in diesen spezifischen Rindern eine Rolle spielen könnten - die der Mensch aufnimmt, wenn er ihr Fleisch roh oder schlecht durchgebraten isst. Diese Viren seien dann möglicherweise immer noch aktiv. „Ob sie allerdings beim Menschen zu Infektionen führen, können wir noch nicht klar sagen.“

Derzeit sucht zur Hausen in Rinderblut nach Erklärungen. „Wir haben in der Tat eine ganze Reihe neuer Viren isolieren können, von denen wir aber noch nicht wissen, ob sie tatsächlich eine Rolle spielen beim Dickdarmkrebs.“ Der Wissenschaftler warnt vor simplen Schlussfolgerungen beim Thema Ernährung und Krebs: „Keine Infektion, die zu Krebs führt, macht das ganz für sich allein - es müssen immer noch Schäden im Erbgut der betroffenen Zellen hinzukommen.“ (dpa)

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